Proteste gegen Rentenreform Bahnstreik in Frankreich gilt auch Heiligabend

Präsident Macron hatte noch zu einer Streikpause aufgerufen. Trotzdem musste die französische Bahn an Heiligabend etliche Züge streichen. Auch der Verkehr nach Deutschland ist betroffen.
Bahnhof Gare de Lyon in Paris: Die Streiks laufen bereits seit drei Wochen

Bahnhof Gare de Lyon in Paris: Die Streiks laufen bereits seit drei Wochen

Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Kein Pardon für Bahnreisende: Auch an Heiligabend wird der französische Zugverkehr massiv gestört sein. Wie die staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte, werden im Schnitt nur zwei Fünftel der Hochgeschwindigkeitszüge TGV unterwegs sein.

Der Verkehr von und nach Deutschland ist vom Ausstand ebenfalls betroffen: Es fährt nur etwa ein Drittel der planmäßigen Züge. Auch im Regionalverkehr und bei der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP werden wieder erhebliche Behinderungen erwartet.

Die Proteste dauern seit fast drei Wochen und richten sich gegen die Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron. Er will das komplizierte System mit 42 verschiedenen Regelungen in Frankreich vereinheitlichen und das Milliardendefizit der Rentenkassen abbauen.

Macron konnte Streikende nicht überzeugen

Aktuell variieren Renteneintrittsalter und Pensionsleistungen in Frankreich erheblich. So können beispielsweise Bahnangestellte wesentlich früher in Rente gehen als andere Beschäftigte. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 62 Jahren. Macron will auf Rentenpunkte umstellen, die für alle Franzosen gleichermaßen gelten sollen - Sonderrechte würden abgeschafft.

Gegen das Vorhaben regt sich jedoch massiver Widerstand. Der Streik von Bahnmitarbeitern führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in Frankreich. Gespräche der Regierung mit den Gewerkschaften waren am Donnerstag gescheitert und auf Januar vertagt worden.

Macron hatte noch versucht, Streiks über Weihnachten möglichst zu verhindern und versprochen, die Bahn werde an den Feiertagen für jeden Passagier eine Lösung finden. Der Präsident hatte sich in den Verhandlungen zuletzt kompromissbereit gezeigt. Der Staatschef sei gewillt, die Pläne "nachzubessern", hieß es.

Zudem verzichtete Macron auf seine Pensionsansprüche als Präsident, gut 6000 Euro im Monat. Schließlich appellierte er an die Bahnmitarbeiter, die Streiks zumindest über die Feiertage zu beenden. Es gebe Französinnen und Franzosen, die sich an den Feiertagen wiedersehen wollten, dies müsse anerkannt werden, sagte Macron.

Doch die Bemühungen blieben erfolglos. Die Bahngesellschaft SNCF erklärte, rund die Hälfte der etwa 400.000 Kunden mit einem Fahrschein am 23. und 24. Dezember müsse auf ein anderes Datum umbuchen. Die andere Hälfte könne zwar befördert werden, aber einige nur zu einer anderen Uhrzeit als gebucht.

"Wir wissen nicht, was wir tun sollen", sagte der 66-jährige Joel Rossignon, der aus dem Osten Frankreichs in die Hauptstadt angereist war, um Weihnachten mit seinem außerhalb von Paris lebenden Sohn zu verbringen. "Wir haben versucht, ein Taxi vorzubestellen - schon gestern, aber es gab keine", fügte er hinzu.

Zwar unterstützt ein Großteil der Franzosen den Streik der Gewerkschaften weiter, doch die Zustimmung sank zuletzt um drei Prozentpunkte auf 51 Prozent, wie eine Umfrage des Instituts Ifop vom Sonntag ergab.

Der 27-jährige Chemiker Juno Dormevil sagte, er habe Verständnis für die Streiks in einigen Sektoren, etwa in der Pflege, "jedoch nicht für die Eisenbahner". Die Belastung durch den Streik bezeichnete er als einen "täglichen Kampf". Für seinen Arbeitsweg brauche er inzwischen drei Stunden statt einer. "Ich habe keine anderen Transportmittel."

koe/dpa/afp