Züge, Flüge, Autobahnen betroffen Streik in Frankreich sorgt auch am Freitag für Störungen im Fernverkehr

Auch am Freitag wird der Ausstand in Frankreich massive Folgen für den Verkehr haben. Zug- und Flugverbindungen werden abgesagt - auch nach und aus Deutschland.
TGV-Züge im Depot bei Paris: 90 Prozent der Verbindungen wegen Streik gestrichen

TGV-Züge im Depot bei Paris: 90 Prozent der Verbindungen wegen Streik gestrichen

Foto: Reuters/Charles Platiau

Der Generalstreik in Frankreich hat am Donnerstag den öffentlichen Verkehr fast komplett lahmgelegt. Und auch am Freitag wird er den öffentlichen Nah- und Zugverkehr sowie dem Flugverkehr stark einschränken. Die französische Staatsbahn SNCF rechnete nach eigenen Angaben mit sehr starken Störungen.

Die französische Zivilluftfahrtbehörde Direction Générale de l'Aviation Civile (DGAC) rief die Fluggesellschaften auf, ihr Flugaufkommen um 20 Prozent zu reduzieren. Betroffen sind nach DGAC-Angaben die Flughäfen Charles de Gaulle und Orly in Paris, der etwas außerhalb von Paris gelegene Flughafen Beauvais sowie Lyon, Marseille, Toulouse und Bordeaux. In der französischen Hauptstadt sollte der Streik im öffentlichen Nahverkehr noch bis Montag fortgesetzt werden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Der Protest gegen die geplante Rentenreform von Emmanuel Macron lähmt seit dem Morgen das öffentliche Leben. Stark eingeschränkt war vor allem der Bahnverkehr: 90 Prozent der TGV-Schnellzüge wurden nach Angaben der staatlichen Bahngesellschaft SNCF gestrichen, ebenso 80 Prozent der Regionalzüge. Knapp 86 Prozent der Fahrer und 73 der Schaffner hätten demnach die Arbeit niedergelegt. In der Hauptstadt Paris fuhren fast keine Metros, die meisten Linien wurden nicht bedient, Bahnhöfe waren geschlossen.

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Der Massenprotest trifft auch Paris-Besucher: Im Eiffelturm gibt es nicht ausreichend Personal, um die Touristenattraktion an der Seine zu öffnen, wie die Betreibergesellschaft Sete mitteilte. Der 130 Jahre alte Turm wird jährlich von rund sieben Millionen Menschen besucht. Pariser Museen wie der Louvre hatten bereits vor den Streiks vor Einschränkungen für Besucher gewarnt. Das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay bestätigte via Twitter, es bleibe geschlossen.

Folgen für Reisende aus Deutschland

Auch in Deutschland sorgt der Generalstreik im öffentlichen Dienst für erhebliche Beeinträchtigungen. Laut der Deutschen Bahn fahren vorerst keine Fernverkehrszüge zwischen den beiden Ländern. "An den Streiktagen finden im Fernverkehr keine Zugfahrten von und nach Frankreich statt", erklärte das Unternehmen zum Streikbeginn.

Die Bahn rechnete bereits damit, "dass der Streik ausgeweitet wird und mehrere Tage andauert". Reisende aus Frankreich und dorthin würden deshalb gebeten, sich entsprechend auch in den kommenden Tagen online über ihre Verbindungen zu informieren.

Betroffen seien

  • die ICE-Verbindungen von Frankfurt über Mannheim und Saarbrücken nach Paris sowie von München beziehungsweise Stuttgart über Straßburg nach Paris,
  • ebenso die TGV-Verbindung Frankfurt-Mannheim-Straßburg-Marseille.

Fahrten bis einschließlich Mittwoch kommender Woche können nach Angaben der Bahn kostenfrei auf die gleiche Verbindung an einem anderen Reisetag umgebucht werden. Zudem können sich Kunden ihre Fahrkarten für Reisen nach Frankreich in diesem Zeitraum, die nicht mehr genutzt werden, erstatten lassen. Auch die SNCF-Verkaufsstellen in Frankreich buchen Verbindungen nach Deutschland nach Angaben der Bahn kostenlos um.

18 Flüge gecancelt, volle Autobahnen

Flugreisende sind ebenfalls betroffen: Die Lufthansa konnte die Gesamtzahl der Flugausfälle am Donnerstag vorerst nicht beziffern, allein zwischen Frankfurt und Frankreich wurden demnach aber insgesamt 18 Flüge annulliert. Überflüge, zum Beispiel auf die Iberische Halbinsel, könnten "zwar verkehren, sich aber verspäten", sofern sich auch die französische Flugsicherung am Ausstand beteilige.

Die Lufthansa wollte Kunden, die ihre Kontaktdaten hinterlegt hatten, "aktiv" ansprechen und informieren, "ob es Alternativverbindungen oder Umbuchungsmöglichkeiten gibt".

Angesichts der Flug- und Zugausfälle rechnete der ADAC mit entsprechend vollen Autobahnen und Fernstraßen. Neben Wartezeiten seien auch lokale Straßenblockaden "sicherlich nicht ausgeschlossen, aber auf größere Behinderungen stellen wir uns noch nicht ein", erklärte der Automobilclub.

In Erwartung von Protesten der sogenannten Gelbwesten auf den Straßen riet der ADAC Autofahrern aber, sicherheitshalber "einen großen Bogen um Menschenansammlungen und Demonstrationen zu machen". "Darüber hinaus könnte es für Reisende noch viel schlimmer kommen, sollten sich die Gewerkschaften anderer Sektoren anschließen", möglich seien dann auch Streiks bei Tankstellen, Mautstationen und Abschleppunternehmen.

Zahlreiche Gewerkschaften hatten im Konflikt über die geplante Rentenreform zu den branchenübergreifenden Streiks aufgerufen. Auch im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern oder der Justiz waren Streiks geplant.

abl/dpa/AFP