Garmisch-Partenkirchen USA heben Reisewarnung auf

Aus einer Prügelei wurde ein Politikum: Eindringlich hatte das US-Konsulat amerikanische Staatsbürger vor einer Reise nach Garmisch-Partenkirchen gewarnt. Jetzt haben die Behörden die Warnung zurückgenommen. Amerikaner in der Region geben sich zerknirscht: "Ein Versehen."


Garmisch-Partenkirchen/München - Weniger für Großstadtgefahren als für Sommerfrische, Wintersport und Alpenidyll ist das bayerische Garmisch-Partenkirchen bekannt. Doch amerikanische Behörden hatten US-Staatsbürger Anfang Juli gar vor einer Reise in die 27.000-Einwohner-Stadt gewarnt.Jetzt hat das US-Generalkonsulat die Reisewarnung wieder aufgehoben.

Einen entsprechenden Text hat das Konsulat in München von seiner Internet-Seite genommen, sagte ein Sprecher am Montag auf Anfrage. Die Warnung hatte nicht nur in Bayern für erheblichen Wirbel gesorgt.

Auslöser war ein Vorfall vor einem Nachtclub in Garmisch gewesen. Vor gut einer Woche war es demnach vor der Kneipe "Peaches" in der Garmisch-Partenkirchener Innenstadt zu einer Prügelei zwischen einem zivilen Angestellten der US-Armee und einem Deutsch-Türken gekommen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Am Ende soll einer der beteiligten Deutsch-Türken laut einem Bericht des "Münchner Merkur" dem Amerikaner gedroht haben, man werde mit mehreren Freunden zurückkehren und Rache üben.

Bei der oberbayerischen Polizei sprach man von einer "alltäglichen Wirtshausschlägerei". Diese sei von den US-Behörden völlig falsch interpretiert worden, sagte ein Sicherheitsbeamter dem "Münchner Merkur".

Doch in einem Schreiben, das US-Bürgern in ganz Deutschland tausendfach per E-Mail zugeschickt und und auch im Internet veröffentlicht wurde, riet das Konsulat amerikanischen Staatsbürgern, an dem Wochenende um den 4. Juli - dem amerikanischen Unabhängigkeitstag - vor allem Restaurants, Bars und Diskotheken im Großraum Garmisch-Partenkirchen zu meiden.

An diesem Wochenende, warnte das Konsulat US-Bürger, sollten sie "besonders wachsam" sein und "angemessene Maßnahmen zu treffen, um ihre Sicherheit zu erhöhen". Amerikaner wurden dazu aufgerufen, sich auf den Websites der US-Botschaften über die Sicherheitslage in Deutschland zu informieren und sich im Internet zu registrieren, damit "es dem Konsulat im Katastrophenfall leichter fällt, sie zu informieren".

Für den Direktor des George C. Marshall Centers für Verteidigungsfragen in Garmisch-Partenkirchen, John P. Rose, ist diese Warnung im Nachhinein ein Versehen: "Das galt nur für die Bürger in der Region." Aus dem Hinweis habe der American Citizen Service (ACS), ein Informationsdienst für im Ausland lebende Amerikaner, eine weltweite Reisewarnung gemacht. "Das war so nicht gewollt."

Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid hatte im "Garmisch-Partenkirchener Tagblatt" mit dem Satz reagiert: "Man muss die Kirche im Dorf lassen."

kgp/dpa



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