Gefährlicher Luftraum Über der Schweiz gab es 25 Beinahe-Zusammenstöße
Bern - Im vergangenen Jahr wurden so viele Beinahe-Zusammenstöße von Flugzeugen über der Schweiz registriert wie noch nie zuvor. Das teilte das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) am Freitag in Bern mit. Insgesamt wurden dem Büro im vergangenen Jahr 65 Luftzwischenfälle, so genannte Airprox, gemeldet, 16 mehr als 2002. Im vergangenen Jahr waren beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge über dem Bodensee 71 Menschen umgekommen - der zuständigen Schweizer Flugsicherung skyguide wird eine Mitschuld an dem Unglück gegeben.
Für das Gesamtjahr 2003 sieht die BFU die Hauptursachen für die Zwischenfälle aber eher bei den Flugzeugbesatzungen und nicht bei der Flugsicherung. Die Zwischenfälle werden jeweils von Piloten oder Fluglotsen in einem Bericht gemeldet. Gutachter prüfen dann und legen die Risikokategorien fest. Fälle mit der höchsten Risikostufe untersucht das BFU. 2003 waren dies 25 Fälle. Das sind zehn mehr als im Vorjahr und drei mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 2000.
Vor allem seit dem Jahr 1999 ist die Zahl der gemeldeten Zwischenfälle sprunghaft gestiegen. Das BFU führt dies auch auf die Verwendung von Kollisionswarnsystemen zurück, mit denen die Flugzeuge seit dem Ende der neunziger Jahre zunehmend ausgerüstet wurden. Die Besatzungen sind verpflichtet, bei einer Ausweichanweisung des Warnsystems einen Bericht auszufüllen.
Die vielen Meldungen des vergangenen Jahres in der Schweiz sind nicht mit zunehmenden Flugbewegungen zu erklären. Das BFU zählte 2003 rund 1,29 Millionen Flüge nach Instrumenten im Schweizer Luftraum. Pro 100.000 Flügen gab es fünf Zwischenfälle. 2002 waren es 3,9 Zwischenfälle pro 100.000 Flüge gewesen.
Im Gegensatz zum südlichen Nachbarland ist die Zahl der Beinahe-Zusammenstöße im deutschen Luftraum im vergangenen Jahr gesunken. Nach den Kriterien der Deutschen Flugsicherung sei es viermal zu einer akuten Zusammenstoßgefahr gekommen. In weiteren vier Fällen war die Sicherheit bei einer Flugzeugannäherung nicht gewährleistet, und der Pilot oder ein Fluglotse mussten eingreifen. Im Vorjahr waren noch 13 Vorfälle registriert worden. Insgesamt wurden in Deutschland 2,55 Millionen Starts, Landungen und Überflüge gezählt (2,4 Prozent mehr als 2002).