Generalstreik in Belgien EU-Gipfel-Gäste müssen auf Militärbasis landen

Am Nachmittag beginnt der EU-Gipfel in Brüssel - doch der öffentliche Verkehr in Belgien ist stillgelegt. Ein Generalstreik beeinträchtigt im ganzen Land Bahn-, Bus- und Flugverbindungen. Auch Kanzlerin Merkel kann nicht wie gewohnt auf dem Hauptstadt-Flughafen landen.


Brüssel - In Belgien legt ein groß angelegter Streik gegen das Sparpaket der Regierung weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. Am Montag stehen die Züge still, die meisten Busse bleiben im Depot. Und auch auf den EU-Gipfel hat der Ausstand Auswirkungen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll nicht wie gewohnt auf dem Flughafen Brüssel landen, sondern auf der südöstlichen Luftwaffenbasis Beauvechain. Dies berichtete ein EU-Diplomat.

Alle anreisenden Staats- und Regierungschefs sollten in Beauvechain landen. Merkel werde die circa 40 Kilometer Straßenweg nach Brüssel mit dem Auto zurücklegen. Zuvor war bereits die Delegation der amtierenden EU-Ratspräsidentin, der dänischen Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, auf der Basis gelandet, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. In Beauvechain stünden zudem Hubschrauber bereit.

Der Flughafen Charleroi südlich von Brüssel blieb am Montag geschlossen. An dem Airport, ein wichtiges Drehkreuz für den Billigflieger Ryanair, blockierten die Gewerkschaften die einzige Zugangsstraße. Dagegen war der Flughafen von Brüssel-Zaventem weniger stark vom Generalstreik betroffen. "Einige Fluggesellschaften haben von sich aus Verbindungen gestrichen, aber ich schätze, dass etwa nur zehn Prozent der Flüge betroffen sein werde", sagte ein Flughafensprecher. Wegen der Kälte kam es zusätzlich zu Verspätungen.

Die belgische Bahngesellschaft SNCB warnte, der Verkehr werde bis Montagabend "vollständig" eingestellt. Auch die Thalys- und Eurostar-Verbindungen zwischen Brüssel, Köln, Amsterdam, Paris und London sind seit Sonntagabend unterbrochen. Die Deutsche Bahn bietet als Ersatz Busverbindungen zwischen Aachen und Brüssel an. Entgegen der Befürchtungen gab es für die Reisenden genügend Plätze, wie ein Bahnsprecher sagte: "Bisher ist alles reibungslos abgelaufen."

Blockade der Grenzübergänge nach Deutschland

Der Großteil der Busse fährt laut Belga nicht. Hinzu kommen Straßenblockaden. Mehr als 400 Menschen blockierten nach Gewerkschaftsangaben zwei kleinere Grenzübergänge bei Aachen. "Es ist zu keinen größeren Behinderungen gekommen. Die meisten haben die Strecken wohl gemieden", sagte eine Aachener Polizeisprecherin. Die Streikenden fuhren nach eigenen Angaben anschließend in einem Konvoi mit rund 250 Fahrzeugen im Schneckentempo über die E40. Streikende blockierten unter anderem im ostbelgischen Lüttich Autobahnzufahrten.

Auch die Häfen sind betroffen: In Antwerpen streiken die Hafenarbeiter, im weiter westlich gelegenen Zeebrugge gibt es ebenfalls Störungen. Die Privatwirtschaft ist ebenfalls tangiert: Die Angestellten von Coca-Cola in Wilrijk bei Antwerpen sind zum Beispiel im Ausstand. Und in den Autofabriken von Audi und Volvo stehen die Bänder still. Der öffentlich-rechtliche Radiosender RTBF hat das reguläre Programm umgestellt und berichtet ausführlich über die Aktionen.

Generalstreiks sind in Belgien selten. Zu dem letzten derartigen Streik im Jahr 2005 rief nur die sozialistische Gewerkschaft FGTB auf. Diesmal sind alle drei großen Gewerkschaften beteiligt - wie zuletzt im Jahr 1993. Sie wollen ihren Unmut über die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters deutlich machen. Die Maßnahme ist Teil des Sparprogramms der Regierung von Ministerpräsident Elio Di Rupo. Neben den Fluglotsen, Hafenarbeitern und Eisenbahnern wollten auch Lehrer und Krankenhäuser, außerdem Beschäftigte bei der Post, einigen Banken und in zahlreichen Supermärkten streiken.

Im Süden des Landes erschwert Schneefall den Verkehr weiter, berichtet das öffentliche Radio RTBF. Teilweise sei eine Fahrbahn auf den Autobahnen gesperrt.

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Generalstreik in Belgien: Züge stehen still, Flüge fallen aus

abl/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 18 Beiträge
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RaMaDa 30.01.2012
1. verkehrte Welt
Zitat von sysopAm Nachmittag beginnt*der EU-Gipfel in Brüssel - doch der öffentliche Verkehr in Belgien liegt lahm. Ein Generalstreik beeinträchtigt im ganzen Land Bahn-, Bus- und Flugverbindungen.*Auch Züge nach Köln*sind betroffen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,812153,00.html
-------------------------------------------------------------------------------- Komisch, überall wird gestreikt und demonstriert, weil alle weiter unsere Steuergelder ausgeben wollen. Wir streiken und demonstrieren nicht, obwohl alle unser Geld ausgeben.
allenfalls 30.01.2012
2. Was soll das?
Zitat von sysopAm Nachmittag beginnt*der EU-Gipfel in Brüssel - doch der öffentliche Verkehr in Belgien liegt lahm. Ein Generalstreik beeinträchtigt im ganzen Land Bahn-, Bus- und Flugverbindungen.*Auch Züge nach Köln*sind betroffen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,812153,00.html
Das ist ja wohl ein wirklich flacher Artikel, der Informationswert: 0. Worum geht es den Streikenden? Was geschieht in diesem Land, das einen solchen umfassenden Generalstreik provoziert? Keine Informationen, schweigen im Walde. Aber sämtliche Züge aufzählen, die deshalb ausfallen. Wieso ist dieser inhaltsleere "Bericht" nicht in der Kategorie "Verkehrsnachrichten" untergebracht, wenn der Spiegel schon nichts darüber sagen will, worum es dort geht?? *Kopfschüttel*
brux 30.01.2012
3. Ist das Berichterstattung?
Wieder so ein Artikel bar jeder Recherche. Warum wird nicht erwaeht, dass - die Bahner streiken, weil sie weiter mit 55 in Rente gehen wollen (die SNCB ist ein reiner Staatsbetrieb ohne Wettbewerber); - in Belgien ohne Urabstimmung gestreikt wird (Streiks werden einfach vom Gewerkschaftssekretaer angeordnet); - der oeffentliche Dienst katastrophal aufgeblaeht ist (mit Abwesenheitsraten von 30-40%); - die Arbeitsmoral, ausser beim flaemischen Mittelstand, griechische Dimensionen hat (die Arbeit im Handwerk machen im wesentlichen Portugiesen und Rumaenen - schwarz natuerlich); - die Zweisprachigkeit bei vielen Posten im oeffentlichen Dienst zu Doppelbesetzungen fuehrt; - sich Belgien 9 Parlamente leistet; - die Steuerlast Verhandlungssache mit dem Spezi beim Finanzamt ist; - Bruessel (weniger Einwohner als Koeln) immer noch aus 19 unabhaengigen Gemeinden mit ebenso vielen Buergermeistern und Verwaltungen besteht. Diese Verwaltungen koennen sich noch nicht einmal auf ein gemeinsames Konzept fuer Radwege einigen; - in Bruessel 6 separate Polizeiverwaltungen existieren. Da kann es schon einmal passieren, dass die Polizei gar nicht anrueckt, weil man sich nicht einigen kann, auf wessen Territorium der Vorfall nun geschehen ist. Belgien hat einen enormen Reformstau, der nicht angegangen wird. Stattdessen gibt es Streikfolklore, uebrigens immer nur freitags oder montags, weil der Belgier dann einfach ein laengeres Wochenende hat. Streikposten gibt es naemlich nur sehr wenige und das Gehalt wird weitergezahlt. Es gibt schon erste Stimmen, die Deutschland an die zwei Weltkriege erinnern wollen, damit der Schlendrian weiter finanziert wird.
papayu 30.01.2012
4. Find ich prima!!
Zitat von allenfallsDas ist ja wohl ein wirklich flacher Artikel, der Informationswert: 0. Worum geht es den Streikenden? Was geschieht in diesem Land, das einen solchen umfassenden Generalstreik provoziert? Keine Informationen, schweigen im Walde. Aber sämtliche Züge aufzählen, die deshalb ausfallen. Wieso ist dieser inhaltsleere "Bericht" nicht in der Kategorie "Verkehrsnachrichten" untergebracht, wenn der Spiegel schon nichts darüber sagen will, worum es dort geht?? *Kopfschüttel*
Das sind sich sogar Flamen und Wallonen einig.Seit in DE die Gewerkschaften nur noch ein Schattendasein fuehren, klappt es noch in Belgien. In De werden Demonstrationen entweder weggeschossen oder belaechelt. Die Begruendung ist doch unwichtig, Hauptsache der Streik ist da!!!
mauimeyer 30.01.2012
5. Sreik vs. Arbeit
Zitat von RaMaDa-------------------------------------------------------------------------------- Komisch, überall wird gestreikt und demonstriert, weil alle weiter unsere Steuergelder ausgeben wollen. Wir streiken und demonstrieren nicht, obwohl alle unser Geld ausgeben.
Es müssen ja noch irgend welche über bleiben, um das BSP das woanders verfühstückt wird, zu erarbeiten! Kauri
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