Gerichtsurteil Kunde kann nicht auf Extremschnäppchen bestehen

Die Dubai-Reise war so unglaublich billig, dass ein Urlauber sich den Preis vor der Internetbuchung sogar beim Veranstalter bestätigen ließ. Doch Pech gehabt: Das Angebot war ein Computerfehler und wurde später zurückgezogen. Der Kunde ging vor Gericht - und verlor.


München - Ein zu extremes Schnäppchen kann ungültig sein. Ist das Missverhältnis zwischen Preis und angebotener Leistung so groß, dass es ohne weiteres erkennbar ist, kann sich ein Käufer nicht auf den geschlossenen Kaufvertrag berufen, wie aus einem am Montag veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts München hervorgeht. Dies gilt auch dann, wenn dem Käufer auf Nachfrage der zu niedrige Preis bestätigt wird.

Im konkreten Fall hatte der Kläger im Internet eine Pauschalreise nach Dubai für zwei Personen zum Preis von 1392 Euro gebucht. Regulär hätte die Reise mehr als das Dreifache gekostet. Der Käufer hatte sich zudem den niedrigen Preis telefonisch bestätigen lassen. Das Reiseunternehmen wollte den Vertrag aber nicht erfüllen und berief sich darauf, es habe sich um einen Softwarefehler gehandelt.

Der Kläger forderte nun seine Anzahlung zurück, eine Ersatzreise und Schadensersatz für die nutzlos verwendete Urlaubszeit. Das Amtsgericht München verurteilte den Reiseveranstalter zur Rückzahlung der Anzahlung, wies im Übrigen die Klage jedoch ab.

Das Missverhältnis zwischen Preis und Leistung sei ohne weiteres erkennbar gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Kläger hätte sich durch andere Quellen im Internet oder durch Reiseprospekte informieren können und erkennen müssen, dass die automatisch generierte Erklärung des Reiseunternehmens auf einem Irrtum beruhte und dass diesem die Durchführung der Reise zu dem niedrigen Preis unzumutbar sei.

Auch die telefonische Bestätigung des Preises ändere daran nichts, schließlich hätten den Mitarbeitern des Unternehmens durch den Softwarefehler dieselben falschen Zahlen vorgelegen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Amtsgericht München, Aktenzeichen 163 C 6277/09

abl/dapd

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
Cipo, 18.04.2011
1. Nicht nachvollziehbares Urteil
Zitat von sysopDie Dubai-Reise war so*atemberaubend billig, dass ein Urlauber sich den Preis vor der Internetbuchung*sogar beim Veranstalter bestätigen ließ. Doch Pech gehabt: Das Angebot war ein Computerfehler und wurde zurückgezogen. Der Kunde reichte eine Klage ein. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,757718,00.html
Ein nicht nachvollziehbares Urteil. Wenn selbst die Reisebüromitarbeiter bei dem Preis nicht stutzig wurden, wie kann man das dann vom Kunden erwarten?
rossini 18.04.2011
2. Unverständlich
Gerade in den Emiraten + Dubai sind sensationelle Angebote an der Tagesordnung. Man brauche sich nur die Offerten von Skywards anschauen. Vor diesem Hintergrund ist dieses Urteil der alpenländischen geistigen Begrenztheit zuzuordnen. Dass man aus Marketinggründen Angebote subventioniert um die Attraktivität ( in diesem Fall Dubai )zu steigern ,müsste sich auch bis München rumgesprochen haben.
RaMaDa 18.04.2011
3. Im Namen des Volkes
Es hilft nichts, das Recht auf seiner Seite zu haben. Man muss auch mit der Justiz rechnen.
M@ESW, 18.04.2011
4. _
Das er nach einfachen Buchen über Website nicht Recht bekommen hätte wäre zu erwarten, aber das selbst die telefonische Einzelzusage als nicht verbindlich angesehen wird wundert mich.
rorrim, 18.04.2011
5. Exakt
Zitat von CipoEin nicht nachvollziehbares Urteil. Wenn selbst die Reisebüromitarbeiter bei dem Preis nicht stutzig wurden, wie kann man das dann vom Kunden erwarten?
Exakt. Mehr kann man hier nicht mehr hinzufügen.
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