Erstattung von Airline-Tickets Insolvenzverwalter macht Germania-Kunden wenig Hoffnung

Für die Fluggesellschaft Germania könnte es eine Zukunft geben - doch selbst dann bekommen Kunden ihre Tickets wohl nicht voll erstattet. Was empfiehlt der Insolvenzverwalter?

Germania-Schalter am Flughafen Münster/Osnabrück
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Germania-Schalter am Flughafen Münster/Osnabrück


Einen Monat nach dem Insolvenzantrag gibt es offenbar zwei vielversprechende Käufer für Germania. Doch der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg macht Kunden der Airline wenig Hoffnung, dass ein möglicher neuer Investor die Ticketpreise ihrer Flüge komplett erstatten wird. "Dann würde der Investor gleich von Anfang an Verluste machen und wäre damit sicher überfordert", sagte Wienberg. Damit könnten Betroffene selbst dann auf Kosten sitzen bleiben, wenn es für die Fluggesellschaft als Unternehmen weitergeht.

Denkbar sei jedoch, dass ein möglicher Investor den Kunden finanziell etwas entgegenkommt - etwa mit Gutscheinen. Wienberg betonte aber zugleich: "Am Ende entscheidet das der Investor."

Betroffen sind Kunden, die direkt bei Germania einen Flug gebucht haben. Diese bekommen ihre Kosten nicht erstattet, weil sie Vertragspartner der Airline selbst sind und die Forderungen damit unter das Insolvenzrecht fallen. Eine Sprecherin des Insolvenzverwalters hatte vor wenigen Wochen von rund 260.000 entsprechenden Buchungen gesprochen.

Wer hingegen die Tickets bei einem Reiseveranstalter gebucht hat, ist besser dran. "Dann haben die Kunden nach wie vor den Anspruch darauf, dass der Reiseveranstalter ihnen den Urlaubsflug organisiert", erklärte Wienberg.

Lesen Sie hier ausführlich, was Germania-Kunden wissen müssen.

Zwei Kaufinteressenten

Der vorläufige Insolvenzverwalter ermutigte Germania-Kunden, ihre Forderungen bei ihm anzumelden. Das sei allerdings erst dann möglich, wenn das eigentliche Insolvenzverfahren begonnen habe. Derzeit läuft noch die vorläufige Phase. Über den Eröffnungstermin entscheidet ein Gericht auf der Grundlage eines Gutachtens von Wienberg.

Auch ein möglicher Verkauf von Germania ist rechtlich erst im eigentlichen Insolvenzverfahren möglich. Momentan steht Wienberg in Kaufverhandlungen für große Teile der Airline, ihm liegen zwei Angebote vor. "Jetzt sind wir auf der Ebene, dass wir den Kaufvertrag entwickeln, damit wir darüber diskutieren können", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter.

Anfang Februar hatte die Berliner Fluggesellschaft mit fast 1700 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Germania steuerte viele Reiseziele im Mittelmeerraum an und beförderte nach eigenen Angaben zuletzt mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr.

fdi/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
laermgegner 05.03.2019
1. Die armen Billigkunden
Mich würde mehr interessieren, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, damit sie ihre Familien ernähren können. Viele sind von Air Berlin bei Germania untergekommen und hatten sich gerade vom Schock erholt. Wenn die Zocker um immer Billig Ticket mal Lehrgeld zahlen, wäre das vielleicht auch mal eine Lebenerfahrung, wo billig endet.
thomas_mariam_sura 05.03.2019
2. Insolvenzverwalter sind Unternehmer und arbeiten auf eigene Rechnung
Aus eigener Erfahrung, und der vieler Anderer, weiß ich, dass Insolvenzverwalter kein wirkliches Interesse daran haben geprellten Kunden zu helfen. Ihr Interesse liegt darin möglichst lange mit dem Fall beschäftigt zu sein. Deswegen fangen sie oft Prozesse und Verhandlungen an, die aussichtslos sind. Je länger der Fall um so mehr verdienen sie - und am Ende bekommen sie ihr Geld zuerst! Sie werden als Retter dargestellt aber in Wahrheit sind sie meist zum größten Teil Blutsauger. Es gibt einen ganz klaren Interessenkonflikt. Warum der Gesetzgeber so etwas zulässt ist mir bis heute schleierhaft. Darauf habe ich den Spiegel bereits mehrmals hingewiesen aber nie eine Antwort bekommen.
andrf1980 05.03.2019
3. Von wegen billig
Die ganzen Schlaumeier, die ihre Kommentare über angebliche Billigtickets, sollen erstmal darlegen, woher sie diese Info haben. Die Ticketpreise sind weit entfernt von billig. Ich bin von der Insolvenz als Kunde betroffen und habe mich vor der Buchung bewusst gegen EasyJet, Ryanair etc. entschieden und mehr für die Tickets bezahlt. Bei genannten Airlines hätte ich rund 1/3 weniger bezahlt; habe mich jedoch für Germania entschieden, in der Annahme, dass Qualität eben auch mehr kostet. Ich habe jetzt an Lebenserfahrung dahingehend gewonnen, dass billig weniger Risiko bedeutet, da mehr Kundschaft und dementsprechend solventer.
markus_wienken 05.03.2019
4.
Zitat von laermgegnerMich würde mehr interessieren, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, damit sie ihre Familien ernähren können. Viele sind von Air Berlin bei Germania untergekommen und hatten sich gerade vom Schock erholt. Wenn die Zocker um immer Billig Ticket mal Lehrgeld zahlen, wäre das vielleicht auch mal eine Lebenerfahrung, wo billig endet.
Die Mitarbeiter suchen sich andere Jobs oder bekommen im schlimmsten Fall Hartz4. Die Ernährung ihrer Familien ist also sichergestellt. Und der Totalverlust eines Flugtickets ist ärgerlich aber davon geht die Welt nicht unter. Man hätte sich wohl auch mit wenig Geld dagegen versichern können wenn ich die Posts in diversen Vorgängerforen richtig gelesen habe.
steueragent 05.03.2019
5. Ich bin keinesfalls der Lobbiist der Insolvenzverwalter.
Zitat von thomas_mariam_suraAus eigener Erfahrung, und der vieler Anderer, weiß ich, dass Insolvenzverwalter kein wirkliches Interesse daran haben geprellten Kunden zu helfen. Ihr Interesse liegt darin möglichst lange mit dem Fall beschäftigt zu sein. Deswegen fangen sie oft Prozesse und Verhandlungen an, die aussichtslos sind. Je länger der Fall um so mehr verdienen sie - und am Ende bekommen sie ihr Geld zuerst! Sie werden als Retter dargestellt aber in Wahrheit sind sie meist zum größten Teil Blutsauger. Es gibt einen ganz klaren Interessenkonflikt. Warum der Gesetzgeber so etwas zulässt ist mir bis heute schleierhaft. Darauf habe ich den Spiegel bereits mehrmals hingewiesen aber nie eine Antwort bekommen.
Aber wenn Sie das alles so schlimm finden, sollten Sie halt auch einen qualifizierten Vorschlag haben, wie man das besser organisieren könnte. Mir fällt da leider nicht viel ein. So eine Insolvenz ist vom Grunde her halt Mist und da braucht es jemand, der das alles geordnet abwickelt.
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