Gestrandete Thailand-Urlauber Auswärtiges Amt prüft Flugzeug-Charter für Rückholaktion

Tausende deutsche Urlauber sitzen immer noch in Thailand fest. Zwar holen Reiseveranstalter nach und nach ihre Kunden nach Hause, aber auch viele Individualtouristen sind gestrandet. Das Auswärtige Amt erwägt, Flugzeuge zur Rückholung anzumieten.


Berlin - Durch die Blockade der Flughäfen von Bangkok sitzen in Thailand inzwischen 350.000 Reisende fest. Eine Vertreterin des thailändischen Tourismusministeriums sagte am Montag, bei den Reisenden handele es sich um Einheimische, die internationale Flüge gebucht hatten, und um ausländische Touristen.

Das Auswärtige Amt (AA) erwägt die Anmietung von Flugzeugen, um die gestrandeten deutschen Touristen aus dem Land zu bringen. Es werde kontinuierlich geprüft, ob das Chartern eigener Maschinen sinnvoll sei, sagte ein Sprecher am Montag in Berlin. Bisher sei das aber nicht der Fall, weil deutsche Fluggesellschaften ihre Kunden einmal am Tag über die südthailändische Stadt Phuket ausflögen. Nach Aussage der Reiseveranstalter nehme der Rückstau dadurch deutlich ab. Sollte es dennoch notwendig werden, eigene Charterkapazitäten bereitzustellen, werde das auch geschehen.

Die Lage an den Flughäfen sei weiter unübersichtlich, sagte der AA-Sprecher. Wie viele Deutsche noch vor Ort seien, könne wegen der zahlreichen Individualreisenden nicht exakt beziffert werden. Die deutschen Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und der Reiseveranstalter TUI kämen ihrer Fürsorgepflicht für die Urlauber sehr gut nach. Von einigen ausländischen Gesellschaften lasse sich das nicht sagen.

Veranstalter: Lage hat sich entspannt

Die Urlauber, die mit Veranstaltern in Thailand unterwegs waren, sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) inzwischen zu 98 Prozent heimgekehrt oder zumindest auf dem Heimflug. Nur wenige der rund 1800 Gäste, die festgesessen hätten, seien noch im Land, sagte eine DRV-Sprecherin am Montag in Berlin. Auch die Letzten von ihnen sollten aber in den nächsten Tagen nach Hause kommen.

Die Lage habe sich inzwischen entspannt, bestätigte eine Sprecherin von Dertour und Meier's Weltreisen. Insgesamt hätten sie knapp 900 Touristen nach Deutschland zurückgebracht. Damit verblieben "vielleicht noch zehn Gäste, die heute zurückkommen". Zudem habe die Fluggesellschaft Thai Airways inzwischen ihre Flugzeuge in Bangkok "loseisen" können und einen bis Freitag gültigen Ersatzflugplan ab der thailändischen Ferieninsel Phuket sowie Utapao aufgestellt.

Auch der Reisekonzern Thomas Cook erklärte am Montag, er habe inzwischen fast alle seiner gut 200 betroffenen Kunden nach Deutschland zurückgebracht, davon viele mit Linienflügen. Konkurrent TUI erwartete am Montagabend zwei weitere Sonderflüge zurück. Insgesamt seien so gut 750 Urlauber über Phuket ausgeflogen worden, darunter 500 TUI-Kunden. Ein Sprecher des Reisekonzerns sagte, er wisse noch von rund einem Dutzend Individualtouristen, die direkt bei der jeweiligen Fluggesellschaft gebucht hätten und weiter in Bangkok festsäßen.

Die Urlauber werden aus Bangkok mit Bussen zu anderen Flughäfen gebracht, zum Teil auch in das rund 800 Kilometer entfernte Phuket. Von dort starten Maschinen unter anderen von Thai Airways, LTU, TUI oder auch Lufthansa. Thai Airways hat einen Check-in-Schalter im Internationalen Handels- und Ausstellungszentrum in Bangkok eingerichtet, hieß es in einer Mitteilung in Frankfurt. Von dort werden Bustransfers zu dem etwa 150 Kilometer entfernt liegenden Flughafen U-Tapao organisiert, der aber nur auf 14 Flüge am Tag ausgelegt ist.

Veranstalter stornieren Reisen bis Freitag

Mehrere der Veranstalter wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Meier's Weltreisen und Dertour haben ihre Reisen nach und über Bangkok bis einschließlich Freitag abgesagt. Sofern es möglich sei, würden alternative Flugverbindungen angeboten, teilten die Reiseveranstalter Meier's Weltreisen und Dertour mit. Weiterhin angeflogen werde der Flughafen im thailändischen Phuket. Von dort aus werden den Angaben zufolge auch die südlichen Urlaubsregionen erreicht. TUI stornierte seine Reisen bis einschließlich Sonntag. Die Gäste können ihren Urlaub kostenlos stornieren oder umbuchen.

Die Deutsche Lufthansa erklärte, sie werde bis einschließlich Freitag ihre geplanten Bangkok-Flüge nach Phuket umleiten. Gäste, die über das Drehkreuz Bangkok zu anderen Zielen in Asien wollten, würden auf andere Maschinen umgebucht.

Erste Buchungsrückgänge für Thailand-Reisen

Den Deutschen vergeht spürbar die Lust auf einen Urlaub in Thailand. Der Branchenprimus TUI verzeichne bereits erste Buchungsrückgänge, sagte eine Sprecherin am Montag. Während sich der Konkurrent Rewe Touristik mit einer Einschätzung noch zurückhält, rechnet auch der viertgrößte deutsche Anbieter Alltours mit negativen Folgen.

"Der Imageschaden für Thailand ist groß", sagte ein Sprecher. Lediglich Thomas Cook (Neckermann Reisen) erwartet keine Buchungsdelle. Der Ferienbetrieb im Süden Thailands sei von den Demonstrationen unberührt, sagte ein Sprecher. Das Land, in dem gerade die touristische Hauptsaison läuft, ist eines der beliebtesten Ferienziele der Deutschen.

Ein Ende der Blockade, die in die zweite Woche geht, zeichnet sich bisher nicht ab. Eine Wiedereröffnung des Flughafens Suvarnabhumi, den an normalen Tagen 125.000 Passagiere nutzen, würde nach Einschätzung des Betreibers mindestens eine Woche dauern.

abl/Reuters/ddp/AFP/Reuters



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