Gewalt in Kenia Polizei begleitet Touristen mit Waffenschutz ins Hotel

Die blutigen Unruhen treffen Kenia mitten in der touristischen Hochsaison. Reiseveranstalter streichen Ausflüge, Bewaffnete Polizisten eskortieren Touristen auf dem Weg zum Hotel. Das Auswärtige Amt rät, Individualreisen zu verschieben.


Kenia – Menschen verbrennen bei lebendigem Leib, Stämme gehen mit Macheten aufeinander los, Kenia versinkt im Chaos. Die Unruhen, die durch den umstrittenen Wahlsieg von Amtsinhaber Kibaki ausgelöst wurden, treffen das Land an einer empfindlichen Stelle: Im europäischen Winter haben Safari-Touren und Pauschalreisen an den weißen Sandstränden Hochsaison.

Protest in Mombasa: Ein Bus mit Touristen weicht Oppositionellen aus
REUTERS

Protest in Mombasa: Ein Bus mit Touristen weicht Oppositionellen aus

Das Auswärtige Amt verschärfte am Nachmittag seine Empfehlungen in Bezug auf das ostafrikanische Land, sprach jedoch keine offizielle Reisewarnung aus. "Von nicht notwendigen Reisen nach Kenia wird bis auf Weiteres abgeraten", heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Zuvor hatte das Amt lediglich geraten, Menschenansammlungen und Kundgebungen in bestimmten Städten zu meiden. Auch die USA hatten ihre Bürger vor Reisen nach Kenia gewarnt.

Erste Urlauber reisen vorzeitig ab

Die deutschen Reiseveranstalter strichen bis auf weiteres einige Ausflüge in Kenia. Die Anbieter der Thomas-Cook-Gruppe (Neckermann, Thomas Cook Reisen) sagten eine Mombasa-Stadttour ab. Ansonsten gebe es vorerst keine Änderungen, wie Pressesprecher Mathias Brandes betont. "Die Lage in Mombasa ist sehr ruhig und normal." Die touristischen Zentren und die Hotels am Strand sowie die Safaris seien von den Unruhen nicht getroffen. "Das Bild, das über die Medien hier vermittelt wird, stellt sich vor Ort nicht so dar", erklärte Brandes. Einige Kunden hätten allerdings ihre Reise frühzeitig beendet, dies sei aber aus einer rein "persönlichen Einschätzung" geschehen, so Brandes. Die Zahl könne man "an zwei Händen abzählen". Thomas Cook hat derzeit rund tausend Gäste in Kenia.

Mit der TUI-Gruppe sind im Moment rund 600 Urlauber in Kenia, sagte Unternehmensprecher Mario Köpers, davon seien rund 40 auf Safaris unterwegs. Diese Gruppen würden im Moment lediglich die Stadt Mombasa nicht mehr ansteuern. Der Hauptteil der Kunden von TUI und der zum Unternehmen gehörenden Töchter Airtours und 1-2-Fly hielten sich jedoch in den Hotels an den Stränden des Landes auf. Sie würden vor Ort von ihren Reiseleitern informiert. "Bisher gab es keinen einzigen Abreisewunsch", sagte Köpers. Dagegen gebe es einige Dutzend Anfragen von Kunden, die demnächst nach Kenia reisen wollen. Für Kunden von TUI, Airtours und 1-2-Fly, die bis zum 13.1. ihren Kenia-Urlaub antreten wollen, bietet der Konzern die Möglichkeit der kostenlosen Umbuchung an.

Auch Thomas Cook bietet kostenlose Umbuchungen für Reisende mit Abflugdatum einschließlich 11. Januar an, Dertour und Meier's Weltreisen darüber hinaus auch kostenlose Stornierungen. Wie eine Sprecherin von Meier's Weltreisen sagte, könne auf andere Fernreiseziele wie Namibia, Thailand oder Mauritius umgebucht werden. Nach ihren Angabe sind mit dem Veranstalter etwa 600 deutsche Urlauber in Kenia, viele davon auch auf Safaris.

Kein Benzin, kein Geld

Am internationalen Flughafen von Mombasa werden Touristen nicht ohne bewaffnete Begleitung ins Freie gelassen: Die Polizei eskortiert die Busse zu den Hotels, die sich zum Großteil außerhalb der Unruheregionen befinden. Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren nehmen auch auf den Rücksitzen in Taxis und Mietwagen von Touristen Platz.

Abgesehen von der Sicherheitslage leiden Touristen auch unter dem Versorgungsmangel. An vielen Tankstellen wird der Treibstoff langsam knapp, weil Tanklast-Spediteure sich vor gewaltsamen Übergriffen fürchten und ihre Flotte ruhen lassen. "Ich habe kein Benzin mehr, es gibt kein Geld bei der Bank. Ich weiß wirklich nicht, was jetzt passieren soll", sagte ein Tourist, dessen Ausflug an der Küste in einer Warteschlange an der Tankstelle endete.

Die Tourismusindustrie ist in Kenia die größte Einnahmequelle für Devisen: Rund 800 Millionen Dollar trägt die Branche zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Etwa eine Million Besucher kommen jährlich nach Kenia, vor allem in der Hauptsaison von Dezember bis Februar.

reh/abl/dpa/Reuters/AP/dpa-AFX



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