Grand Canyon "Skywalk"-Projekt löst Kontroverse bei Indianerstamm aus

Das Millionenprojekt "Skywalk" am Grand Canyon sorgt für Konflikte unter den dort ansässigen Hualapai-Indianern. Während eine Gruppe die Entweihung ihres heiligen Landes beklagt, freuen sich andere über Arbeitsplätze und neue Einnahmequellen.

Grand Canyon West - Ende März soll es soweit sein: Mit dem "Skywalk" soll der Grand Canyon eine neue Touristenattraktion erhalten. Doch nicht jeder freut sich auf den spektakulären hufeisenförmigen Rundgang, der vom Südhang aus 21 Meter weit in den Abgrund hineinragen soll. Der Bau entweihe die Naturlandschaft des Canyons und damit ein wichtiges Heiligtum der Hualapai-Indianer, sagen traditionsorientierte Gruppen.

Nach deren Überlieferungen stiegen einst die Vorfahren des Stammes aus dem Abgrund herauf, ihr Blut soll für die rote Färbung von Teilen der Wände verantwortlich sein. "Der Canyon ist ein heiliger Ort, die Gebeine unserer Vorfahren sind hier begraben", sagte Dolores Honga, die seit Jahrzehnten rituelle Tänze am Rand des Abgrundes aufführt. "Ihr solltet das Land lieben und es nicht nur mit Dollarzeichen in den Augen betrachten", sagte die 71-Jährige.

Andere Mitglieder des Hualapai-Stammes dagegen begrüßen das 40-Millionen-Dollar-Bauprojekt eines Investors aus Las Vegas wegen der damit verbundenen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Hunderte von Jobs sollen in einer Gegend entstehen, wo sonst Armut herrscht und die Hälfte der Leute keine Arbeit hat.

Allein im ersten Jahr rechne sie mit bis zu 500.000 Touristen auf dem 25 US-Dollar (knapp 19 Euro) teuren Rundgang über den 1,6 Kilometer tiefen Abgrund, sagte Sheri Yellowhawk, Geschäftsführerin der Grand Canyon Resort Corporation, einer stammeseigenen Firma, die das Projekt betreut. "Ich sehe das nicht als Entweihung - ich glaube, das ist eine sichere, einzigartige Möglichkeit, den Canyon zu sehen", sagte Yellowhawk. Das Projekt könne ein wichtiger Faktor für die zukünftige Entwicklung ihres Stammes sein. Möglicherweise könne bald ein Hotel mit 300 Zimmern in der Nähe der Sehenswürdigkeit errichtet werden.

Außerdem sollen mit den Tourismus-Einkünften unter anderem ein Gerichtsgebäude, ein Altenheim und ein Feuerwehrgebäude entstehen. Charlie Vaughn, Sprecher des Stammes, gab zu, dass ihm der Konflikt unter den Hualapai schlaflose Nächte bereite. Trotzdem sei der Bau des "Skywalk" im Interesse seines Stammes. Für zukünftige Entwicklungen jedoch solle man sich vom oberen Rand des Naturwunders zurückhalten und "die Schönheit des Canyon erhalten", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Ende März soll der ehemalige Astronaut Buzz Aldrin die architektonisch einmalige Konstruktion aus Beton, Stahl und Glas eröffnen.

sto/Reuters

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