Grenzenlose Gespräche EU-Kommission macht Weg für Flugzeug-Telefonate frei

Die EU-Kommission erleichtert die Einführung von Mobilfunknetzen in Flugzeugen. Für solche Bordsysteme gelten nun europaweit einheitliche Standards. Mehrere Airlines planen, noch in diesem Jahr das Telefonieren über den Wolken zu ermöglichen - nur Lufthansa ziert sich.


Brüssel - Grenzenloses Quatschen über den Wolken: Die Brüsseler Behörde hat am Montag europaweit einheitliche Regeln für die Einführung von Bordsystemen verabschiedete, die Telefongespräche ohne Gefährdung der Sicherheit ermöglichen. Nach Angaben eines Sprechers sind nun Fluggesellschaften und Mobilfunkanbieter am Zug, den Service bereitzustellen. Die Behörde geht davon aus, dass praktisch neun von zehn Handybenutzern in der Lage sein werden, künftig in Flugzeugen mobil zu telefonieren. Gespräche seien weiter bei Starts und Landungen verboten. Erst wenn die Maschine eine Höhe von 3000 Metern erreicht habe, könne das Angebot genutzt werden.

Zwar hat das auch Bundesverkehrsministerium bereits Anfang März die rechtlichen Voraussetzungen für Handy-Telefonate in Flugzeugen geschaffen, doch ohne einen europaweiten Ansatz hätten Airlines den neuen Service nur auf Inlandsflügen anbieten können. Für alle übrigen Verbindungen hätten sie eine eigene Zulassung bei der jeweiligen nationalen Behörde erwirken müssen. Mit der Kommissionsentscheidung ist klargestellt, dass eine etwa in Deutschland erlangte Zulassung automatisch auch in allen übrigen 26 EU-Staaten gilt.

Die Lufthansa will die neuen Möglichkeiten aber nicht ausschöpfen und den Gebrauch von Mobiltelefonen in ihren Flugzeugen nicht erlauben. Kundennachfragen hätten eine große Mehrheit dagegen ergeben, sagte Unternehmenssprecher Jan Bärwalde. "Die Leute möchten nicht gestört werden." Die Lufthansa setze weiter auf einen Breitband-Internetzugang während des Flugs, wie dies bereits von 2004 bis Ende 2006 erfolgreich angeboten worden sei. Nunmehr suche die LH einen neuen Partner für die technische Umsetzung. Man sei optimistisch, das bald wieder anbieten zu können.

Auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, Air Berlin, will keine Handy-Gespräche an Bord ermöglichen. "Das wird eher als Störung empfunden", sagte Sprecherin Alexandra Müller. "Das gäbe ein heilloses Geklingel an Bord." Skepsis auch bei British Airways: "Es könnte das Reiseerlebnis abwerten", sagte eine Sprecherin.

Air France testet, Emirates bietet Service bereits an

Dagegen hat die französische Fluggesellschaft Air France am vergangenen Mittwoch einen Modellversuch an Bord eines Airbus A318 gestartet. Die Fluggäste könnten auf inneuropäischen Strecken telefonieren oder SMS schicken, sobald eine Flughöhe von 3000 Metern erreicht sei, teilte die Airline mit. Gleichzeitig können sechs Telefonate und eine praktisch unbegrenzte Anzahl SMS übertragen werden. Außerhalb der EU bietet Emirates den Service seit dem 20. März auf einem seiner Flugzeuge an.

Nach Angaben der EU-Kommission planen mehrere europäische Fluggesellschaften, noch im Laufe dieses Jahres ebenfalls Mobilfunknetze in ihre Maschinen einzubauen. Darunter sind Ryanair, British Midland and die portugiesische Fluggesellschaft TAP.

Die von den Telefonanbietern AeroMobile, OnAir und H4 hergestellten neuen Bordsysteme sind über Satellit mit dem Boden verbunden. Spezielle Instrumente verhindern, dass sich die Mobiltelefone an Bord des Flugzeugs direkt in terrestrische Netzwerke am Boden einwählen. Dadurch sollen die Datenströme so niedrig gehalten werden, dass sie die Flugzeugtechnik nicht stören.

Die im vergangenen Jahr eingeführten Preisgrenzen für Mobilfunkgespräche im EU-Ausland werden im Flugzeug nicht gelten. Die Preisgrenzen seien nur für terrestrische Mobilfunknetze festgelegt, erklärte die EU-Kommission am Montag.

abl/AP/dpa



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