Großbrand im Bahnmuseum 24 historische Fahrzeuge unwiederbringlich zerstört

Eisenbahnfans sind fassungslos: Bei einem Feuer im Depot des Nürnberger Bahnmuseums brannten zahlreiche historische Lokomotiven und Waggons völlig aus. Geschätzter Schaden: 20 bis 40 Millionen Euro, Liebhaberwert: unermesslich.

Nürnberg - Insgesamt brannten 24 historische Fahrzeuge in dem Lokdepot des DB-Museums Nürnberg total aus. Wertvollstes der zerstörten Ausstellungsstücke war ein 70 Jahre alter originalgetreuer Nachbau der ersten in Deutschland eingesetzten Lokomotive "Adler" samt fünf Waggons. Die Original-"Adler" machte am 7. Dezember 1835 zwischen Nürnberg und Fürth die erste offizielle Eisenbahnfahrt in Deutschland.

Nach Polizeiangaben zerstörten die Flammen außerdem noch sechs Dampflokomotiven - darunter ein Exemplar der letzten Dampflok der Deutschen Bundesbahn "23-105" aus dem Jahr 1959 und die stärkste deutsche Güterzug-Dampflok "45-010" von 1941 -, sechs Dieselloks, drei E-Loks, eine Lok vom Typ V 200 sowie ein Berliner U-Bahn-Triebwagen aus dem Jahr 1913 und zehn Waggons.

Der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf 20 bis 40 Millionen Euro. Die historischen Bahnen seien "unwiederbringlich zerstört", sagte eine Museumssprecherin. Museumsdirektor Jürgen Franzke sagte, "der Liebhaberwert ist nahezu unersetzlich". Er betonte, bei der Halle habe es sich um das wertvollste Depot des Nürnberger Bahnmuseums gehandelt. Bahn-Vorstand Hartmut Mehdorn bezeichnete den Verlust als "schwerwiegend für die Bahn".

Mehrdorn erklärte, das Nürnberger Verkehrsmuseum sei das führende deutsche Bahnmuseum und hüte das Erbe aus 170 Jahren Bahngeschichte. Das Feuer verwüstete aber nicht das Stammhaus neben dem Nürnberger Hauptbahnhof, sondern das für Besucher nicht zugängliche Lokdepot drei Kilometer außerhalb auf dem Gelände des DB-Regio-Betriebswerks. Dort waren die noch fahrbereiten Lokomotiven und Waggons untergebracht.

Dacharbeiten waren eventuell Brandursache

Warum das Feuer ausbrach, war laut Polizei zunächst unklar. Da der betroffene Gebäudekomplex zum Teil einstürzte und weiter Einsturzgefahr bestand, können die Brandexperten frühestens am Mittwoch ihre Arbeit aufnehmen. Bekannt wurde am Dienstag aber, dass wenige Stunden vor Ausbruch des Feuers am Dach des Gebäudes gearbeitet wurde. Dabei seien Bitumenbahnen heiß verklebt worden. Ob die Arbeiten mit dem späteren Ausbruch des Brandes zusammenhängen, müsse nun ermittelt werden.

In Folge des Feuers kam es am Montagabend in Nürnberg zu einem Verkehrschaos: Der Frankenschnellweg (Autobahn A 73) musste ebenso wie die Bahnstrecke Nürnberg-Würzburg für mehrere Stunden gesperrt werden; die Jansenbrücke in der Innenstadt wurde wegen Gefahren durch die Rauchentwicklung und starken Funkenflugs bis zum frühen Dienstagmorgen gesperrt. Bei den Löscharbeiten waren gut 200 Feuerwehrleute im Einsatz, die Polizei war mit 54 Einsatzkräften vor Ort. Explodierende Tanks und Gasleitungen behinderten die Löscharbeiten massiv.

Das betroffene Gebäude mit den Außenmaßen 80 mal 60 Meter wurde von der Bahn zur Unterbringung der Lokomotiven und Waggons benutzt, es diente aber nicht als Ausstellungsfläche. Besonders der Verlust der "Adler" dürfte Eisenbahnfans das Herz bluten lassen: Es war der ältere von nur zwei in Deutschland noch existierenden Nachbauten. Er war funktionstüchtig und konnte sogar für Charterfahrten gebucht werden. Der zweite Nachbau stammt aus dem Jahr 1952 und ist im Nürnberger Bahnmuseum ausgestellt. Die Original-"Adler", die von der Lokomotivfabrik Robert Stephenson im britischen Newcastle stammte, wurde 1857 als überholt aus dem Verkehr gezogen und anschließend verkauft. Sie ist seitdem verschollen.

Laut Franzke stand in den Hallen etwa ein Fünftel des Bestands des Nürnberger DB-Museums, das das wichtigste Depot für die Bahn in Deutschland ist. Die zerstörten Lokomotiven seien zum Teil Unikate, die sich trotz der noch vorhandenen Baupläne nicht so schnell ersetzen lassen würden. "Für uns ist das ein Totalverlust", sagte Franzke. Im vergangenen Jahr sahen sich mehr als 145.000 Besucher die Ausstellungen in Nürnberg an. Museumsangaben zufolge ist der Museumsbetrieb von dem Brand nicht betroffen.