Großbritannien Zeit für Sperrstunde ist abgelaufen

Die Sperrstunde in britischen Pubs ist Geschichte, ab kommender Woche dürfen Kneipen im Königreich 24 Stunden lang geöffnet haben. Damit die friedliche Adventszeit dennoch nicht durch betrunkene Chaoten gestört wird, startet eine vorweihnachtliche Anti-Alkohol-Kampagne.

London - Ab Donnerstag kommender Woche müssen britische Pub-Besitzer nicht mehr um kurz vor 23 Uhr die letzte Runde einläuten: Die Sperrstunde fällt weg. Doch offensichtlich traut man den Kneipengängern auf der Insel keine Selbstkontrolle zu: Parallel zur Liberalisierung der Öffnungszeiten startet die alljährliche "Weihnachts- und Neujahrs-Anti-Suff-Operation" - einen Monat früher als 2004.

Die konservative Opposition hat bis zur letzten Minute erbittert für die britische Tradition der Sperrstunde gekämpft. Gestern scheiterte ihr Antrag auf zeitweilige Aussetzung des bereits 2003 beschlossenen Gesetzes zur Neuregelung der Pub-Öffnungszeiten endgültig. Hauptargument der Opposition für die zeitliche Begrenzung des Biergenusses war die Befürchtung, dass es künftig mehr Krawalle geben würde.

Die Labour-Partei setzte sich jedoch mit ihrer Sichtweise durch: Die Liberalisierung der Kneipenöffnungszeiten dämme das weit verbreitete "Kampftrinken" ein, denn Pub-Besucher fühlten sich nicht mehr gedrängt, den Gerstensaft zu stürzen und würden weniger schnell betrunken werden. Bisher haben rund 70 Prozent aller britischen Pubs Anträge auf eine Ausweitung der Öffnungszeiten um mehrere Stunden gestellt. Jedoch haben bislang nur 700 Kneipenwirte um Genehmigungen für einen Ausschank rund um die Uhr nachgesucht, den die Opposition als "24- Stunden-Sauf-Lizenz" gebrandmarkt hatte.

Anti-Suff-Operation startet früher als sonst

Doch so ganz traut die Regierung ihren eigenen Prophezeiungen wohl doch nicht. Die alljährliche "Weihnachts- und Neujahrs-Anti-Suff-Operation" beginnt in diesem Jahr bereits einen Monat früher als 2004. 2,5 Millionen Pfund (3,7 Millionen Euro) bekommt die britische Polizei extra für den Kampf gegen unsoziales Verhalten und Straßenrandale, die häufig im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch stehen.

Mit Hilfe von Überwachungskameras will die Polizei Rowdys und Trunkenbolde aufspüren und mit Bußgeldern belegen oder festnehmen. Im vergangenen Jahr mussten während der Kampagne vom 17. Dezember bis Neujahr mehr als 3600 Menschen ein Bußgeld von 80 Pfund (150 Euro) zahlen. In einigen Fällen wurde die Strafe schon für öffentliches Urinieren verhängt. Auch wird verstärkt geprüft, ob sich Wirte an das Jugendschutzgesetz halten und Alkohol nur an Erwachsene ausschenken.

Bereits vergangene Woche hat die Regierung eine drastische Plakataktion gestartet, die junge Leute vor Alkoholmissbrauch und unsozialem Verhalten warnen soll. Der Titel gleicht dem Monopoly-Slogan "Gehe über Los". "Betrink dich und benimm dich daneben, werde verhaftet, zahle 80 Pfund Bußgeld" steht in großen Lettern auf einem Plakat, darunter ist ein Mann zu sehen, der einen Strom Geldmünzen in den Rinnstein uriniert. Ein anderes Motiv zeigt den Schriftzug "80 Pfund" - geschrieben mit Erbrochenem. Na dann - Frohes Fest.