Großprojekt am Schwarzen Meer Ukraine plant Urlauberstadt auf der Halbinsel Krim

Golfplatz, Yachthafen, neue Hotels: Auf der ukrainischen Krim-Halbinsel soll eine komplett neue Stadt für Touristen entstehen. Allein für den Bau müssten mindestens fünf Milliarden Dollar fließen - jetzt fehlen nur noch die Investoren.

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Kiew - Wohlstand und neue Arbeitsplätze - das ist es, wovon in der Ukraine alle träumen. Auf dem Ausbau der Tourismusbranche liegen deshalb alle Hoffnungen. "Wir müssen eine Tourismusstruktur schaffen, die für internationale Reiseanbieter attraktiv ist", sagt der stellvertretende Ministerpräsident und Infrastrukturminister Boris Kolesnikow. Bis 2014 will die Regierung auf der Krim eine komplett neue Urlauberstadt aus dem Boden stampfen.

Seit Monaten trommelt er für seine Idee einer Tourismusstadt im Westen der Krim. Doch das Großprojekt ist teuer. Nach vorläufigen Schätzungen benötigen die Ukrainer allein zum Bau fünf Milliarden Dollar. In drei Phasen sollen nur nicht nur Hotels und Ferienapartments entstehen, sondern auch eine Infrastruktur.

Geplant ist alles, was das Touristenherz begehrt: Tennis- und Golfplatz, Yachthafen, Einkaufszentrum, Restaurants und ein Park. Zudem ist in der Nähe von Jalta ein neuer Flughafen geplant. Straßen- und Zugverbindungen auf der Krim müssen dringend erneuert und ausgebaut werden.

Die Halbinsel am Schwarzen Meer war schon zu Sowjetzeiten ein beliebtes Ferienziel. Viele der in den sechziger und siebziger Jahren erbauten Bettenburgen stehen noch heute, doch die Einrichtungen verlieren immer mehr Besucher. Wer es sich leisten kann, bucht lieber einen Urlaub in der Türkei oder Nordafrika.

Der Name für die neue Stadt soll in einer Abstimmung unter den Bewohnern der Krim gefunden werden. Vor allem russische Investoren würden sich gerne an den Projekten beteiligen. Die Halbinsel ist traditionell von Russland geprägt, kaum einer der Einwohner spricht ukrainisch. Der Hafen von Sewastopol dient als Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

Schwierige Suche nach Investoren

Um internationale Geldgeber wirbt die Ukraine bislang vergebens. Für die meisten westlichen Investoren bietet die Ex-Sowjetrepublik nicht genug Rechtssicherheit. Außerdem verunsichern Korruption und Bürokratie, neuerdings häufen sich auch feindliche Firmenübernahmen. Deshalb machen europäische Reisekonzerne einen großen Bogen um die Ukraine.

Die ukrainische Regierung wird trotzdem nicht müde, die Türkei zu umgarnen. Im vergangenen Herbst fand in Jalta eine internationale Konferenz mit Beteiligung des türkischen Europaministers Egemen Bagis statt. Ihn freute es damals sichtlich, wie ihn die ukrainischen Gastgeber hofierten. Vor allem die Wirtschaftsleistung der Türkei beeindruckt die Osteuropäer. In der Ukraine ist es vor allem der Großindustrielle Rinat Achmetow, der mit dem Nachbarn Türkei gerne engere geschäftliche Beziehungen eingehen würde.

Allerdings steht ihm im Land auch eine prorussische Fraktion sowie eine Gruppe protektionistischer Bewahrer gegenüber. Achmetow kontrolliert den Osten des Landes. Die meisten Menschen dort finden im Bergbau und der Schwerindustrie Arbeit. Viele Betriebe sind am Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. Ein Umbau steht in den nächsten Jahren bevor. Auch aus diesem Grund müssen die Ukrainer neue Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor schaffen.

Die neue Stadt auf der Krim soll erst der Anfang des Ausbaus des Tourismus sein. Auch in den westukrainischen Karpaten soll der Fremdenverkehr entwickelt werden. "Irgendwann muss die Ukraine anfangen", sagt Boris Kolesnikow, wenn er über den Ausbau der Infrastruktur seines Landes spricht. "Erst haben wir 70 Jahre während der Sowjetunion verloren, und in den zwei Jahrzehnten unserer Unabhängigkeit ist auch zu wenig passiert."

Nina Jeglinski, dapd



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