Neue Handgepäck-Regel auf USA-Flügen Was Sie über das Laptop-Verbot wissen müssen

Auf Flügen von Dubai oder Istanbul in die USA dürfen Passagiere künftig keine Laptops mehr mit an Bord nehmen. Bringt das Verbot tatsächlich mehr Sicherheit? Und warum sind Smartphones weiter erlaubt? Die wichtigsten Antworten.
Sprengstofftest an einem Laptop (Archivbild)

Sprengstofftest an einem Laptop (Archivbild)

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Geschäftsleute, die auf dem Weg in die USA oder nach Großbritannien sind, werden die kostbaren Flugstunden erst einmal nicht mehr damit verbringen können, am Computer zu arbeiten. Denn ab Freitag gilt ein Laptop-Verbot an Bord bestimmter Flüge.

Die beiden Länder haben am Dienstag verkündet, größere elektronische Geräte im Handgepäck für Verbindungen aus mehreren Staaten zu verbieten. Doch wie sinnvoll ist die neue Regel? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Länder sind betroffen?

  • Reiseziel USA: Die neue Regel gilt für Verbindungen von zehn Flughäfen, die mehrheitlich im Nahen Osten und in Nordafrika liegen: Abu Dhabi, Amman, Casablanca, Dubai, Doha, Istanbul, Jeddah, Kairo, Kuwait und Riad. Wer von hier aus nonstop in die Vereinigten Staaten fliegt, darf größere elektronische Geräte nicht mit in die Kabine nehmen, sondern muss sie mit dem Gepäck aufgeben. Insgesamt handelt es sich um rund 50 Flüge am Tag.
  • Reiseziel Großbritannien: Betroffen sind Direktflüge aus Ägypten, der Türkei, Jordanien, Saudi Arabien sowie aus Tunesien und dem Libanon - die letzten beiden Länder stehen bei den Amerikanern nicht auf der Liste.

Was ist der Grund für das Verbot?

Über die spezifischen Gründen für den Laptop-Bann lässt sich bisher nur spekulieren. Während Großbritannien die Maßnahme mit der Terrorgefahr begründet, hat die US-Regierung offiziell keine Angaben zu den genauen Motiven für das Verbot gemacht. Warum der Schritt ausgerechnet jetzt kommt, ist unklar. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf Geheimdienstkreise, die USA hätten in den vergangenen Wochen von einer aktuellen Bedrohungslage erfahren.

Der Nachrichtensender NBC News stellt den Sachverhalt anders dar : "Das hätten sie schon vorigen Monat machen können oder gar nicht", zitiert der TV-Sender einen ranghohen US-Beamten. "Es gibt keine neue brisante Geheimdienstinformation, aber natürlich gibt es gleichzeitig böse Leute, die böse Dinge tun."

Die US-Zeitung "Washington Post" wirft eine ganz andere Theorie in den Raum , die nicht unbedingt etwas mit Sicherheitsbedenken zu tun hat: Der Laptop-Bann diene der Agenda der Trump-Regierung und habe wirtschaftliche Gründe, heißt es in einem Bericht. Trump wolle damit unter anderem Airlines aus dem Nahen Osten schaden - und Fluggewohnheiten von Passagieren beeinflussen, die bisher ihre Routen über internationale Drehkreuze wie Doha oder Dubai gelegt haben.

Um welche Geräte geht es?

Bei den USA-Flügen geht es um Elektronikgeräte, die größer sind als Handys - eine recht schwammige Definition, mit der vor allem Laptops und Tablets gemeint sind, aber auch Kameras und Spielekonsolen. Letztlich liegt es laut einem Sprecher des US-Heimatschutzministeriums im Ermessen der jeweiligen Airline, was erlaubt ist und was nicht. Großbritannien hat dagegen konkrete Maße angegeben, die ein Gerät im Handgepäck nicht überschreiten darf: 16 mal 9,3 Zentimeter.

Warum fallen Smartphones nicht unter die neue Regelung?

"Hier geht es um Größe", sagt Terrorismusexperte Bennet Waters in einem Bericht der "Time" . Je größer das Gerät, desto mehr Sprengstoff passe hinein. Smartphones stellten dadurch ein geringeres Risiko dar als tragbare Computer. Waters, der unter anderem für den US-Heimatschutz gearbeitet hat, vergleicht den aktuellen Laptop-Bann mit der Begrenzung von Flüssigkeiten im Handgepäck: "In bestimmten Mengen bedeuten Cremes und Gels keine Gefahr für die kommerzielle Luftfahrt", sagt er. So verhalte sich das auch bei der Größe von Geräten.

"Ein Handy ist ein Computer", entgegnet der Computerexperte Nicholas Weaver im britischen "Guardian"  . Damit könne man alles anstellen, was auch mit größeren Geräten geht. Er plädiere deshalb dafür, das Verbot auch auf Smartphones auszuweiten, wenn man es ernst meine.

Warum soll es sicherer sein, Laptops im Frachtraum zu transportieren?

"Explosive Stoffe sind im aufgegebenen Gepäck leichter aufzuspüren", sagt Jeffrey Price, Experte für Luftfahrtsicherheit dem "Time"-Bericht zufolge. Die Kontrolle könne hier gründlicher und unter Einsatz fortschrittlicherer Technologien ablaufen als mit den Röntgenmaschinen, die bei der Sicherheitskontrolle für Passagiere im Gebrauch sind.

Zudem sei es für potenzielle Terroristen schwerer, eine Bombe zu zünden, die sich im Frachtraum befinde, sagt Price. Dafür bräuchte es eine Zeitschaltuhr oder einen Auslöser, der auf den veränderten Luftdruck in einer gewissen Flughöhe reagiere. Beides sei unzuverlässiger als das direkte Zünden einer Bombe.

Auch dieser Einschätzung widersprechen Computerexperten. Für einen potenziellen Angreifer stelle es kein Problem dar, eine Laptop-Bombe im Frachtraum zu zünden, sagt Weaver.

Wie reagieren die Airlines auf das Verbot?

Die Fluggesellschaften wurden vom Laptop-Bann der USA überrascht. Neben Etihad und Turkish Airlines sind Emirates, Royal Jordanian Airlines, Egypt Air, Saudi Arabian Airlines, Kuwait Airways, Royal Air Maroc und Qatar Airways von der neuen Regelung betroffen. Die Fluglinien haben bis Freitag Zeit, diese umsetzen.

Emirates reagierte mit Humor auf den Laptop-Bann. "Wer braucht schon Tablets oder Laptops?", heißt es in einem Werbevideo für das Board-Entertainment, das die Airline auf Twitter postete.

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Ansonsten bittet Emirates seine Passagiere mit Reiseziel USA, "sämtliche elektronische Geräte, die größer als ein Handy oder Smartphone sind, im aufgegebenen Gepäck zu transportieren". Wie man die neuen Maßnahmen konkret umsetzen wolle, konnte Emirates zunächst nicht beantworten.

Ähnlich äußerte sich Etihad Airlines. "Die Sicherheit bleibt weiterhin unsere oberste Priorität", hieß es vage in einem Statement. Auch die Passagiere anderer Fluggesellschaften erfuhren vorerst nicht, was genau beim Check-in an den betroffenen Flughäfen auf sie zukommt - zum Beispiel ob die Schlangen länger sein werden. Turkish Airlines weist lediglich auf seiner Website  auf die neuen Handgepäck-Regeln hin.

Kommt ein Laptop-Verbot für Deutschland in Betracht?

"Die Handgepäckkontrollen an den deutschen Flughäfen befinden sich auf einem sehr hohen Sicherheitsstandard", sagt Ralph Beisel, Chef des Flughafenverbandes ADV. "Es ist deshalb davon auszugehen, dass deutsche Flughäfen nicht durch derartige Verbote der USA betroffen sein werden."

Auch ein Sprecher der Bundesregierung betonte, dass dies "derzeit nicht" vorgesehen sei. Die Bundesregierung sei aber von den Maßnahmen der Behörden in den USA und Großbritannien vorab in Kenntnis gesetzt worden. Aus deutscher Sicht sei zur allgemeinen Gefährdungsbewertung nichts Neues mitzuteilen, sagte der Sprecher laut der Nachrichtenagentur AFP weiter. Mit anderen Staaten gebe es einen engen Austausch auf der Fachebene. Insofern erwarte die Bundesregierung auch zeitnah Informationen darüber, ob es in anderen Staaten neue Erkenntnisse zur Sicherheitslage gebe.

Wie berechtigt ist die Angst vor Laptop-Bomben?

Die US-Geheimdienste warnen seit Jahren vor Anschlägen durch Bomben, die islamistische Terroristen in Flugzeuge schmuggeln. Die Terrororganisation al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat in den vergangenen Jahren mehrfach derartige Attentatsversuche unternommen. Am Ersten Weihnachtsfeiertag 2009 versuchte der Qaida-Terrorist Umar Farouk Abdulmutallab an Bord eines Flugzeugs von Amsterdam nach Detroit eine Bombe zu zünden, die in seiner Unterhose versteckt war. Das Vorhaben scheiterte, der Terrorist wurde überwältigt.

Im Oktober 2010 verschickte AQAP mehrere Sprengsätze, die in Druckern versteckt waren. Sie sollten während des Flugs in die USA detonieren. Beide Bomben wurden aber bei Zwischenstopps in Dubai beziehungsweise Großbritannien entdeckt. Der Plan scheiterte.

Im Februar 2016 verübte die mit al-Qaida verbündete Terrororganisation al-Schabab in Somalia ein Attentat mit einer Laptopbombe. Die Miliz schickte einen Mann mit einem Sprengsatz, der in einem tragbaren Computer versteckt war, in ein Flugzeug, das auf dem Weg von Mogadischu nach Djibuti war. 15 Minuten nach dem Start detonierte die Bombe und riss ein Loch in die Außenwand des Flugzeugs. Der Attentäter wurde nach außen geschleudert, zwei Passagiere wurden verletzt. Der Pilot konnte die Maschine notlanden.

Offenbar sind es genau solche Szenarien, vor denen sich die US-Behörden fürchten.

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