Havariertes Kreuzfahrtschiff Küstenwache evakuiert Passagiere der "Mona Lisa"

Hilfe auf See: Die Küstenwache hat in einer fünf Stunden dauernden Aktion die rund 650 Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Mona Lisa" evakuiert. Das Schiff war auf einer lettischen Sandbank auf Grund gelaufen, die meisten Gäste sind Deutsche.


Riga - Die "Mona Lisa" liegt noch immer vor der Küste Lettlands auf einer Sandbank. Die lettische Küstenwache hat am Montag die überwiegend deutschen Passagiere von dem Kreuzfahrtschiff evakuiert und auf zwei bereitstehende Schiffe gebracht. "Die Operation läuft glatt, und die Passagiere sind wohlauf", sagte Küstenwacht-Sprecher Ruslans Kulesovs. Die Wetterbedingungen seien "nahezu perfekt". Der Kapitän habe der Evakuierung zugestimmt, nachdem alle Bemühungen gescheitert seien, das Schiff frei zu schleppen.

Vier Schlepper hatten am Morgen erneut erfolglos versucht, das in den sechziger Jahren gebaute Kreuzfahrtschiff zu befreien. Zuvor waren Treibstoff und Öl abgepumpt worden, um das Schiff leichter zu machen. Die rund 650 Passagiere und 320 Crew-Mitglieder mussten die Nacht auf dem Schiff verbringen, fast alle der Passagiere sind Deutsche.

Die auf den Bahamas registrierte "Mona Lisa" war am Sonntag auf dem Weg von der polnischen Hafenstadt Danzig in die estnische Hauptstadt Tallinn und sollte in Riga einen Zwischenstopp einlegen. Am frühen Sonntagmorgen lief es vor der Hafenstadt Ventspils im Nordwesten von Lettland in der Irben-Straße, dem wichtigsten Zugang der Ostsee zum Hafen der lettischen Hauptstadt Riga, auf eine unterseeische Sandbank. Der Veranstalter der Kreuzfahrt ist die Reederei Lord Nelson Seereisen, nach deren Angaben gehört die "Mona Lisa" dem US-amerikanischem Unternehmen Kyma Ship Management mit Sitz in Miami.

Die Bergungskräfte hatten bereits am Sonntagabend Ballastwasser aus den Tanks gepumpt und versucht, die leichter gewordene "Mona Lisa" mit drei Schleppern von der unterseeischen Sandbank zu ziehen - vergeblich. Am Montagmorgen wurde ein vierter Schlepper dazugeholt. Die deutsche Reederei Lord Nelson Seereisen will nun eine schwedische Bergungsfirma, die über ein leistungsstarkes Schleppboot verfügt, um Hilfe bitten.

Passagiere genossen Sonne auf Deck

Die Passagiere wurden nach Angaben von Fervers zum Hafen von Ventspils gebracht und fahren am Abend mit dem Zug nach Riga. Dort seien bereits Hotelzimmer für sie reserviert. Im Laufe des Dienstags würden die Passagiere nach Deutschland geflogen. "Sie bekommen natürlich eine Entschädigung, die Versicherung ist bereits informiert", sagte der Reederei-Chef Fervers, der sich auf dem Schiff befindet. Der Gesamtschaden liege vermutlich bei "weit über einer Million Euro".

"Die Passagiere sind zwar traurig, dass die Reise nun vorzeitig enden muss, aber zugleich haben sie sehr verständnisvoll reagiert", meinte Fervers. Am Sonntag hätten sie das schöne Wetter zum Sonnen an Deck genutzt. Die Kreuzfahrtreise hatte am 1. Mai in Kiel begonnen. Sie sollte eigentlich zehn Tage dauern und über Riga, Tallinn, St. Petersburg und Helsinki führen. Durchschnittlich habe jeder Passagier rund 1400 Euro für die Reise bezahlt.

Bisher gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die "Mona Lisa" irgendwelche Schäden davontrug. Laut Fervers hätten Taucher die "Mona Lisa" unter Wasser begutachtet und festgestellt, dass sie nur Kratzer abbekommen habe. Wenn die Passagiere von Bord sind, werde weiter daran gearbeitet, das Schiff wieder fahrbereit zu machen.

"Mona Lisa" lief schon zum dritten Mal auf Grund

Warum die "Mona Lisa" auf Grund lief, ist unbekannt. Schlechtes Wetter scheide als Ursache aus, erklärte die Küstenwache. "Es war ein Manövrierfehler, der Kurs wurde nicht beibehalten", sagte Fervers. Das Schiff sei zum Unfallzeitpunkt von einem griechischen Brückenoffizier gesteuert worden, der ein Kapitänspatent hat - "ein erfahrener Mann", wie Fervers sagte. Er betonte, der Offizier habe nicht unter Alkoholeinfluss gestanden. Auch bei den anderen Offizieren handele es sich um Griechen.

Zuvor hatten lettische Medien über Gerüchte berichtet, nach denen mehrere Besatzungsmitglieder unter Alkoholeinfluss standen. Anderen Gerüchten zufolge unternahm der Kapitän ein Wendemanöver, um den Reisenden bessere Fotoaufnahmen zu ermöglichen.

Die rund 200 Meter lange und knapp 29.000 Tonnen schwere "Mona Lisa" wurde in den sechziger Jahren ursprünglich für eine schwedische Reederei in Großbritannien gebaut und wechselte seither mehrmals Eigentümer und Namen. Wie die Nachrichtenagentur APA berichtet, war sie seit 2002 hauptsächlich für den in Konkurs gegangenen deutschen Reiseveranstalter Holiday Reisen unterwegs und gehört nun zur Flotte des Nachfolge-Unternehmens Lord Nelson Reisen. Die "Mona Lisa" lief bereits mehrmals auf Grund: Im Juli 2003 in der Nähe von Spitzbergen und im Mai 2004 in der Nähe des Markusplatzes in Venedig.

abl/AP/AFP/dpa



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