Heiße Fahrt ICE ohne Klimaanlage blieb auf freier Strecke stehen

Fahrten in überhitzten ICE sind in diesen Tagen keine Einzelfälle: Bei Bamberg blieb ein Hochgeschwindigkeitszug wegen Oberleitungsschaden liegen - ohne Kühlung. Das Rote Kreuz musste zur Hilfe eilen. Die Gewerkschaft Transnet verlangt mehr Personal pro Zug.

Bahn-Reisender in Düsseldorf: Schon ab 32 Grad "Gefahr der Überlastung der Kälteanlage"
DPA

Bahn-Reisender in Düsseldorf: Schon ab 32 Grad "Gefahr der Überlastung der Kälteanlage"


Bamberg - Heiße Tage auf der Schiene: Täglich muss die Deutsche Bahn Totalausfälle wegen defekter Klimanlage melden, zugleich aber macht regelmäßig die Kühlung auch in einzelnen Waggons der Züge schlapp. Am Mittwochnachmittag ist ein ICE nach einem Oberleitungsschaden auf der Bahnstrecke nördlich von Bamberg liegengeblieben. Dadurch fiel auch die Klimaanlage im Zug bei Außentemperaturen von rund 35 Grad aus, bestätigte die Deutsche Bahn (DB) am Donnerstag den Vorfall.

Aus Sicherheitsgründen mussten die rund 200 Passagiere demnach knapp 90 Minuten in dem heißen Zug warten, bis Ersatzbusse für die Weiterfahrt nach Bamberg zur Verfügung standen. Etwa ein Drittel der Reisenden musste wieder in den Zug einsteigen und eine weitere Stunde ausharren, bis der liegengebliebene ICE mit Hilfe von Dieselloks nach Bamberg geschleppt werden konnte. Mittlerweile funktionierten auch die Toiletten in dem ICE von Berlin nach München nicht mehr. Die Reisenden wurden vom Roten Kreuz mit kalten Getränken versorgt.

Wie die in Hannover erscheinenden "Neue Presse" berichtet, wurden am Mittwoch auch zwei Eurocity-Züge wegen Überhitzung aus dem Verkehr gezogen, einer davon im Hauptbahnhof Hannover. Ein IC auf der Strecke Berlin-Amsterdam/Schiphol sei wegen einer defekten Klimaanlage gestoppt, berichtet das Bielefelder "Westfalen-Blatt". Die Reisenden seien auf andere Züge verteilt worden. Zusätzlich sei ein ICE zwischen München und Lübeck wegen Hitzeproblemen geräumt worden.

Gewerkschaften fordern von Bahn Schutz der Mitarbeiter

Die Klimaanlagen in den Fernzügen der Bahn sind nur auf Temperaturen bis 32 Grad ausgelegt und der aktuellen Hitzewelle damit nicht gewachsen. Über diese Temperatur hinaus sei "ein Abkühlen grundsätzlich nicht mehr gewährleistet", heißt es in einem Brief des Präsidenten des Eisenbahnbundesamtes (EBA), Gerald Hörster. Er fasse Ergebnisse einer Anhörung der Bahn am Montag zum Ausfall von Klimaanlagen zusammen, sagte eine EBA-Sprecherin am Donnerstag in Bonn und bestätigte einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundesamtes hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beklagte, das Wetter scheine der größte Feind der Bahn zu sein. "Im Sommer verstopften die Filter der Klimaanlagen, im Herbst führt Laub zu Fahrzeitverlängerungen, im Winter frieren Weichen ein", erklärte VCD-Chef Michael Gehrmann. Er forderte die Bahn auf, Gewinne der vergangenen Jahre in Verbesserungen ihres Systems zu stecken und auf Fahrpreiserhöhungen zu verzichten.

Die Bahn-Gewerkschaften GDBA und Transnet fordern mehr Mitarbeiter für die Betreuung der Passagiere im Zug. Sie riefen den Personalvorstand der Bahn auf, bei der Hitzewelle Arbeitserleichterungen zu schaffen, und verlangten kostenlose Getränke für das Zugpersonal: "Unsere Kolleginnen und Kollegen leiden in den betroffenen Zügen ebenso unter der Hitze, müssen dabei aber immer noch ihren Dienst versehen", sagten Transnet-Vorstand Reiner Bieck und GBDA-Vize Peter Tröge. Sie forderten vom Vorstand Ulrich Weber, dass er "endlich die Mitarbeiter vor ungerechtfertigten Vorwürfen in Schutz nehmen" solle.

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F. Schneider 12.07.2010
1.
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Früher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
Carnival Creation, 12.07.2010
2. .
Wachstum, Wachstum über alles... Solange nur die Gier des Neoliberalen Managements der Bahn zählt, muß man ich über solche unfassbaren Peinlichkeiten nicht wundern. Aber wie konnte man denn auch AHNEN, daß wir so ein heißes Wetter kriegen würden? Davor warnen die 'Klimahysteriker' ja schließlich erst seit 20 Jahren.... Das Spiel beginnt! Jetzt!
idealist100 12.07.2010
3. Hauptsache
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Hauptsache Gewinn und Marktreif zum verscherbeln. Wo sind die Verantwortlichen ?? Unterdimensionierte Anlagen ausgelegt auf max. 30 Grad schalten bei höheren Temperaturen einfach zur Sicherheit ab.
robert_t_offline 12.07.2010
4.
Zitat von F. SchneiderFrüher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
Jo das macht bei 300 sicher Spass ^^ Jetzt sagen sicher manche "Ja dann sollen se langsamer fahren" und dann maulen die anderen "Dann bin ich ja ewig unterwegs" :D Da simmer wieder in Deutschland..kann mer meckern ^^
buktu1975 12.07.2010
5. Das ist doch nix neues...
Das ist doch nichts neues: Hatte ich schon mal im ICE im Rekordsommer 2003. Klimaanlage defekt und lauschige gefühlte (und wahrscheinlich reelle) 50° im Abteil. Der Schaffner hat immerhin kühle Drinks ausgegeben. Ich dachte, die hätten mittlerweile dazugelernt. PS: Im Nahverkehr zum Flughafen hatte ich kürzlich eine klimatisierte S-Bahn! Ich war erstaunt!
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