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High Line in New York: Grün, hoch, herrlich

Foto: Kathy Willens/ AP/dpa

High Line in Manhattan New York feiert seine grüne Ader

Empire State Building war gestern, das Muss für Manhattan-Touristen ist heute die High Line: eine stillgelegte Hochbahntrasse, die zum Park umfunktioniert wurde. Jetzt ist der letzte Teil fertig geworden.

New York - Endlich ist die High Line fertig: Der dritte und letzte Teil der zum Park ausgebauten Hochbahntrasse  in New York ist am Wochenende eröffnet worden. 2,5 Kilometer ist die Touristenattraktion jetzt lang. Und nicht nur die Besucher schwärmen, auch die Einheimischen sind begeistert von der ungewöhnlichen Grünanlage.

"Wenn der neueste und letzte Teil der High Line nicht dazu führt, dass Sie sich noch einmal total in New York verlieben, dann weiß ich wirklich nicht mehr, was ich sagen soll", schreibt Michael Kimmelman, Autor der "New York Times", in seinem Artikel zur Eröffnung des dritten Abschnitts . Und für US-Schauspieler Edward Norton  ist der Park aus der Millionenmetropole längst nicht mehr wegzudenken.

"Es ist inzwischen wirklich schwer, sich vorzustellen, wie es hier vorher aussah", sagte der 45-Jährige vor der offiziellen Eröffnung am Sonntag. Norton setzt sich seit Jahren für den Umbau der früher für den Güterverkehr genutzten Trasse ein, die neun Meter über der Erde liegt. Auch bei der Eröffnungsfeier mischte er sich unter die Besucher. Mit Fahnen und Musikbands zogen die Betreiber sowie Nachbarn und Unterstützer des Projekts dabei am Sonntag über das Gelände.

Einst verkommene Gegend, heute blühendes Grün

Seit der erste Teil der High Line vor fünf Jahren freigegeben wurde, ist das Projekt an der Westseite Manhattans zur weltweit nachgeahmten Erfolgsgeschichte geworden. Die Schienen der Trasse sind vielerorts geblieben, aber dazwischen grünt und blüht es, Wege führen entlang der alten Strecke, gesäumt von Bänken.

Im Jahr 1934 war die Hochbahntrasse gebaut worden , damit Güterzüge ihre Ware vom Gleis direkt in die oberen Stockwerke der Fabriken und Lagerhäuser an der Westseite Manhattans liefern konnten. Weil später aber immer mehr Lastwagen anstelle von Zügen eingesetzt wurden, wurde die Strecke weniger und weniger genutzt, bis 1980 der letzte Zug fuhr - beladen mit gefrorenen Truthähnen.

Die Trasse verkam in den Jahren danach und mit ihr die Viertel um sie herum. Bald war die Gegend geprägt von Abfallbergen, vom Straßenstrich, von Kriminalität und Drogen. Eigentlich war der Abriss der Trasse schon beschlossene Sache, als Joshua David und Robert Hammond eine andere Idee hatten.

Wolkenkratzer und Luxuswohnblocks

Die Nachbarn hatten sich auf einem Gemeindetreffen kennengelernt. Ihre Vision: Die High Line sollte zum Park werden. Dafür klagten sie gegen den Abriss, mobilisierten Prominente wie Schauspieler Norton und die Designerin Diane von Fürstenberg, sammelten Millionen - und hatten schließlich Erfolg. "Wir haben eine neue Art und Weise geschaffen, wie man in New York und überall sonst über öffentlichen Raum nachdenkt", sagt David bei der Eröffnungsfeier. 2011 wurde der zweite Abschnitt eingeweiht.

Längst hat die Transformation der High Line  auch die Umgebung um sie herum verändert. Der Meatpacking District , wo sie beginnt, West Chelsea, wo sie durchführt, und Hell's Kitchen, wo sie nun aufhört, sind zu teuren Szenevierteln geworden. Haute-Couture-Läden, Galerien, Cafés und teure Restaurants prägen die sorgfältig renovierten Straßenzüge.

Quer über die Trasse hat ein Investor das Standard  gebaut, eines der derzeit angesagtesten Hotels in New York. Daneben baut zurzeit Architekt Renzo Piano eine neue Heimat für das renommierte Whitney-Museum , das im kommenden Jahr von der noblen Upper East Side an diesen Ort umziehen soll . Neue Wolkenkratzer und Luxus-Wohnblocks entstehen. Nicht für alle früheren Bewohner der Viertel sind das gute Nachrichten: Viele konnten sich die hohen Mieten nicht mehr leisten und mussten wegziehen.

Mehr als 20 Millionen Besucher seit 2009

Seit seiner Eröffnung 2009 haben mehr als 20 Millionen Menschen den Park besucht und die Panoramablicke, unter anderem auf das Empire State Building, die Freiheitsstatue und den Hudson River genossen. Es gibt Führungen durch die Blumenbeete, kostenlose Sportkurse, gemeinsames Sternegucken, Konzerte und Angebote für Kinder.

Die High Line stehe für einen generellen Trend zu mehr Natur und Bewegung in New York, sagt Senator Charles Schumer. "Früher haben wir U-Bahnen gebaut und Farmen zu Stadtvierteln gemacht. Jetzt bauen wir Parks. Und dreimal dürfen Sie raten, wie ich heute aus Brooklyn hierhergekommen bin? Mit dem Fahrrad."

New York ohne High Line ist auch für ihn undenkbar: Längst sei der Park zu einer der Touristenattraktionen mit dem höchsten Wiedererkennungswert in der Millionenmetropole geworden. "Früher haben die Leute gesagt: 'Wenn du nach New York fährst, musst du dir das Empire State Building anschauen'", sagt Schumer. "Heute sagen sie: 'Wenn du nach New York fährst, musst du über die High Line laufen.'"

Christina Horsten/dpa/emt
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