Hitliste historischer Orte Jury wählt Potsdam auf Platz acht

Wer der Abrissbirne trotzt, punktet: Eine Fachjury hat ein Ranking der besten 110 historischen Orte weltweit aufgestellt. Sie suchten Schauplätze, die das Erbe ihrer Vergangenheit beispielhaft erhalten haben - vier deutsche Städte schafften es in die Bestenliste.


Popularität gehörte nicht zu den Prüfkriterien - und so enthält die Hitliste der historischen Stätten viele Orte, die nicht zu Hot Spots des Massentourismus zählen: In einem Ranking des "National Geographic Traveler" hat die niederösterreichische Region Wachau den ersten Platz geholt. Eine Fachjury von 280 unabhängigen Reiseexperten bewertete 110 historische Orte auf der ganzen Welt. Das Donautal zwischen den Städten Krems und Melk bezeichnete das Gremium wegen seiner besonderen Bemühungen um das historische Erbe als "besten historischen Ort".

Unter den deutschen Vertretern schaffte es Potsdam auf Platz acht. Die idyllische Stadt gilt für viele Touristen als eine der schönsten Städte Deutschlands. Die Jury lobte vor allem den guten Zustand der Schlösser in der Landeshauptstadt Brandenburgs. Der Havelstadt sei es gelungen, ihren Glanz der Vorkriegszeit wiederzugewinnen.

Bei der Studie habe es sich nicht um einen "Beliebtheitswettbewerb" gehandelt, betonte der "National Geographic Traveler". Vielmehr sei es bei der Bewertung von Bedeutung gewesen, dass die Plätze authentisch seien.

So seien allein Orte ausgewählt worden, die ihren historischen Charakter bewahrt haben und dem "Massentourismus, der Verwahrlosung und der Abrissbirne" getrotzt haben, hieß es auf der Internet-Seite des "National Geographic Traveler". Es sollten jene Orte und Regionen belohnt werden, die die Vergangenheit nicht "überspielen". Historische Stätten, die nur noch "einbalsamiert als ein lebloses Museum" oder als eine "niedliche Parodie auf ihr wahres Erbe" existieren, hatten bei der Jury keine Chance.

Darüber hinaus spielten folgende Kriterien eine Rolle:

  • ökologische Qualität
  • soziale und kulturelle Integrität
  • Zustand von historischen Gebäuden und archäologischen Gebäuden
  • Ästhetik
  • Qualität des Tourismusmanagements
  • Zukunftsaussichten

Platz zwei belegt der Rideau-Kanal im kanadischen Ontario. Der 1832 eröffnete Kanal ist die älteste ununterbrochen benutzte künstliche Wasserstraße in Nordamerika. Bronze geht an das historische Zentrum von Gent, die Hauptstadt der belgischen Provinz Ostflandern.

In der Studie ist Deutschland insgesamt viermal vertreten: Neben Potsdam schafften es auch München (Platz 30), Dresden (Platz 38) und Aachen (Platz 44) in die Bestenliste. Viel Lob heimsten europäische Ziele ein - das Gremium aus internationalen Journalisten, Ökologen, Geografen und Tourismusforschern wählte sieben Ziele innerhalb Europas in die Top Ten. Auf dem letzten Platz landete Central City in Colorado. Begründung der Jury: Die Stadt habe hinter ihrer historischen Fassade ihre Seele verloren.

peg



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