Hitzetage Bahn plant Einbau leistungsfähigerer Klimaanlagen

Kühlere Züge sind in Sicht - jedoch nicht mehr in diesem Sommer. Bei neuen Zügen will die Deutsche Bahn Klimaanlagen einbauen, die auch bei Temperaturen von bis zu 45 Grad funktionieren. Bahnchef Grube wehrt sich gegen Vorwürfe, auf Kosten der Wartung gespart zu haben.

Durstige Passagierin: In der Sommerhitze ist Bahnfahren oft kein Vergnügen
DPA

Durstige Passagierin: In der Sommerhitze ist Bahnfahren oft kein Vergnügen


Frankfurt/Main - Neue Klimaanlagen in Zügen der Deutschen Bahn sollen künftig auch bei Außentemperaturen bis zu 45 Grad arbeiten. Entsprechende Geräte seien Teil der Ausschreibung des Projekts ICx, sagte eine Bahnsprecherin am Freitag. Der ICx soll unter anderen die in die Jahre gekommenen InterCity-Züge der Bahn ersetzen.

Zudem könnten die neuen Geräte bei der Generalüberholung in der 44 Züge der zweiten ICE-Baureihe installiert werden, die von diesem Jahr an modernisiert werden soll. Bahnchef Rüdiger Grube sagte am Freitag im Deutschlandfunk, dass im Zuge der Renovierung überlegt werde, "ob es nicht besser ist, dass wir auch die Klimaanlage entsprechend überarbeiten".

Mit Blick auf erwartete weitere Hitzetage und ausfallenden Klimaanlagen sagte Grube: "Wir geben uns alle Mühe, dass so etwas nicht vorkommt." Völlig ausschließen könne er solche Störungen aber auch nicht. Er wies Vorwürfe zurück, ein Sparkurs für den geplanten Börsengang sei Schuld an den massiven Klimaanlagen-Problemen der ICE.

Bei der Wartung der Fernzüge seien laut Grube sowohl der Material- als auch der Personalaufwand in den vergangenen Jahren gestiegen. Für die Fernverkehrsflotte seien die Materialausgaben von 298 Millionen Euro 2004 auf 405 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Der Personalaufwand sei von 84 Millionen auf 96 Millionen Euro erhöht worden.

Der Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Homburg, kündigte in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" am Donnerstagabend an, auch die Fertigung der sogenannten Regelwerkskonformität prüfen zu wollen. Dabei soll insbesondere darauf geachtet werden, dass Neuanschaffungen bestimmten Normen entsprächen. Auch würde die Funktionstüchtigkeit untersucht, wenn bestimmte Grenzwerte erreicht würden.

Grüne: Bahn braucht mehr Reserven

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann, zeigte sich unterdessen mit den von der Bahn getroffenen Maßnahmen zufrieden. "Darüber bin ich froh. Das ist ein Ergebnis der Chaostage", sagte der Grünen-Verkehrspolitiker Hermann der "Mitteldeutschen Zeitung" zum Einbau besserer Geräte. Auch bei Kälte müsse man mit größeren Problemen rechnen, wurde Hermann zitiert. Zudem brauche die Bahn mehr Reserven. Die technische Anpassung dauere aber Jahre. "Die Kapazitäten sind begrenzt."

Zugleich erhob Hermann schwere Vorwürfe gegen das frühere Konzernmanagement unter Hartmut Mehdorn. Das Unternehmen sei ausschließlich mit dem Ziel geführt worden, es an die Börse zu bringen. "Da wurde nur das Nötigste investiert, weil alles andere die Bilanzen versaut hätte. Das müssen Rüdiger Grube und die neue Bahnführung jetzt bitter bezahlen."

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, griff dagegen erneut das jetzige Management des Unternehmens an. Es gebe offensichtlich Fehler im System, sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es geht um die Gesundheit von Menschen. Da darf man nichts verharmlosen."

Gewerkschaft: Regierung soll Bahn mehr Geld geben

Die Bahngewerkschaft Transnet hat den Bund aufgefordert, dem Staatskonzern mehr Geld für Investitionen zu belassen. "Der Bund macht einen großen Fehler, wenn er der Bahn eine jährliche Rendite von 500 Millionen Euro abpresst", sagte Transnet-Vorstand Reiner Bieck der "Berliner Zeitung" vom Freitag. Die Bahn brauche das Geld für Investitionen, wie die Fuhrpark-Probleme im Winter und Sommer zeigten. Zudem sollte das Unternehmen weiteres Personal einstellen, um die "zu Recht empörten Reisenden" zu betreuen, forderte er. Das Zugpersonal sei zum Prellbock für die aufgestaute Wut der Kunden geworden, wie die Gewerkschaften Transnet und GDBA mitteilten. Sie forderten kostenlose Getränke und leichtere Dienstkleidung für die Beschäftigten.

Wegen der großen Hitze fielen bei der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche in etwa 50 Zügen die Klimaanlagen aus. Am vergangenen Wochenende mussten etwa in Bielefeld viele Fahrgäste mit Kreislaufproblemen behandelt werden.

abl/dpa/apn

insgesamt 2246 Beiträge
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F. Schneider 12.07.2010
1.
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Früher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
Carnival Creation, 12.07.2010
2. .
Wachstum, Wachstum über alles... Solange nur die Gier des Neoliberalen Managements der Bahn zählt, muß man ich über solche unfassbaren Peinlichkeiten nicht wundern. Aber wie konnte man denn auch AHNEN, daß wir so ein heißes Wetter kriegen würden? Davor warnen die 'Klimahysteriker' ja schließlich erst seit 20 Jahren.... Das Spiel beginnt! Jetzt!
idealist100 12.07.2010
3. Hauptsache
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Hauptsache Gewinn und Marktreif zum verscherbeln. Wo sind die Verantwortlichen ?? Unterdimensionierte Anlagen ausgelegt auf max. 30 Grad schalten bei höheren Temperaturen einfach zur Sicherheit ab.
robert_t_offline 12.07.2010
4.
Zitat von F. SchneiderFrüher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
Jo das macht bei 300 sicher Spass ^^ Jetzt sagen sicher manche "Ja dann sollen se langsamer fahren" und dann maulen die anderen "Dann bin ich ja ewig unterwegs" :D Da simmer wieder in Deutschland..kann mer meckern ^^
buktu1975 12.07.2010
5. Das ist doch nix neues...
Das ist doch nichts neues: Hatte ich schon mal im ICE im Rekordsommer 2003. Klimaanlage defekt und lauschige gefühlte (und wahrscheinlich reelle) 50° im Abteil. Der Schaffner hat immerhin kühle Drinks ausgegeben. Ich dachte, die hätten mittlerweile dazugelernt. PS: Im Nahverkehr zum Flughafen hatte ich kürzlich eine klimatisierte S-Bahn! Ich war erstaunt!
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