Hostel im DDR-Look Stasi-Opfer protestieren gegen "Ostel"

Honecker-Bilder und Stasi-Suite empören Bürgerrechtler und Stasi-Opfer - das mit reichlich DDR-Schick ausgestattete "Ostel" in Berlin erregt die Gemüter. Kritiker bezeichnen diesen lockeren Umgang mit Geschichte als "dumm und bösartig".


Berlin – "Rufen Sie uns an! Für Frieden und Sozialismus! Seid bereit! Wir sind bereit!" So begrüßt das "Ostel" auf seiner Website zukünftige Gäste, im Bildhintergrund blickt Erich Honecker ernst aus einem Bilderrahmen an einer knallgelben Tapete auf den Homepage-Besucher. So viel Ostalgie mag zwar bei vielen Reisenden für Erheiterung sorgen, unter Stasi-Opfern und ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern dagegen regt sich jetzt Protest gegen das Hotel in Berlin, das Gäste in Original-DDR-Ambiente beherbergt.

An den Wänden der Zimmer hängen Bilder von Staatschef Erich Honecker und Volkskammerpräsident Horst Sindermann. Das Logo des Hotels am Ostbahnhof gleicht dem der FDJ, als Höhepunkt wird eine "Stasi-Suite" angeboten. Als "Gag" zur Eröffnung seien Plastik-Abhörwanzen "wie Ostereier" versteckt worden. sagte der Chef des Hotels, Daniel Helbig, der "Berliner Zeitung". Wer eine der Wanzen fand, bekam ein Freigetränk.

"Das ist eine Verhöhnung der Opfer, die in Stasi-Kellern gelitten haben und eine Beleidigung all derer, die in der DDR benachteiligt wurden", sagte Richard Buchner aus dem Vorstand der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) dem Blatt. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier bezeichnete das Vorgehen der Hoteliers als "atemberaubend dumm und bösartig".

Kommerzialisierung der Anti-Ästhetik

Auch der Leiter der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, zeigt kein Verständnis. "Die DDR war keine Spaßveranstaltung", sagte er der Zeitung. Insignien der Diktatur wie die Porträts von Honecker könne man nur zeigen, wenn man sie auch kritisch kommentiere. Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt, sagte: "Die DDR hat ein Verlierer-Image. Sich damit zu zeigen provoziert. Das ist gerade bei Jüngeren eine Art Anti-Ästhetik." Schon länger beobachte er eine Kommerzialisierung des Themas.

"Wir wollen keine Opfer veralbern", sagte Daniel Helbig zu SPIEGEL ONLINE. "Es soll eben so authentisch wie möglich sein, und in DDR-Hotels hing eben Honecker an der Wand." Aber es müsse jedem klar sein, dass man kein Geschichtsmuseum sein wolle - es geht um ein Urlaubserlebnis.

Und das ist kommerziell gesehen überaus erfolgreich, das Haus ist zu 90 Prozent ausgebucht, Probleme hat man hier eher damit, dass gelegentlich besonders begeisterte Gäste eines der Honecker-Porträts als Souvenir mitgehen lassen. Auch wenn die Herberge inzwischen nicht mehr im Internet für die "Stasi-Suite" wirbt - buchen können Gäste das Zimmer weiterhin. "Wir nennen das nur noch intern so, weil darin die Möbel von früheren DDR-Bonzen stehen", sagt Helbig. Schon geht der Ritt auf der Ostalgie-Welle weiter: Am 1. August eröffnete er zusammen mit seinem Partner Guido Sand acht Ferienwohnungen - im Stil des Erfolgsfilmes "Goodbye Lenin".

sto/ddp



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