Hotel-Experiment in England eBook-Reader ersetzt Bibel im Nachtschränkchen

Die digitale Revolution macht auch vor der Heiligen Schrift nicht halt: In einem Hotel in Newcastle finden Gäste jetzt anstelle der Bibel einen Kindle in ihrem Zimmer vor - sie sollten gut auf das Gerät achten.

Die Bibel: Die Heilige Schrift gehört in vielen Hotels zur Grundausstattung
DPA

Die Bibel: Die Heilige Schrift gehört in vielen Hotels zur Grundausstattung


Sie gehört zum Inventar eines klassischen Hotelzimmers wie die Minibar und der flauschige Bademantel: die Bibel im Nachttisch. 1908 begann eine Gruppe von Evangelisten im US-Bundesstaat Tennessee damit, die Heilige Schrift kostenlos an allerhand Herbergen zu verteilen. Mehr als 1,7 Milliarden Bibeln wurden so bislang unter das reisende Volk gebracht, in 194 Ländern. In einem englischen Hotel haben die religiösen Wälzer ab sofort ausgedient - im Indigo Newcastle liegt keine Bibel mehr im Nachtschränkchen, sondern ein eBook-Reader mit der christlichen Botschaft.

Sämtliche 148 Zimmer des Hotels, das zur Intercontinental-Gruppe gehört, wurden mit einem Kindle ausgestattet. Vorinstalliert sind das Alte und Neue Testament. Gäste, die weniger an geistiger Erleuchtung interessiert sind, dürfen das Gerät auch benutzen, um auf eigene Kosten Bücher aller Art herunterzuladen.

Bezahlt wird beim Auschecken an der Rezeption. Gleichzeitig wird der Speicher der eBook-Readers gelöscht - der Gast kann seine gekauften Downloads nicht mit nach Hause nehmen. Sollte dem Kindle das gleiche Schicksal wie so manchem Bademantel widerfahren und mit der Abreise des Gastes auf mysteriöse Weise aus dem Hotelzimmer verschwinden, wird auch dieser in Rechnung gestellt.

Das digitale Aufrüsten der Nachttischschublade ist Teil eines Pilotprojekts der Intercontinental-Gruppe. Das Indigo in Newcastle wurde hierfür ausgewählt, da es in der Nähe einer großen britischen Bibliothek liegt. "Im 18. Jahrhundert war Newcastle eines der größten Druckzentren in Großbritannien. Wir wollten diese literarische Geschichte zeitgemäß interpretieren", sagte Adam Munday, Geschäftsführer des Hotels.

dkr



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