Hotels nur für Erwachsene Warum die Tourismusbranche auf "Adults only" setzt

Hotels, in denen nur Erwachsene buchen dürfen, Kreuzfahrtschiffe nur für Volljährige - es gibt immer mehr Tourismusangebote, die Kinder ausschließen. Diskriminierung will die Branche nicht erkennen.

"Zeit für Zweisamkeit", so wirbt TUI für seine Marke Sensimar, die nur für Erwachsene buchbar ist. "Hotels ohne Kinder können als Emanzipation der Eltern angesehen werden", so eine Website, die Unterkünfte ausschließlich für Erwachsene anbietet. Solche "Adults only"-Hotels setzen auf eine breite Zielgruppe: Paare und Singles, die ihre Ruhe haben wollen, darunter auch Eltern, die sich eine Auszeit vom Familienleben gönnen.

Seit mehr als zehn Jahren erweitert sich dieses Angebot in der Tourismusbranche ständig. Dennoch ist die Aufregung immer wieder groß: wenn zum Beispiel ein Rügener Restaurant ab 17 Uhr keine Kinder mehr bedient; oder Hapag-Lloyd Cruises für 2021 ein Expeditionsschiff für "Adults only" ankündigt. Auch als Reiseveranstalter eigene Marken für Erwachsenenhotels etablierten, gab es zunächst Diskussionen über mögliche Kinderfeindlichkeit.

"Das hat sich schnell eingependelt", sagt Nicola Kreye, Sprecherin des Reiseveranstalters TUI. Anlass, die Marke Sensimar vor zehn Jahren ins Leben zu rufen, war der Wunsch vieler Kunden nach einem kinderlosen Urlaub. Und das Konzept kommt gut an: Insgesamt baut der größte deutsche Reiseveranstalter die Auswahl ständig aus - waren es vor drei Jahren noch etwa 250 "Adults only"-Hotels, sind es inzwischen 400, davon 38 bei Sensimar. Auch manche Robinson Clubs sind nur ab 18 Jahren buchbar.

Wie TUI erweitern auch andere touristische Unternehmen ihr Angebot: Thomas Cook zum Beispiel führte die Marke Sunprime für Erwachsenenhotels ein; DER-Touristik legt einen "Adults only"-Katalog bei Jahn-Reisen auf. Der britische Milliardär Richard Branson kündigte an, auf seinen geplanten Virgin-Voyages-Kreuzfahrtschiffen, die ab 2020 in Dienst gestellt werden, keine Passagiere unter 18 Jahren mitzunehmen. Selbst Fluglinien gehen auf den Wunsch nach ungestörtem Reisen ein: Malaysia Airlines und der Billigflieger Air Asia X haben kinderfreie Zonen eingerichtet.

Hotelbranche: Erwachsenenhotels sind notwendige Spezialisierung

TUI-Sprecherin Kreye sieht die Ausrichtung als Service für die Kunden: Sie wüssten somit, was im Urlaub auf sie zukommt. Eine Diskriminierung im Ausschluss von Kindern generell oder einer bestimmtem Altersgruppe könne sie nicht erkennen. Dabei äußerte sich auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bereits vor zwei Jahren skeptisch: Sie hält Hotelangebote mit einem Mindestalter von 16 Jahren für problematisch. Eine solche Regelung könnte gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, das auch vor Benachteiligungen wegen des Alters schützt. Der Kinderschutzbund Deutschland kritisierte die Ausgrenzung von Familien.

Die deutsche Hotelbranche jedoch, getrieben durch Überkapazitäten und die zunehmende Konkurrenz durch internationale Ketten, bezeichnet Erwachsenenhotels als notwendige Spezialisierung. Mehr denn je zählten heute eine klare Positionierung am Markt und ein unverwechselbares Profil des Hotels, teilte der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit. Dabei bilden die Angebote der Hoteliers die gesamtgesellschaftlichen Strömungen ab, sagt Verbandssprecherin Stefanie Heckel. Grundsätzlich werde der Markt bunter und heterogener.

Einen generellen Trend zu kinderfreien Hotels und Restaurants will der Dehoga jedoch nicht erkennen. Dies seien Einzelfälle, eine Statistik dazu gebe es aber nicht, sagt Heckel. Sie betont lieber, dass die Unternehmen im Allgemeinen kinderfreundlicher würden. Um gut verdienende Familien zu halten, würden sogar große Hotels wie Hilton Babyprogramme auflegen. Der Verband unterstütze und engagiere sich für kinderfreundliche Angebote in Deutschland. Sensibel scheint das Thema daher immer noch zu sein.

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