Zweite Klasse Bahn verspricht Gratis-WLAN im ICE bis Jahresende

Smartphone-Nutzer mit Ticket für die zweite Klasse verzweifeln oft an Funklöchern. Seit Jahren verspricht die Bahn daher kostenloses WLAN für alle. Nun endlich soll es kommen.
ICE am Bahnhof Altona in Hamburg

ICE am Bahnhof Altona in Hamburg

Foto: Bodo Marks/ dpa

Bahnfahren und im Internet surfen? Passt einfach nicht zusammen. Zu oft ist die Verbindung gestört, zu oft rast der Zug durch ein nerviges Funkloch. Doch nun ist das Ende dieser digitalen Misere in Sicht: Die Bahn will noch in diesem Jahr kostenloses WLAN in der zweiten Klasse aller ICE-Züge einführen. Das sieht eine Vereinbarung von Bund, Bahn und Bahnindustrie vor, die am Mittwoch in Berlin unterzeichnet wurde. In der ersten Klasse haben Kunden schon seit Dezember 2014 Zugang zu kostenfreiem WLAN.

"Bis Ende des Jahres werden alle ICE umgerüstet", versicherte Konzernchef Rüdiger Grube. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte eine "digitale Mobilitätsrevolution" auf der Schiene an, zu der nach der Vereinbarung auch neue Leit- und Sicherungstechnik, Forschungsförderung, automatisiertes Fahren und digitale Bauplanung beitragen. "Die Bahn kann so das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden - neben Arbeitsplatz und Wohnung, ein zusätzlicher Ort zum Arbeiten und zur Kommunikation", betonte Dobrindt.

Wie die Bahn schon früher ankündigte, wird das Angebot aber Grenzen haben. "Von einem bestimmten Datenvolumen an werden wir dem Kunden sagen müssen: Entweder du gehst auf eine langsamere Geschwindigkeit, oder ab dem Punkt X muss man das dann auch berechnen", sagte Grube.

In der Vereinbarung werden auch die Mobilfunkbetreiber in die Pflicht genommen. Sie hätten zugesagt, alle ICE-Strecken an mobiles Breitband anzubinden, heißt es darin.

Serien und Spiele

Wann WLAN auch im Nahverkehr verfügbar sein wird, ist vollkommen unklar. Bundesverkehrsminister Dobrindt jedenfalls hat die Länder aufgefordert, auch in Regionalzügen für kostenloses WLAN zu sorgen. Er habe "den sehr deutlichen Hinweis" an die Länderverkehrsminister gegeben, dass sie dies bei Ausschreibungen für den Regionalverkehr zur Bedingung machen. Ziel sei freies WLAN in allen Zügen und Bahnhöfen. Bei Regional- und S-Bahnen legen nicht die Verkehrsunternehmen wie etwa die Deutsche Bahn das Angebot für die Fahrgäste fest, sondern Länder und Verkehrsverbünde. Dafür gibt es Zuschüsse vom Bund.

Die Bahn hatte zu Jahresbeginn noch Zweifel geäußert, ob ihr der Ausbau des drahtlosen Internetzugangs in allen Zügen bis Jahresende gelingt. Vorstandschef Rüdiger Grube hob hervor, mit digitaler Technik wolle die Bahn das Reisen einfacher, bequemer, flexibler und persönlicher machen. Zudem sollten interne Abläufe verbessert und datenbasierte Geschäftsmodelle genutzt werden.

Auch die Unterhaltung soll künftig nicht zu kurz kommen. Wie die Bahn mitteilte, werden Kunden ab Ende des Jahres Kinofilme und Fernsehserien auf Handys und Laptops schauen können - teilweise sogar kostenlos.

Vor einigen Monaten hat die Bahn außerdem bereits ein Reiseportal eingeführt, das über ein zuginternes Intranet per WLAN funktioniert. Kunden finden darin unter anderem Informationen über Anschlusszüge, die Speisekarte im Bordrestaurant, Reisetipps und kostenlose Spiele.

Die Bahn will mit ihrer Strategie zur Digitalisierung verhindern, dass junge Internet-Unternehmen Teile des Geschäfts abnehmen. So arbeite der Konzern daran, die verkehrsverbund- und verkehrsmittelübergreifende Reiseplanung und Buchung über eigene Apps wie Qixxit zu verbessern - "damit sich niemand zwischen uns und unsere Kunden schiebt und wir nur noch Lohnkutscher sind", wie Grube sagte. Als Lohnkutscher könne man heute kein Geld mehr verdienen.

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jus/dpa
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