ICE-Strecke München-Berlin Bahn kämpft mit Problemen am neuen Sicherheitssystem

Die neue Prestigeverbindung der Deutschen Bahn kommt nur stotternd in Fahrt: Auf der Strecke macht unter anderem ein gerade eingeführtes europäisches Sicherheitssystem Probleme.
Roter Teppich in Berlin zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin (Freitag)

Roter Teppich in Berlin zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin (Freitag)

Foto: Steffi Loos/ Getty Images

Fahrplanwechsel, Wintereinbruch und eine neu eröffnete Strecke mit Kinderkrankheiten: Seit dem Wochenende läuft es nicht rund bei der Deutschen Bahn. Mit viel Politikprominenz war am Freitag die anstehende Eröffnung der Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München gefeiert worden. Doch schon auf dem Rückweg nach München fuhr ein ICE mit rund 200 Ehrengästen und Journalisten an Bord aufgrund diverser Pannen mehr als zwei Stunden Verspätung ein.

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ICE-Neubaustrecke: In vier Stunden von München nach Berlin

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Auch am Sonntag, dem ersten regulären Betriebstag der sogenannten VDE8-Strecke und dem Tag des Fahrplanwechsels, sowie am Montag und Dienstag kamen Highspeed-Züge zu spät ans Ziel - oder fielen komplett aus. Sechs Stunden lang mussten die Gleise bei Ingolstadt gesperrt werden: Grund sei ein Personenunfall gewesen, teilte die Deutsche Bahn mit.

Allerdings gibt es auch grundsätzliche technische Probleme: Das auf der Strecke neu eingeführte digitale Zugsteuerungssystems ETCS (European Train Control System) sorgt bei einzelnen Fahrzeugen für Störungen. Die Bahn "arbeitet hier aktuell gemeinsam mit dem Zulieferer Alstom daran, die Ursachen zu ermitteln und schnellstmöglich zu beheben", teilte das Unternehmen mit. Weitere Informationen will die Bahn erst am Nachmittag bekannt geben.

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Das ETCS in Zügen und an Strecken wird nach und nach in Europa etabliert, um mehr als 20 verschiedene Zugsteuerungssysteme zu vereinheitlichen. Die Technik soll für mehr Sicherheit sorgen und Zugführern in Echtzeit wichtige Informationen übermitteln. Die Leit- und Sicherungstechnik arbeitet elektronisch und per Funk, es gibt keine Streckensignale mehr.

Im August hatte die Bahn auf der VDE8-Neubaustrecke den Probebetrieb aufgenommen. Seitdem werden die Züge dort mit ETCS geleitet. Ab September wurden die Lokführer der ICE-3-Züge auf der Strecke geschult. Im November dann mussten an allen Neubau- und Nebenstrecken Computerprogramme für das ETCS aktualisiert werden. Dafür wurde auch die seit Ende 2015 genutzte Teilstrecke von Erfurt nach Leipzig beziehungsweise Halle für zehn Tage gesperrt.

Kritik an dem Umgang mit den Störungen an der Neubaustrecke kommt vom Fahrgastverband Pro Bahn. Was da "abgeliefert wird, ist absolut unbefriedigend", sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann im Bayerischen Rundfunk. Er beklagte, dass die Bahn neben technischen Problemen nicht genügend Personal habe, das im Störungsfall eingreifen und informieren könne.

Es nütze nichts, "wenn jemand, der gleichzeitig im Stellwerk mit der Organisation des Schienenverkehrs beschäftigt ist, auch noch die Information geben muss", sagte Naumann in der Sendung "radioWelt am Morgen". "Dafür hat er im Störungsfall gar keine Zeit."

Die neuen ICE-Züge kritisierte Naumann ebenfalls, sie seien zu sehr mit Elektronik vollgestopft und nicht alltagstauglich. Hier liefere die Industrie nicht das, was eigentlich gebraucht werde.

abl/dpa