EuGH Im Flugzeug mit Kaffee verbrüht? Gutachten sieht Airline in der Haftung

Ein Mädchen verletzte sich an Bord eines Flugzeugs, als ein Kaffee vor ihr umkippte. Von der Airline verlangte die Familie Schadensersatz. Der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof hält das für berechtigt.

Kaffee: Zu heiß serviert?
DPA

Kaffee: Zu heiß serviert?


Wer sich auf einem Flug mit heißem Kaffee verbrüht, hat womöglich Schadensersatzansprüche gegen die Airline. In einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) sprach sich der zuständige Generalanwalt dafür aus, dass ein solcher Unfall die Haftung der Airline begründen kann.

Hintergrund ist ein Rechtsstreit um die Schadensersatzklage eines Vaters, dessen Tochter sich auf einem Flug durch Kaffee aus einen umgekippten Becher verletzt wurde. Die Familie flog im August 2015 von Mallorca nach Wien. Auf dem Flug kippte der damals sechsjährigen Tochter der heiße Kaffee vom ausgeklappten Abstelltisch auf die Brust. Sie klagte deswegen durch ihren Vater vertreten auf 8500 Euro Schadensersatz.

Die Insolvenzverwalterin der zwischenzeitlich insolventen Airline Niki lehnte dies unter anderem mit der Begründung ab, dass kein Unfall im Sinne des maßgeblichen Montrealer Übereinkommens für den internationalen Luftverkehr vorliege. Der Oberste Gerichtshof Österreichs legte den Fall dem EuGH vor.

Aufgabe des EuGHs: Was ist überhaupt ein Unfall an Bord?

Der Gerichtshof muss deshalb erstmals den Unfallbegriff in diesem Abkommen genauer definieren. Strittig ist vor allem, ob ein Unfall auch auf einem "für die Luftfahrt typischen oder mit ihr zusammenhängenden Risiko" beruhen muss. Typisch wären bei strenger Auslegung zum Beispiel schwere Turbulenzen.

Generalanwalt Henrik Saugmandsgaard Øe vertrat in seinem Schlussantrag die folgende Ansicht: Bei Verletzungen stellt jedes an Bord des Flugzeugs oder beim Ein- und Aussteigen "plötzlich oder ungewöhnlich eintretende Ereignis" einen Unfall dar und kann damit eine Haftung begründen. Es müsse nicht geprüft werden, ob es auf einem "typischen" Risiko bestehe. Dies wäre für einen Fluggast "übermäßig schwierig". Nach seiner Ansicht würde dies ansonsten auf eine Beschränkung der Haftung auf schwerste Fälle wie "starke Turbulenzen oder Absturz" hinauslaufen.

Die Richter am Europäischen Gerichtshof sind nicht an die Gutachten der Generalanwälte gebunden, folgen ihnen aber in vielen Fällen. Ein Urteil des EuGH wird erst in einigen Wochen erwartet. Über die konkrete Schadensersatzklage muss danach der Oberste Gerichtshof Österreichs entscheiden.

abl/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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stolte-privat 26.09.2019
1. Bekommen wir jetzt...
...in der EU amerikanische Verhältnisse? Da hätte ich doch gleich eine Idee für ein neues Geschäftsmodell: Reich durch Verklagen. Stoppt diesen Blödsinn!!!!
karlo1952 26.09.2019
2. Ich habe in einem Flieger
noch nie einen so heissen Kaffee bekommen, dass ich mich hätte verbrühen können. Da ist doch nur Geldmacherei für den Pseudogeschädigten.
jana45 26.09.2019
3. Wieso hat eine 11jährige heißen Kaffee auf dem Abstelltisch?
Wo ist da die Aufsichtspflicht der Eltern? Und dem Vorredner wird sich hier angeschlossen. Kaffee ist nunmal ein heißes Getränk. So ein Becher kann umfallen - dafür sollte niemand verklagt werden, wenn er unabsichtlich verschüttet wird.
flytogether 26.09.2019
4. Unglaublich
Für jeden eigenen Schwachsinn wird heute jemand anders zur Verantwortung gezogen. Bloß sich nicht selber eingestehen wo man geistig steht. Es ist ja wohl nicht dem Carrier vorzuwerfen wenn aus Versehen das Kind oder der Vater den Kaffe verschüttet. Oder eine Turbulenz, mit der jeder rechnen muss. Die einzig logische Konsequenz: es gibt keine heißen Getränke mehr. Danke an den Kläger! Oder die Versicherung wird in Zukunft diesen Vorfall in ihre Kalkulation berücksichtigen was zu einer Verteuerung der Tickets führen wird. Auch hier Dank an den Kläger! Wie wäre es wenn solche Dumpfbacken einfach nicht mehr fliegen, das menschliche Miteinander wäre sowas von entspannt.
hermanngaul 26.09.2019
5. na toll
bald kein Kaffee mehr im Flugzeug? Schönen Dank für nichts in dieses komische krumme Land aus Bergen.
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