Internet auf Reisen Deutsche Hotels bitten kräftig zur Kasse

In vielen Ländern gehören kostenlose Internetzugänge zum Standard in besseren Hotels. In Deutschland dagegen müssen Reisende oft Wucherpreise berappen, um mal kurz ihre Mails zu checken - manchmal kostet eine Stunde Internet so viel wie eine Monats-Flatrate.


Berlin/Frankfurt/Main - Internet-Surfen ist in deutschen Hotels meist ein teures Vergnügen. Gebühren von 10 Euro oder mehr für eine Stunde im World Wide Web sind keine Seltenheit - sehr zum Verdruss der Gäste, die in Unterkünften anderer Länder den Online-Zugang oftmals gratis genießen können. So sei freies Surfen in den Hotels der USA weit verbreitet, berichtet die in Hamburg erscheinende touristische Fachzeitschrift "FVW International". Singapur habe kostenloses Internet sogar im ganzen Land zum Standard erhoben.

Kostenlos ins Internet: Was in vielen Hotels im Ausland schon Standard ist, müssen Hotelgäste in Deutschland häufig noch teuer bezahlen
GMS

Kostenlos ins Internet: Was in vielen Hotels im Ausland schon Standard ist, müssen Hotelgäste in Deutschland häufig noch teuer bezahlen

"90 Prozent der Hotels in den USA bieten einen Internetzugang an, davon geschätzt etwa 50 Prozent kostenlos", bestätigt Karen Mlaker, Pressesprecherin der Worldhotel-Gruppe in Frankfurt. Aber auch in europäischen Unterkünften ist die Fahrt auf dem Datenhighway zum Nulltarif inzwischen auf dem Vormarsch. Die Worldhotel-Gruppe etwa biete diesen Service bereits an mehreren Standorten an.

Für Geschäftsreisende wichtiger als Frühstück

"Besonders die skandinavischen Hotels sind Vorreiter", sagt Karen Mlaker. So stellt das "Fox" in Kopenhagen seinen Gästen ebenso einen Gratiszugang zum Web zur Verfügung wie das "Grand Hotel Rica" in Oslo, dass seinen Kunden per Wireless-Technik freien Netzzugang verschafft. "Gerade für Geschäftsreisende ist ein kostenloser Internet-Zugang mittlerweile sogar wichtiger als das Frühstücksangebot", unterstreicht Karen Mlaker.

In Deutschland ist dagegen der kostenlose Internet-Zugang im Hotel noch wenig verbreitet. Rund 15.000 Internet-Hotspots gebe es in der Bundesrepublik, schätzt der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berin. Knapp die Hälfte davon befinde sich in Hotels. "Kostenloser Internet-Zugang ist dabei die Ausnahme", sagt BITKOM-Pressesprecher Marc Thylmann.

Hartwig Bohne vom Hotelverband Deutschland in Berlin sieht das ähnlich. "Die Hotels bieten zwar zunehmend mehr WLAN an, aber das meistens kostenpflichtig." Und wenn es dann doch einmal gratis sei, mache sich das oftmals in einem höheren Zimmerpreis bemerkbar.

Kurz E-Mails checken für fünf Euro

Bei Ritz-Carlton etwa muss der Gast für 15 Minuten Surfen im Business-Center 5 Euro zahlen, bei 45 Minuten seien es 10 Euro. Die Zimmer seien zwar mit WLAN ausgestattet, aber auch hier müsse der Gast zahlen. Eine Stunde koste 5 Euro, 24 Stunden 20 Euro. "Nur in unserer Club-Lounge ist das Internet gratis", sagt Nancy Haug vom "Ritz-Carlton" in Berlin.

Ähnlich sieht es in den Hotels der Arabella-Starwood-Gruppe aus. "Internet ist bei uns kostenpflichtig. Die Höhe der Gebühren ist aber in den einzelnen Hotels unterschiedlich geregelt", erklärt Maria Kirchner von der Pressestelle. WLAN in der Lobby des "Arabella-Sheraton" in München-Bogenhausen kostet beispielsweise 6,90 Euro die Stunde. Ein Highspeed-Anschluss auf dem Zimmer schlägt mit 4,90 Euro zu Buche. Lediglich bei den Analog-Anschlüssen ist der Online-Zugang ab der 36. Minute frei.

"Die Tendenz zum kostenlosen Zugang ist da", meint zwar Hartwig Bohne vom Hotelverband. Doch den "großen Druck" sehe er in der Branche derzeit nicht. Das Problem: Viele Hotels stecken noch in langfristigen Provider-Verträgen. Und die Kosten dafür möchten die meisten Manager nicht auf die Zimmerpreise draufschlagen.

Einer der wenigen kostenlosen Anbieter in Deutschland ist die Hotelkette Radisson SAS. Seit 2005 ist dort auf allen Zimmern freier Internet-Zugang möglich. "Wir haben hauptsächlich Business-Kunden, die wir mit diesem Service langfristig binden wollen", erläutert Pressesprecherin Christiane Reiter die Unternehmensstrategie, "ohne versteckten Aufpreis" den Internetzugang gratis anzubieten. Das Feedback der Kunden sei positiv, meint Christiane Reiter. Ihre Prognose: Schon in naher Zukunft werde der kostenlose Internet-Zugang zum selbstverständlichen Standard eines Hotels gehören.

Hinrich Rohbohm, gms



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jschoefer 27.06.2007
1. Fast schon modernes Raubrittertum
Guten Tag, ich halte die Geschäftspraxis vieler Hotels in diesem Bereich für eine moderne Art der Wegelagerei - "durch diese hohle Gasse muss er kommen". Geschäftsreisende sind heutzutage auf das Internet angewiesen - genauso wie früher die Reisenden auf einen einzelnen Weg zum nächsten Dorf. Diese horrenden Summen von den Hotelgästen für wenige Minuten zu verlangen entspricht nicht dem, was ich von einem guten Service erwarte und lässt vermuten, dass Zwangssituationen absichtlich ausgenutzt werden. Ich bin den Großteil meiner Arbeitszeit auf Reisen und wähle aktiv die Hotels danach aus, ob ein kostenloser Internetservice angeboten wird. In letzter Zeit bin ich viel in Ungarn unterwegs, dort sind die Hoteliers wohl bereits einige Schritte weiter als in Deutschland! Mit freundlichen Grüßen Jonas Schöfer
the_flying_horse, 27.06.2007
2. Alternative UMTS
Ich bin berufsbedingt seit knapp 10 Jahren nur auf Reisen und daher auch immer in Hotels. In Deutschland ist es am schlimmsten, was vor allem nirgends so erwähnt wird: bucht man z.B. 1 Std. Internet für € 10.- müssen die am Stück verbraucht werden. Kurz mal eMails checken, ausloggen und später wieder rein, geht nicht, dann sind die € 10.- weg! Sogar in relativ unterentwickelten Ländern wie Vietnam war das Internet via WLAN im Hotel free. Aber mit den Deutschen kann man es ja machen. Ich benutze jetzt meist meine UMTS Karte; mit einem Volumentarif, mit dem ich leben kann, ist das eindeutig günstiger als die Hotelabzocke.
kneipenphilosoph, 27.06.2007
3. Woran liegts?
An den hohen Kosten für die Internetflatrate? Sicher nicht. Das hoteleigene WLAN offen zu lassen ist sicher kein Kostenfaktor. Was kostet (personeller Aufwand) ist die Vergabe von Passwörtern, die Registrierung der Nutzer, der Hinweis und die dokumentierte Kenntnisnahme der Nutungsbestimmungen (nix Böses machen). Nicht zuletzt die Betreuung der Gäste bei Problemen mit der Technik. Für diesen Aufwand braucht man Personal und entsprechende Software zur Verwaltung. Was ich gerne von anderen Lesern erfahren würde: Wenn der Internetzugang kostenlos war, wie war der Anmeldevorgang? Anonym? Mit Zimmernummer?
Vielflieger, 27.06.2007
4. Technik
Zitat von kneipenphilosophAn den hohen Kosten für die Internetflatrate? Sicher nicht. Das hoteleigene WLAN offen zu lassen ist sicher kein Kostenfaktor. Was kostet (personeller Aufwand) ist die Vergabe von Passwörtern, die Registrierung der Nutzer, der Hinweis und die dokumentierte Kenntnisnahme der Nutungsbestimmungen (nix Böses machen). Nicht zuletzt die Betreuung der Gäste bei Problemen mit der Technik. Für diesen Aufwand braucht man Personal und entsprechende Software zur Verwaltung. Was ich gerne von anderen Lesern erfahren würde: Wenn der Internetzugang kostenlos war, wie war der Anmeldevorgang? Anonym? Mit Zimmernummer?
Passwörter? Registrierung? Anmeldevorgang? Entweder gibt´s WLAN in der Lobby oder im Zimmer oder eben ein Kabel im Zimmer selber. Also Laptop an, WLAN empfangen oder Kabel rein und los gehts. Es gibt weder Passwörter noch eine Anmeldung. Sofern mal keine "kastrierten" Firmenlaptops hat, sollte das eigentlich immer von selber klappen. Viele Grüße aus London, wo ich gestern im Hotel übrigens 10 Pfund (!) für eine Stunden Internet bezahlen durfte....
the_flying_horse, 27.06.2007
5. AW:Anmeldevorgang
Zitat von kneipenphilosophAn den hohen Kosten für die Internetflatrate? Sicher nicht. Das hoteleigene WLAN offen zu lassen ist sicher kein Kostenfaktor. Was kostet (personeller Aufwand) ist die Vergabe von Passwörtern, die Registrierung der Nutzer, der Hinweis und die dokumentierte Kenntnisnahme der Nutungsbestimmungen (nix Böses machen). Nicht zuletzt die Betreuung der Gäste bei Problemen mit der Technik. Für diesen Aufwand braucht man Personal und entsprechende Software zur Verwaltung. Was ich gerne von anderen Lesern erfahren würde: Wenn der Internetzugang kostenlos war, wie war der Anmeldevorgang? Anonym? Mit Zimmernummer?
Ich hatte erst in zwei Hotel in Deutschland (von ca. 50 verschiedenen pro Jahr) kostenlosen Internetzugang; beide Male anonym. Die Netze waren schlichtweg offen, ohne Zugangsschutz oder Verschlüsselung. Laptop einschalten, der holt sich per DHCP eine Adresse und los geht´s. Im Ausland war es ab und zu so, das man sich an der Hotelrezeption anmelden musste, man erhielt dann eine Anmeldekennung + Passwort (meist dann Zimmernummer + Passwort). Diese Netze waren ansonsten relativ dicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.