Island Vulkan-Eruptionen locken Touristen an

Ein Vulkanausbruch als Touristenspektakel: In Island strömen die Schaulustigen zum Eyjafjallajökull-Gletscher, wo sie den Lavaströmen manchmal gefährlich nah kommen. Ein paar Köche nutzten die natürliche Hitze sogar für ein kulinarisches Experiment.


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Island: Lava-Tourismus am Vulkan
Reykjavík - Der Boden wird immer wieder von Eruptionen erschüttert, Lava und Dämpfe kommen aus dem Krater: Seit dem Ausbruch des Fimmvorduhals-Vulkans am Eyjafjallajökull-Gletscher in Island am 21. März können Besucher ganz aus der Nähe die Naturgewalten am Krater erleben. Nach Schätzungen der Polizei waren in den vergangenen Tagen schon etwa 25.000 Touristen vor Ort.

"Das aufregendste war das laute Grollen", sagte eine Besucherin. "Es war, als stünde man auf einem uralten Monster - ein Klang, den man sich schwer vorstellen kann." Zuletzt hatte es auf Island im Jahr 2004 vergleichbare Vulkan-Eruptionen gegeben, in der Region des Eyjafjallajökull-Gletschers waren es die ersten seit 1823.

In dem Ort Flojtshild standen an manchen Tagen Hunderte Autos, weil die Menschen von dort die beschwerliche Tour auf den Berg antraten, die zu Fuß etwa fünf Stunden dauert. Reiseveranstalter boten auch Helikopterflüge mit Kraterblick an.

Doch Sicherheitskräfte sind alles andere als begeistert von dem Ansturm. "Die Menschen unterschätzen die Gefahren", sagte Bryndis Harardottir vom "Ice Star Rescue Service". "Das ist eine Eruption, das ist gefährlich, auch wenn es majestätisch und schön aussieht." Bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius seien auch einige Touristen in unzureichender Kleidung aufgebrochen. Mehrere von ihnen mussten gerettet werden, einer "war in Jeans und Lederjacke unterwegs und zeigte Erfrierungserscheinungen", sagte Harardottir.

Ein Team von Spitzenköchen aus Reykjavík inspirierte der Vulkan zu einem neuen gastronomischen Angebot: Sie bereiteten auf heißer Lava Gourmet-Gerichte zu und rollten einen roten Teppich aus, auf dem sie zwei Stühle und einen Tisch aufstellten. Zu einem Preis von je 350 Euro wurden zwei Kunden per Helikopter eingeflogen. Auch ein paar Wanderer durften die Speisen probieren. Eigentlich sollte das ein einmaliges Angebot sein, doch die Köche überlegen nun, ob sie das Ganze für einen Fernsehsender noch einmal wiederholen.

Doch erst mal ist mit dem Spektakel Schluss: Am Mittwoch bildete sich nach Angaben lokaler Radiosender eine neue, 300 Meter lange Spalte im Boden. Nach Angaben der Internetseite icelandreview.com wurde deshalb die Region vorübergehend komplett für Besucher geschlossen.

sto/AFP



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