ITB 2001 Konkurrenz für die UN

Jedes Jahr im März spielt Berlin fünf Tage lang New York. Vor dem Internationalen Congress-Centrum (ICC) am Funkturm und auf dem Messegelände flattern dann wie vor dem UN-Gebäude die Fahnen von Staaten rund um den Erdball im Wind.


Berlin - Menschen aus fast allen Ländern der Welt treffen sich in der deutschen Hauptstadt, um über das Reisen zu reden - die Internationale Tourismus-Börse (ITB) gilt als wichtigste Messe der Branche weltweit. In diesem Jahr findet sie vom 3. bis 7. März schon zum 35. Mal statt. Rund 60.000 Fachbesucher werden wieder erwartet, drei Tage lang darf auch "Otto-Normal-Tourist" dabei sein.

Parade der Flaggen: Während der ITB darf sich Berlin als Welt-Metropole fühlen
Foto: GMS

Parade der Flaggen: Während der ITB darf sich Berlin als Welt-Metropole fühlen

Etwa 9000 Aussteller aus 180 Ländern und Regionen haben sich zur ITB angemeldet, sie teilen sich eine Ausstellungsfläche von 152.000 Quadratmetern. Zum ersten Mal seit 1994 wieder dabei ist Nordkorea, weitere gewichtige Veränderungen in der Länderliste gibt es diesmal nicht. Gerade für Länder, die ihre Tourismusindustrie noch aufbauen, sei die ITB ein wichtiges Forum, "weil sie hier die Top-Entscheider der Branche treffen", sagt ITB-Sprecher Peter Köppen.

Die touristischen Aussteller verteilen sich auf 26 Hallen: Afrika logiert beispielsweise in den Hallen 20 und 21, Skandinavien teilt sich Halle 18 mit Großbritannien und Irland sowie dem Baltikum. Doch nicht nur nach Ländern sortiert sich die Messe. Breiten Raum nehmen auch die thematischen Schwerpunkte ein.

Einer davon ist in diesem Jahr zum ersten Mal das Marktsegment Kultur-Tourismus in Halle 7.2a, wo sich mehr als hundert Aussteller aus 21 Ländern präsentieren. "Kurzreisen in Verbindung mit Kultur sind ein Trend, deshalb haben wir diesen Schwerpunkt gewählt", erläutert Köppen. Vertreten seien Museen ebenso wie Festspiel-Organisatoren. Die Messeleitung hoffe, dass das ohnehin internationale Flair der ITB dadurch noch weiter ausgebaut wird.

Jedes Land ein Stand: ITB-Besucher können an einem Tag eine ganze Weltreise unternehmen
Foto: GMS

Jedes Land ein Stand: ITB-Besucher können an einem Tag eine ganze Weltreise unternehmen

Ein weiterer Schwerpunkt der ITB 2001 sind technische Fragen rund um den Tourismus. Das Marktsegment "Travel Technology" bekommt etwa 40 Prozent mehr Platz eingeräumt als im vergangenen Jahr und verteilt sich diesmal auf sieben Hallen. 133 Firmen aus 32 Ländern sind hier vertreten, einen Schwerpunkt bilden nach Angaben der Messe Berlin die Internet-Reisebüros, die den klassischen Vertrieb von Pauschalreisen in völlig neue Bahnen lenken. Diese Veränderungen sind auch Thema des zum 21. Mal parallel zur ITB abgehaltenen Kongresses "Elektronik in der Touristik", der vom 5. bis 7. März über die Bühne geht.

Auch in diesem Jahr seien Geschäftsabschlüsse in erheblichem Umfang zu erwarten, sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV). Die Veranstalter kämen vor allem nach Berlin, um Ideen aus den Zielgebieten für ihre Programmplanung zu sondieren, insbesondere für den Winter 2001/2002. Zum Teil werde aber sicher auch noch mit Vertragspartnern aus den USA, der Karibik, Asien und anderen Gegenden der Welt nachverhandelt, um Preissenkungen für den Sommer zu erzielen.

Der Verbraucher, der am Wochenende und am Mittwoch durch die Messehallen schlendert, bekommt von all dem nur wenig mit. Ihm geht es um andere Dinge: Prospekte sammeln, mit Vertretern von Anbietern und Fremdenverkehrsämtern sprechen und danach ein bisschen schlauer sein, wohin die Reise gehen soll. Insgesamt 118.000 Besucher wurden im Jahr 2000 gezählt. Das Geschiebe durch die Hallen ist dabei zum Teil so groß, dass man trotz allen internationalen Flairs nur einen Wunsch hat - möglichst weit weg zu sein und seine Ruhe zu haben.

Die ITB ist vom 3. bis 7. März täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, am Montag und Dienstag (5./6. März) allerdings nur für Fachbesucher. Die Tageskarte kostet regulär 23 Mark, am Mittwoch (7. März) gibt es eine "Lastminute"-Tageskarte für 15 Mark. Schüler und Studenten zahlen 12 Mark Eintritt. Das Messegelände ist mit Bussen, S-Bahn (Bahnhöfe Westkreuz, Eichkamp/Messe und Witzleben) und U-Bahn (Linie U2 bis Kaiserdamm oder Theodor-Heuss-Platz) gut erreichbar.

Von Christian Röwekamp, gms



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.