ITB-Auftakt in Berlin "Die Griechen sind verzweifelt"

Fliegt! Nach! Griechenland! Geht es nach den großen Reiseveranstaltern, sollten die Deutschen diesen Sommer Reisen nach Santorin, Kreta und Co. buchen. Doch wegen der antideutschen Stimmung in Athen bevorzugen die meisten Asien, Osteuropa oder Spanien.

Letzte Vorbereitungen am Griechenlandstand: "Beim Wiederaufbau der Marke helfen"
dapd

Letzte Vorbereitungen am Griechenlandstand: "Beim Wiederaufbau der Marke helfen"


Berlin - Gut gefüllte Urlaubskassen lassen die deutsche Reisebranche von einem weiteren Rekordjahr träumen. "Die wirtschaftlichen Eckdaten sind hervorragend", sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Jürgen Büchy, am Dienstag vor der Reisemesse ITB in Berlin. "Zwei bis drei Prozent Marktwachstum sind möglich." Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wird die ITB am Dienstagabend eröffnen.

Die bisherigen Buchungen zeigen laut Büchy: Trotz Schuldenkrise wollen die Deutschen nochmals mehr verreisen. Die Nachfrage nach Reisen in die Türkei, nach Kroatien und Spanien sei hoch. Fernziele wie die USA, die Karibik und viele asiatische Länder legten zu. Zu den Aufsteigern bei den Sommerbuchungen zählen laut TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher die osteuropäischen Länder.

Zurückhaltend seien die Deutschen wegen der Proteste und Unruhen aber bei Ägypten und Griechenland. Diese Länder machen dem größten deutschen Reiseveranstalter TUI Sorgen. Vor allem für Griechenland, wo die Gästezahlen um rund ein Drittel zurückgegangen sind, machen sich Touristiker bereits vor der Eröffnung der ITB stark. Sie riefen am Dienstag dazu auf, die antideutsche Stimmung in Athen zu ignorieren und Urlaub auf den griechischen Inseln zu machen.

"Ich höre von Kunden, dass sie sich nicht willkommen fühlen", sagte Böttcher. "Die Griechen sind verzweifelt und warten händeringend auf Urlauber." Die Debatte um die Finanzkrise und die Sicherheit in Griechenland sei übertrieben. Er sehe keinen Grund für Deutsche, das Land zu meiden.

Alltours-Chef Willi Verhuven forderte, dass sich Berlin und Brüssel an einer Werbekampagne für Griechenland beteiligen. "Wer das Urlaubsland jahrelang schlecht redet, der muss auch beim Wiederaufbau der Marke helfen."

Ägypten will 30 Millionen Besucher

Hohe Erwartungen hat auch das diesjährige Partnerland Ägypten. Im Revolutionsjahr 2011 brachen die Tourismus-Einnahmen von 12,5 Milliarden Euro auf neun Milliarden Euro ein, wie Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour sagte. Ägypten sei einzigartig, vielfältig und sicher, hob er hervor. Das Land wolle seine Besucherzahl bis 2017 auf 30 Millionen verdreifachen.

TUI-Chef Böttcher nannte Äußerungen des CDU-Politikers Klaus Brähmig, der in einem Interview wegen Menschenrechtsverletzungen von Reisen nach Ägypten abgeraten hatte, "in jeder Hinsicht unmöglich". Brähmig teilte am Dienstag mit, das sei ihm in den Mund gelegt worden. "Die Entscheidung, wohin man reist, trifft man als mündiger Bürger selbst", sagte Brähmig, der dem Tourismusauschuss des Bundestags vorsitzt. "Urlauber sollen wissen, was in einem Land los ist - darum geht es mir." Eine Möglichkeit, sich zu informieren, seien Länderspiegel in Reisekatalogen.

Auf der ITB präsentieren sich von Mittwoch an weniger Aussteller als in den Vorjahren. Die Zahl sank von 11.163 im Jahr 2011 auf 10.644. "Die wesentliche Größe ist für uns die vermietete Fläche, und da bleiben wir auf Vollauslastungsniveau", sagte Messe-Geschäftsführer Christian Göke. Die ITB ist an den ersten drei Tagen dem Fachpublikum vorbehalten, am Samstag und Sonntag öffnet sie für alle Besucher.

2011 hatten die Bundesbürger der Reisebranche zu Bestmarken verholfen und knapp 61 Milliarden Euro für Auslandsreisen ausgegeben. Auch der Deutschlandtourismus boomt, wie der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, sagte. 2012 werde die Zahl der Übernachtungen von 394 Millionen auf mehr als 400 Millionen steigen.

"Der Tourismus ist ein Wachstums- und Beschäftigungsmotor für die deutsche Wirtschaft", teilte Minister Rösler mit. Nach einer Studie seines Ministeriums und der Branche hängt davon fast jeder achte Arbeitsplatz in Deutschland ab. Der Tourismus übertreffe mit 4,4 Prozent an der Bruttowertschöpfung Banken und Autohersteller. Der Tourismusbegriff ist dabei sehr weit gefasst.

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ITB 2012: Tourismusspektakel in Berlin

Burkhard Fraune, dpa/Reuters



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allereber 06.03.2012
1. Steuer und Sozialbetrüger.
jeder grieche soll seine landsleute,die milliaden euro illegal auf ausländischen banken haben, zum herausrücken der gelder zwingen. dann ist ganz europa schuldenfrei. leider unterstützen alle europäischen regierungen diese ganoven. wahrscheinlich haben sie selber illegale gelder auf den banken.
Medienkritiker 06.03.2012
2. naja
Zitat von allereberjeder grieche soll seine landsleute,die milliaden euro illegal auf ausländischen banken haben, zum herausrücken der gelder zwingen. dann ist ganz europa schuldenfrei. leider unterstützen alle europäischen regierungen diese ganoven. wahrscheinlich haben sie selber illegale gelder auf den banken.
mhhmm, wieso sollte Europa dann schuldenfrei sein? meinen Sie dass derlei verbrecherische Zwangsmaßnahmen dazu geeignet sind die Griechen dazu zu bewegen auch Schäden durch deutsche Steuerhinterzieher zu bezahlen?
ruthteibold-wagner 06.03.2012
3. Lieber in den Schwarzwald.
Zitat von sysopdapdFliegt! Nach! Griechenland! Geht es nach den großen Reiseveranstaltern, sollten die Deutschen diesen Sommer Reisen nach Santorin, Kreta & Co. buchen. Doch wegen der anti-deutschen Stimmung in Athen bevorzugen die meisten Asien, Osteuropa oder Spanien. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,819724,00.html
Mir könnte man eine Reise nach Griechenland schenken, ich würde sie nicht antreten. Ich fahre doch nicht freiwillig in ein Land, in dem ich als deutsche Nazi beschimpft werde! Ich war außerdem früher schon zweimal in Griechenland. So berauschend war das nicht. Das Klo war ständig verstopft, und es war viel zu heiß. Im Schwarzwald ist es außerdem schöner, ich habe keine Sprachprobleme, das Wetter finde ich viel angenehmer. Und, ob Ihr es glaubt odern nicht - es ist preiswerter als in Griechenland!
tubelayer53 06.03.2012
4.
Zitat von sysopdapdFliegt! Nach! Griechenland! Geht es nach den großen Reiseveranstaltern, sollten die Deutschen diesen Sommer Reisen nach Santorin, Kreta & Co. buchen. Doch wegen der anti-deutschen Stimmung in Athen bevorzugen die meisten Asien, Osteuropa oder Spanien. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,819724,00.html
Wer täglich Nazisymbole in den Zeitungen druckt und deutsche Politiker in Hitleruniformen zeigt, sollte sich besser selbst um den Wiederaufbau der Marke kümmern. Oder? Sehr witzig natürlich die Aufforderung, "die antideutsche Stimmung in Athen zu ignorieren".
Hamberliner 06.03.2012
5.
Zitat von sysopdapdFliegt! Nach! Griechenland! Geht es nach den großen Reiseveranstaltern, sollten die Deutschen diesen Sommer Reisen nach Santorin, Kreta & Co. buchen. Doch wegen der anti-deutschen Stimmung in Athen bevorzugen die meisten Asien, Osteuropa oder Spanien. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,819724,00.html
Das ist doch ein Zeichen, dass ein Teil des Geldes, das eigentlich Griechenland zugute kommen sollte, schon hier abgemolken wird. Deutschland hat nicht so dringend eine prosperierende Tourismusbranche nötig wie Griechenland. Wer sich aus Solidarität für Griechenland entscheidet hat mehr davon, wenn er nicht fliegt, nichts vorher bucht und Reiseveranstalter meidet. Mit dem eigenen Fahrzeug kann man sich immer noch am zuverlässigsten selber vor Ort das Hotel aussuchen, das man wirklich mag. Das Highlight Griechenlands, das Insel-Hopping mit der Fähre, verliert auch seinen Sinn, wenn man gar kein Fahrzeug dabei hat.
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