Fotostrecke

Jacdec-Ranking: Die sichersten Airlines der Welt

Foto: Phil Noble/ REUTERS

Airline-Ranking Mit Emirates und Etihad fliegen Sie am sichersten

Im Ranking der sichersten Fluggesellschaften der Welt stehen zwei Golf-Airlines an der Spitze. Ein miserables Ergebnis erzielt die Lufthansa.

Die Golf-Airline Emirates war 2019 die sicherste Fluggesellschaft der Welt. Dies ergab das jährliche Sicherheitsranking des Hamburger Flugsicherheitsbüros Jacdec in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtmagazin "Aero International", das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Mit einem Risikoindex von 95,48 Prozent liegt Emirates nur knapp vor einer weiteren Golf-Airline, der Etihad Airways (95,21 Prozent). Vorjahressieger Finnair erreichte hinter Air Europa diesmal nur den vierten Platz. Die spanischen Airline ist somit die sicherste europäische Fluggesellschaft in dem Ranking.

Fotostrecke

Jacdec-Ranking: Die sichersten Airlines der Welt

Foto: Phil Noble/ REUTERS

Bei den Fluglinien aus dem deutschsprachigen Raum reichte es bestenfalls für einen Platz im Mittelfeld. Pech hatte vor allem die Lufthansa, die von Platz 21 im Vorjahr auf Rang 56 rutschte. Grund war ein Missgeschick des Bodenpersonals am 30. Juli in Frankfurt, das eine mobile Fluggasttreppe ins Heck eines bereits mit Passagieren an Bord wartenden Verkehrsjets steuerte. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt und landete daher als Totalschaden in der Bilanz.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings kämpfte sich zwar mit 90,61 Prozent auf Rang 24 vor, doch ebenfalls im Mittelfeld landeten Swiss (Platz 51), Condor (52) und Austrian Airlines (65).

Die Bewertung umfasst die weltweit 100 Fluglinien mit der größten Verkehrsleistung. Die Ergebnisse werden als Prozentzahl dargestellt, wobei sich die Werte von dem (nur theoretisch erreichbaren) Maximalwert von 100 Prozent abwärts orientieren. Die Bewertung beruht auf der Unfallhistorie der Fluglinie in den vergangenen 30 Jahren, der länderspezifischen Umgebung, in der sie operiert, sowie auf spezifischen Risikofaktoren der Fluglinien. Sie belohnt somit Fluglinien mit jahrelang unfallfreiem Flugbetrieb.

Dass Emirates trotz eines Totalverlusts im Jahre 2016 die Rangliste anführt, liegt vor allem an der enormen Flugleistung der Airline. "Die aus den Großraumjets A380 und Boeing 777 bestehende Langstreckenflotte liefert eine enorm hohe Menge von Passagierkilometern, was wesentlich in die Bewertung eingeht", erklärt "Aero International"-Chefredakteur Thomas Borchert.

Das Flugsicherheitsbüro rät dazu, sich eher an dem Risiko-Index als an der genauen Platzierung der Fluglinie in der Rangliste zu orientieren: "Aus Sicht der Jacdec-Experten rücken die besseren Kandidaten für die oberen Plätze in den vergangenen Jahren immer enger zusammen." Sie sprechen von einem guten "Zeichen für den weltweiten Fortschritt der Sicherheitsniveaus in der Luftfahrt".

Weniger Tote bei stark steigendem Passagierluftverkehr

2019 war eins der sichersten Jahre in der kommerziellen Luftfahrt, erklärte vor wenigen Tagen auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) - und weist darauf hin, dass es in Deutschland oder im Luftraum der Europäischen Union in diesem Bereich der Fliegerei keinen einzigen Verunglückten gab. Unglücke mit Militärmaschinen oder Flugzeugen mit weniger als 14 Passagiersitzen tauchen in der Statistik nicht auf.

Obwohl eine Neuauflage des international bisher sichersten Jahres in der Geschichte der gewerblichen Zivilluftfahrt - 2017 - mit 40 Unfalltoten in weiter Ferne scheint: Die Zahl an schwarzen Schafen bei Airlines oder Aufsichtsbehörden wird Jahr für Jahr geringer.

"Im Jahr 2019 setzt sich der seit Jahrzehnten erkennbare Trend fort, dass es bei stark steigendem Passagierluftverkehr immer weniger Tote bei Unfällen gibt", sagt Borchert. 2019 beförderten die der IATA angeschlossenen Airlines rund 4,5 Milliarden Passagiere - das sind 14 Mal so viele wie noch 1970.

Die statistische Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben, sank seit 1970 im Schnitt von einem Verhältnis von 1 zu 264.000 auf 1 zu 15.874.000. "Fliegen war 2019 also 60 Mal sicherer als in den Siebzigerjahren", rechnet der BDL vor. Seit Jahren sind die Sicherheitsstandards weltweit gestiegen. Verbesserte Ausbildungen der Crews und die weltweite Vernetzung der Luftfahrtindustrie tragen dazu bei, aus Unfällen zu lernen und das Fliegen insgesamt sicherer zu machen.

Boeing 737 Max: Ein weiteres Unglück, "das uns zum Glück erspart geblieben ist"

Die annähernde Halbierung der Zahl der Unfalltoten gegenüber dem Vorjahr ist nach Ansicht von Jacdec-Gründer Jan-Arwed Richter auch der Tatsache geschuldet, dass der US-Hersteller Boeing seine Unglücksflieger vom Typ 737 Max ab März am Boden lassen musste.

"Nach allem, was bisher durch Dokumente und die Anhörung vor dem US-Kongress ans Licht kam, hätte ein weiterer Betrieb mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem weiteren Unglück geführt, das uns zum Glück erspart geblieben ist", sagt Richter.

Am 10. März starben 157 Menschen an Bord einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien. Da es in kurzer Zeit der zweite Absturz eines solchen Jets nach Problemen mit der automatischen Trimmunterstützung war, folgte ein andauerndes, weltweites Flugverbot sowie zuletzt auch eine Produktionseinstellung für dieses Modell.

Richter hält vor allem die Folgen des Imageschadens bei Boeing noch nicht für ausgestanden. "2019 war ein sehr zwiespältiges Flugsicherheitsjahr: Einerseits bekamen wir die Bestätigung für die erneute Verbesserung des hervorragenden Sicherheitsniveaus beschert, andererseits deckte der 737-Max-Skandal auch einen Abgrund aus systemischen Mängeln der Flugzeugindustrie auf, deren Beseitigung die Branche noch länger beschäftigen wird."

jus/abl/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.