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Jahresrückblick: Was Promis 2011 auf Reisen erlebten

Foto: Denis Burdet

Jahresrückblick von Promi-Reisenden Ufos am Matterhorn, Käse am Nordpol

Welches Reiseerlebnis von 2011 ist unvergesslich? Hier geben fünf prominente Weltenbummler ihre Antwort. Fotografen, Publizisten und Extremkletterer erzählen von entspannten Margarita-Gelagen in Texas, seltsamen Erscheinungen am Matterhorn - und von Raclette am Ende der Welt.

So viele neue Eindrücke, Gerüche, Begegnungen: Jede Reise in ein unbekanntes Land bringt unzählige neue Erfahrungen, doch oft sticht ein ganz besonderes Erlebnis heraus, von dem man tatsächlich noch in Jahren berichten wird. Wir haben bekannte Vielreisende gefragt, was 2011 für sie dieses Erlebnis war - ein ganz persönlicher Jahresrückblick aus der Reisewelt.

Welchen Moment in der Ferne werden Sie niemals vergessen? Erzählen Sie uns auf Facebook  Ihre Lieblings-Reiseanekdote aus dem Jahr 2011!

Miriam Meckel, Professorin und Publizistin: Happy Hour in Terlingua

So könnte es auch im Moment Null nach dem Armageddon aussehen. Weite Flächen mit Flecken von verbranntem Gras, mittendrin die Hülle eines gelben Schulbusses und ein paar weitere Autowracks. Im Hintergrund die Berge in milchig-gleißendem Licht. Hier wohnt kein Mensch, hier ist nur Stille.

Ich stapfe in brüllender Hitze durch die Landschaft und frage mich: Was kommt hier noch? Das Auto habe ich mitten im Big-Bend-Nationalpark abgestellt, am Abzweig zu einer Stadt, die keine ist: Terlingua, Texas. Hier kann kein Mensch leben. Nach gut einer Stunde scheinen doch ein paar Häuser am Horizont auf, Hütten eher - aus Holz und Wellblech, dazwischen ein paar bunt bemalte Caravans, die Jahrzehnte nicht mehr bewegt wurden. Das sind die Ausläufer von Terlingua, dem Bergbau- und Quecksilberstädtchen an der Wende zum 20. Jahrhundert. Heute ist es eine Geisterstadt.

Terlingua hat ein Zentrum, in dem ein Rest des wilden und mondänen Lebens der Goldgräberzeit zu finden ist: das Starlight Theater. Ein alter, inzwischen modernisierter Schuppen, in dem jeden Abend irgendein verrückter, einsamer Musiker seine Countrysongs zum Besten gibt. Dabei sitzt die überschaubare Zahl an Gästen an der Theke und schlürft Margaritas für zwei Dollar während einer nie endenden "Happy Hour".

Kaffeetrinken und komponieren

Mein Thekennachbar stellt sich als britischer Musiker heraus. Er lebt seit zwölf Jahren in Terlingua, einer von 40 Anwohnern in dieser endlosen Einöde. "Was machst du hier so?", frage ich ihn. Denkpause. "Ich stehe auf und gehe ein bisschen herum." Er kratzt sich am Kopf, um das Denken anzuregen. "Dann trinke ich meinen Kaffee und lese ein bisschen." Eine weitere Denkpause. "Und manchmal komponiere ich nachmittags einen Song", schiebt er nach. "Manchmal aber auch nicht."

Seit zwei Stunden sitzen wir nun an dieser Bar, trinken eine Margarita nach der anderen. Ich bin wie festgewachsen, würde gerne für immer bleiben. Diese Ruhe. Nichts Getriebenes ist hier. Einsamkeit und Weltenferne. Dann zieht mein Nachbar sein Handy aus der Tasche und checkt seine E-Mails. In diesem Laden am Ende der Welt gibt es bestes Breitband-Internet. "Information wants to be free", hat Stewart Brand 1984 auf einer Hacker-Konferenz in Kalifornien gesagt. Hier ist der Beweis: Sie reist sogar bis in diese Geisterstadt.

Bewegt von dem Gefühl, meinen noch freien Platz in der Welt gefunden zu haben, versuche ich mich im Smalltalk, rede über die wunderbare Landschaft, die Berge, den Rio Grande, der mächtig durch diese Gegend fließt. Mein Thekennachbar hört stoisch zu, ohne ein Wort zu sagen. "Es ist Wahnsinn, am Rio Grande entlangzufahren. Man könnte glatt rüberschwimmen, und schon wäre man in Mexiko", plaudere ich vor mich hin. Pause. Der Mann nimmt den letzten Schluck seiner Margarita und dreht sich noch mal halb zu mir um. "Wag nicht mal, dran zu denken", sagt er und geht.


Miriam Meckel, 44, ist Kommunikationswissenschaftlerin, Publizistin und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Ihr neues Buch "Next. Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns"  ist im September im Rowohlt Verlag erschienen.

Robert Jasper, Extrembergsteiger: Ufos an der Steilwand

Ich habe Tausende extreme Klettertouren hinter mir, aber dieses Jahr Anfang Oktober habe ich wohl die verrückteste Nordwand-Route meines Lebens gemacht. Fast 17 Stunden war ich mit meinem Schweizer Kletterpartner Roger Schaeli an der "Sebastien Gay Memorial Route" am Matterhorn unterwegs. Wir wollten die Ersten sein, die sie frei begehen, also ohne künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung zu nutzen.

Wir mühten uns die ersten 400 Höhenmeter am überhängenden Fels hoch, dann entdeckten wir an einem Bohrhaken eine kleine Holzkiste. Wir wunderten uns und vermuteten, dass wir darin ein Wandbuch finden würden, in das Kletterer ihre Namen eintragen können, doch öffnen konnten wir sie nicht. Erst als sie plötzlich aufsprang und die Asche die Wand hinunter rieselte, wurde uns klar, dass es sich um eine Urne handelte: Wir hatten den Namensgeber der Route, Sebastien Gay, quasi persönlich vor uns!

Schockiert stiegen wir weiter. Mit einem sehr komischen Gefühl, denn bei solch einer enorm anspruchsvollen Klettertour hat man eh den Tod vor Augen, die Gefahren lauern überall.

Auf manche Gefahren allerdings sind selbst erfahrene Extrembergsteiger wie wir nicht vorbereitet, das bekamen wir etwa zwei Stunden später zu spüren. Plötzlich war ein extrem lautes Scheppern zu hören. Mein erster Gedanke: Ein Hubschrauber muss in den Gipfel gekracht sein.

Lebensgefahr durch unbekannte Flugobjekte

Dann sahen wir mehrere riesige Aluminiumwürfel an uns vorbeirattern - nur ein paar Meter von uns entfernt. Als vier oder fünf der seltsamen Flugobjekte unten auf einer Talsohle angekommen waren, kam ein Hubschrauber, wir beobachteten von oben, wie sich 500 Meter tiefer ein kleines Männchen abseilte und dann die Teile ins Fluggerät hochziehen ließ.

Bei so einer Tour im hohen Schwierigkeitsgrad klammert man sich an winzige Felsvorsprünge, schon eine Mücke könnte einen rauswerfen. Und dann so was. Wir hatten Angst, dass uns noch mehr seltsame Gegenstände entgegenfliegen, deshalb rief Roger bei der Bergwacht an, was denn hier los sei.

Die sagten nur: "Kein Problem, das war der Künstler aus Zermatt, der ist aber jetzt fertig." Meine späteren Recherchen ergaben, dass es sich um Heinz Julen handelt, einen sehr extravaganten und (zu Recht) umstrittenen Designer und Bildhauer. Eines seiner Projekte besteht darin, Würfel aus Metall über Wände zu werfen, wo er keine Kletterer vermutet. Die Verformungen, die dieses Manöver auslöst, ergeben dann das Kunstwerk.

Was genau die Kunst daran ist, habe ich noch nicht ganz verstanden - wir waren jedenfalls sehr froh, als wir diese Kletterei lebendig überstanden hatten!


Robert Jasper, 43, zählt zu Deutschlands besten Extremkletterern. Ihm gelangen zahlreiche Erstbegehungen schwieriger Routen  in Patagonien und den Alpen.

Michael Martin, Fotograf: Raclette am Nordpol

Noch 1000 Meter, zeigt mein GPS-Gerät an. Meine Ski gleiten weiter Zug um Zug über den gefrorenen Schnee. Schon als Kind träumte ich vom Nordpol, einmal ganz oben zu stehen, dort, wo die Erdachse aus der Kugel austritt und sich im Weltraum verliert. An dem Punkt, an dem die Sonne ein halbes Jahr nicht untergeht und ein halbes Jahr nicht aufgeht. Jenem Punkt, unter dem ein Tausende Meter tiefer Arktischer Ozean liegt. Von dem trennt uns nur eine zwei Meter dicke Eisdecke, auf der wir seit Tagen mit unseren Skiern fortbewegen. Ich bin zusammen mit vier Chinesen, einem Italiener und dem russischen Guide Michail unterwegs.

Dass wir keinen festen Grund unter den Tourenski haben, wird immer dann klar, wenn wir vor mehreren Metern breiten Wasserkanälen stehen, die wir umgehen müssen. Viel Kraft kostet das. Neben den Kanälen haben uns vor allem die zu wilden Eisgebirgen zusammengeschobenen Eisschollen aufgehalten, über die wir unsere Schlitten wuchten mussten. Aber das ist jetzt alles vergessen, nur noch 1000 Meter bis zum Nordpol!

Die Sonne steht gleißend am Himmel und bewegt sich im Lauf des Tages in einem Kreis um den Pol. Ich mache die außergewöhnliche Lichtsituation dafür verantwortlich, dass ich seit Tagen in Hochstimmung bin. Seit einer Woche habe ich ununterbrochen klares Sonnenlicht. Die Temperaturen steigen im April am Nordpol trotzdem kaum über minus 30 Grad Celsius.

Wodka und Champagner

Die letzten Meter lässt Guide Michail sein GPS-Gerät nicht mehr aus den Augen. Plötzlich hält er an und wirft er die Stöcke in den Schnee. Wir sind da. Ich empfinde das gleiche Gefühl wie bei Erreichen eines Berggipfels, eine Mischung aus Freude und Erleichterung.

Doch nach wenigen Minuten treibt uns der eisige Wind zum Aufbau der Zelte und zum Anwerfen der Benzinkocher. In den nächsten Stunden treffen vier Skiläufer aus Russland und Norwegen nach zehn Tagen auf dem Eis am Nordpol ein. Sie feiern mit Wodka und Champagner, den sie 220 Kilometer über das Eis mitgeschleppt haben.

Am späten Abend erreicht der Schweizer Arktisprofi Thomas Ulrich mit seinem Team den Pol, der in den letzten Stunden schon ein paar hundert Meter durch die Eisdrift versetzt wurde. Bis weit nach Mitternacht sitzen wir in Thomas' winzigem Zelt und feiern mit Raclette. Den Käse dafür hat er extra aus der Schweiz herangeschleppt.

Um 9 Uhr morgens taucht der russische Helikopter am Horizont auf und landet neben unserem Zeltplatz. Wir fliegen zurück ins Barneo-Camp und noch am gleichen Tag von dort mit einer Antonov AN 74 zurück nach Spitzbergen. Dort ist es wolkenverhangen und mollige null Grad warm, ich sehne mich zurück in die kalte Sonne auf dem Arktischen Ozean. Nur meine erfrorene Nase weiß das Schmuddelwetter zu schätzen.


Michael Martin, 48, ist Geograf, Fotograf und Buchautor. Zuletzt veröffentlichte er den Bildband "30 Jahre Abenteuer" , bei SPIEGEL ONLINE berichtet er in einem Blog über seine Reisen.

David Lama, Extrembergsteiger: Die Gastfreundschaft des Eseltreibers

Ich befinde mich in Sumcham, einem winzigen Bauerndorf im indischen Kashmir-Himalaja und folge Raju durch eine enge Gasse. Der Boden ist voll mit Schlamm, und der Rauch, der zwischen den Lehmmauern schwebt, brennt in meinen Augen.

Raju war einer der besten Eseltreiber auf unserer Expedition zum 6155 Meter hohen Cerro Kishtwar, dort haben wir eine neue Route über die Nordwestwand erstbegangen. Er hat meine beiden Kletterpartner Stefan Siegrist und Denis Burdet und mich eingeladen, bei unserer Rückreise in seinem Haus zu übernachten. Und da es den ganzen Tag geschneit und geregnet hat, nehmen wir das Angebot gerne an.

Durch eine rechteckige Öffnung in der Mauer steigen wir in einen großen, dunklen Raum. Meine Augen brauchen eine Weile, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Dann sehe ich Raju, wie er mir zuwinkt und mir einen Sitzteppich neben die Feuerstelle in der Mitte des Raumes legt. Ich setze mich und unterhalte mich ein wenig mit Stefan über unsere geglückte Erstbegehung, während Raju und seine Frau heißen Chai für uns zubereiten.

400 Jahre alte Mauern

Während wir den Tee mit Yakmilch aus kleinen Plastiktassen schlürfen, gibt uns Raju in seinem gebrochenen Englisch zu verstehen, dass das Haus, in dem wir hier sitzen, schon 400 Jahre alt ist. Er erzählt uns auch, dass seit fast 20 Jahren keine Expedition in dieser Region unterwegs war, und er erzählt uns noch vieles mehr, bevor Stefan, Denis und ich uns in unsere Schlafsäcke zurückziehen.

Früh am nächsten Morgen beladen wir wieder unsere Esel. Um uns für die Gastfreundschaft zu bedanken, wollen wir Raju ein paar Rupien zustecken, aber er sagt sofort, er brauche das Geld nicht. Was soll das heißen? ist der erste Gedanke, der durch mein europäisches Gehirn saust. Jeder braucht ein wenig Geld! Uns tun die paar Euro doch nicht weh!

Auch Stefan und Denis scheinen ein wenig verwirrt zu sein. Erst langsam begreifen wir, dass das nicht nur Bescheidenheit ist: Geld hat in dieser abgeschiedenen Gegend wenig Wert, man muss mehrere Tage laufen, um es ausgeben zu können. Ich schenke Raju meine Goretex-Jacke, Stefan und Denis geben ihm ein paar Kletterseile. Dann müssen wir weiter und packen unsere Rucksäcke. Wir nehmen unsere Sachen mit - und unsere Erinnerungen. Die wertvollste von ihnen ist nicht unser Gipfelerfolg, sondern unsere Übernachtung bei Raju, dem Eseltreiber aus Sumcham.


David Lama, 21, stammt aus Innsbruck und gilt als eines der größten Jungtalente der internationalen Kletterszene . Er gewann zahlreiche Hallenwettbewerbe, inzwischen ist er vor allem an schweren Wänden in den Alpen, in Patagonien und im Himalaja unterwegs.

Bernhard Hoecker, TV-Comedian: Landschaft und Mythen Neuseelands

Ich hatte dieses Jahr das große Glück, Neuseeland zu besuchen. Und neben den 13.221 beeindruckenden Erlebnissen und unglaublich schönen Orten bleibt besonders der Besuch im Norden der Südinsel unvergesslich. Die Landschaft der Marlborough Sounds ist einfach atemberaubend! Steile Berghänge verschwinden - fast bis zur Wassergrenze bewaldet - in den tiefen Meeresbuchten, die sich kilometerweit ins Landesinnere ziehen.

Zur Entstehung dieser unglaublichen Landschaft gibt es eine schöne Legende der ersten englischen Siedler, die heute noch in den Schulen erzählt wird: Hier soll es dereinst ein riesengroßes Gebirge gegeben haben, Gipfel reckten sich gen Himmel, Täler gruben sich tief in die Erde hinab. Doch da machten sich gewaltige Kräfte bemerkbar, Beben erschütterten die Erde, und diese senkte sich demütig ab.

Plötzlich brach an einer Stelle Wasser über einen flachen Bergkamm, und die wogenden Massen suchten sich ihren Weg durch die vielen zerklüfteten Schluchten und Täler und füllten sie an, bis das einst so mächtige Gebirge nur noch seine höchsten Gipfel über Wasser zeigte.

Kraken-Angriff aufs Waka

Manche Neuseeländer haben eine weitaus einleuchtendere Erklärung: Um 1400 nach Christus befuhr Kupe, einer der legendären polynesischen Entdecker Neuseelands, mit einem der großen Waka-Hochseekanus die Meerenge zwischen Nord- und Südinsel.

Plötzlich wurde er von einem gigantischen Kraken angegriffen. Er besiegte den Oktopus in einem harten Kampf. Doch er hielt sich dabei mit einer Hand am Land fest, seine kräftigen Finger trieben die großen Furchen ins Festland und rissen sie bis zum Meer. So entstanden die Buchten der Marlborough Sounds. Ich bin dort auch gepaddelt, habe aber nichts kaputtgemacht.

Überall hier an den Hängen haben sich Leute angesiedelt. Um die Bevölkerung nicht völlig der Vereinsamung anheim fallen zu lassen, bringen Boote Briefe hin und her. Und im Sommer verbringen die Kiwis hier ihren Urlaub - auf Booten, beim Wandern oder einfach zum Relaxen in den "Bachs", den Sommerhäusern. Auch ich will unbedingt wiederkommen: Für meinen nächsten Besuch habe ich die mehrtägige Wanderung auf dem Queen Charlotte Trail geplant - da kann man noch näher an der Natur sein.


Bernhard Hoecker, 41, ist Komiker und TV-Moderator . Bekannt wurde er durch die Comedy-Sendung "Switch". Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.