Jemen Reiseveranstalter halten an Touren fest

Nach der Entführung von drei Deutschen wollen Anbieter von Gruppenreisen im Jemen keine Touren absagen. Möglich ist jedoch, dass Reiserouten geändert werden - schließlich rät das Auswärtige Amt derzeit zu besonderer Vorsicht.


Hamburg - Die Entführung von drei Deutschen im Jemen wirkt sich kaum auf organisierte Urlaubertouren in dem arabischen Land aus. Die Studienreisen-Veranstalter Gebeco/Dr. Tigges und Ikarus Tours halten ihre Jemen-Programme aufrecht, erklärten Vertreter der Unternehmen am Dienstag. Auch der Kreuzfahrtanbieter Plantours & Partner plant weiterhin, von Weihnachten an rund 200 Gäste für drei Tage in der Hauptstadt Sanaa in einem Hotel unterzubringen. Seit Sonntag halten Geiselnehmer im Jemen eine in dem Land arbeitende deutsche Architektin und ihre Eltern als Geiseln fest, um von der Regierung die Freilassung von zwei Clan-Mitgliedern zu erzwingen.

Sicherheitskräfte in Sanaa: Seit Sonntag werden drei Deutsche vermisst
AFP

Sicherheitskräfte in Sanaa: Seit Sonntag werden drei Deutsche vermisst

Den Jemen besuchen deutsche Urlauber vor allem im Rahmen von Gruppenreisen. Von Einzelreisen rät das Auswärtige Amt in Berlin dagegen "nachdrücklich" ab. Wegen der Terrorgefahr und des Risikos von Entführungen empfiehlt das Ministerium in seinem Sicherheitshinweis zudem allgemein "besondere Vorsicht".

Von Reisen in die Regionen Marib und Sa'ada sowie den angrenzenden Bezirken wird wegen der "besonders angespannten Sicherheitslage" dringend abgeraten. Entführungen könnten "grundsätzlich im ganzen Lande, auch in den Städten" stattfinden, heißt es in dem Sicherheitshinweis.

Die Studienreisen-Anbieter haben sich unterschiedlich auf diese Situation eingestellt. Studiosus in München hat nach eigenen Angaben seit Juni 2008 alle Jemen-Reisen abgesagt. Auch für 2009 seien wegen der "anhaltend schwierigen Sicherheitslage" keine Reisen geplant.

Gefährliche Regionen werden gemieden

Gebeco/Dr. Tigges dagegen beruft sich auf eine langjährige Zusammenarbeit mit lokalen Reiseanbietern und Sicherheitskräften. Gefährliche Regionen würden gemieden, so der Anbieter aus Kiel. Auch Ikarus Tours im hessischen Königstein sondiert nach Angaben eines Sprechers jetzt, ob Tourverläufe geändert werden sollten. An die komplette Absage von Gruppenreisen sei jedoch nicht gedacht.

Plantours & Partner hatte im Jemen bislang nur Hafenstädte als Anlegeorte für das Kreuzfahrtschiff MS Vistamar im Besuchsprogramm. Nun soll das Schiff aufgrund einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für den Golf von Aden dieses Gewässer jedoch ohne Passagiere durchqueren. Die Gäste sollen in dieser Zeit für drei Tage in einem Luxushotel in Sanaa untergebracht werden. "An diesen Plänen halten wir fest", sagte eine Sprecherin des Unternehmens in Bremen. Die Reisebusse mit den Gästen würden von Sicherheitskräften eskortiert.

Als Reiseziel für deutsche Urlauber spielt das Land im Süden der arabischen Halbinsel nur eine kleine Rolle. Nach Angaben der Tourismusvertretung des Jemen in Frankfurt am Main wurden im Jahr 2007 exakt 2551 Besucher mit deutschem Pass gezählt. In den drei Jahren davor waren es stets zwischen 2700 und 2975. Die größte europäische Besuchernation sind die Briten mit fast 8900 Gästen im Jahr 2007.

sto/tmn



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.