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Kambodscha: Stätten der Roten Khmer

Foto: DAVID LONGSTREATH/ ASSOCIATED PRESS

Kambodscha Pol Pots Wohnhaus wird zur Touristenattraktion

Massenmord-Tourismus in Kambodscha: 14 Stätten, die von den Gräueltaten der Roten Khmer zeugen, sollen für Touristen hergerichtet werden. Die Regierung plant unter anderen, Haus und Grab des berüchtigten Anführers Pol Pot zu bewahren.

Kambodscha - Die Regierung Kambodschas hat beschlossen, 14 Stätten der gefürchteten Roten Khmer als Touristenattraktionen herzurichten, wie ein Sprecher am Mittwoch bestätigte. Einem Kabinettsbeschluss zufolge sollen die historischen Stätten in der Region von Along Veng von möglichen Zerstörungen durch Einheimische und illegalen Übergriffen geschützt werden, sagte Provinz-Gouverneur Yim Phana.

Der langgestreckte Ort Anlong Veng war bis Mai 1998 die letzte Hochburg der Roten Khmer, bevor sie nach fast 20-jährigem Bürgerkrieg vor der Regierungsarmee kapitulierten. Along Veng liegt rund 300 Kilometer nördlich von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Das Regime der Roten Khmer, unter deren Schreckensherrschaft rund 1,7 Millionen Menschen ermordet wurden oder an Krankheiten und Hunger starben, wurde 1979 gestürzt. Aber die kommunistischen Revolutionäre versteckten sich im Dschungel und führten ihren grausamen Guerilla-Krieg fort.

Die Funktionäre der Roten Khmer wurden jahrelang nicht belangt und konnten unbehelligt im Land leben und sogar noch politische Ämter bekleiden. Erst 2007 begann ein Völkerrechtstribunal in Kambodscha mit der ersten Anhörung zur Aufarbeitung der Verbrechen. Das erste Verfahren, das im vergangenen Jahr aufgenommen wurde, richtet sich gegen Kaing Guek Eav, alias Duch, den Leiter des berüchtigten Foltergefängnisses S-21.

Pol Pots Haus als Pilgerstätte

Yim Phana zufolge gehört zu den 14 historischen Stätten auch das Haus des gefürchteten Führers Saloth Sar, der unter seinem Kampfnamen Pol Pot bekannt wurde. Er starb 1998 unter nicht geklärten Umständen. Auch sein Grab soll neben den Häusern weiterer Oberhäupter und einem Munitionshaus als Touristenattraktion bewahrt werden.

Erste Pläne, dass die Regierung die historischen Stätten schützen möchte, wurden schon wenige Jahre nach der Kapitulation der Roten Khmer bekannt. Touristen aus Kambodscha und auch aus dem Ausland kommen schon seit einiger Zeit zu den "Killing Fields", den Orten, an denen die Rote Khmer Menschen töteten. Zu Pol Pots Grab pilgern viele Einheimische an Feiertagen, da sein Geist als sehr mächtig angesehen wird. Sogar Hochzeitspaare lassen sich in den Häusern der ehemaligen Führer ablichten.

Die ehemals entlegene Ort Along Veng ist inzwischen durch gute Straßen mit Kambodschas größter Touristenattraktion, der Tempelstadt Angkor Wat, und dem nahe gelegenem Thailand verbunden. Die Pläne für die Konservierung des Ortes beinhalten Berichten zufolge auch ein Museum. Ein thailändischer Investor soll hier sogar ein Casino planen, um mehr Besucher anzulocken.

som/AP