Kampf gegen Kosten Air Berlin und TUIfly streichen Strecken

In den USA streichen die großen Airlines Flüge und Tausende Stellen - nun zeigt der hohe Kerosinpreis auch bei deutschen Fluglinien Wirkung: Air Berlin mustert 14 Maschinen aus und streicht einige Langstreckenflüge. Der Billigflieger TUIfly verringert seine Ziele um sechs Städte.

Hannover - Der Ölpreis explodiert - und die Fluglinien in aller Welt überdenken ihr Streckennetz. In den USA hat am Dienstag die letzte der großen Airlines, die Northwest Airlines, angekündigt, Kapazitäten zu reduzieren und Personal abzubauen. Voraussichtlich werden American, United und Co. in diesem Jahr einen Verlust von zehn Milliarden Dollar einfliegen.

In Deutschland kündigten am Mittwoch Air Berlin und TUIFly Streichungen an. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft werde ihre Flotte verkleinern, mehrere Langstreckenverbindungen und Arbeitsplätze streichen, teilte Air Berlin mit. Grund seien die stark gestiegenen Kerosinkosten. Die Verwaltung der 2006 übernommenen dba werde zum November aufgelöst. Für die 52 betroffenen Beschäftigten sei ein Sozialplan erstellt.

Mit Beginn des Winterflugplans zum 1. November werde Air Berlin statt der ursprünglich geplanten 134 Maschinen nur noch 120 einsetzen. Ausgemustert würden vor allem ältere Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge, die besonders viel Kerosin schlucken. Auf den Langstrecken sollen vier Großraum-Jets weniger als bislang fliegen. Die Kapazität werde insgesamt um zehn Prozent schrumpfen, auf Langstrecken um 30 Prozent.

Die erst am 1. Mai gestarteten Verbindungen nach Peking und Shanghai streicht Air Berlin im Winter ganz - ob sie zum Sommer 2009 wieder aufgenommen wird, hängt demnach auch von den immer noch ungeklärten Überflugrechten über Russland ab. Die längere Südroute rechne sich beim derzeitigen Kerosinpreis nicht, erklärte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Auch die Flüge von Düsseldorf nach New York setzt die Gesellschaft vorerst aus. Ganz eingestellt werden die Flüge nach Mauritius und Sri Lanka. Mehr Flüge als bisher will Air Berlin aber nach Florida, Cancun in Mexiko, auf die Malediven und nach Jamaika anbieten.

TUIfly streicht Stockholm-Verbindung

Die Fluggesellschaft TUIfly wird zum Sommer 2009 ertragsschwache Strecken streichen und weniger Maschinen einsetzen. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte, verringert sich die Zahl der angeflogenen Ziele im Sommerflugplan 2009 um sechs auf 74. Zu den gestrichenen Strecken zählten etwa die Verbindungen Hannover-Stockholm oder Köln-Linz.

Die Zahl der eingesetzten Flugzeuge reduziere sich im Vergleich zum diesjährigen Sommer um drei auf 45. TUIfly wolle sich auf ertragsstarke Strecken konzentrieren, sagte ein Sprecher. Die Zahl der wöchentlichen Verbindungen bleibe aber mit rund 900 in etwa gleich. TUIfly ist eine Tochter des Reiseriesen TUI Travel mit Sitz in London, an dem die TUI AG in Hannover die Mehrheit hält.

In den USA suchen die Airlines derzeit verzweifelt nach Auswegen, um die durch die hohen Kerosin-Kosten ausgelöste Krise zu bewältigen. Sie entlassen Tausende Mitarbeiter, streichen ihr Streckennetz zusammen und verlangen beispielsweise zusätzliche Gebühren für mehr als zwei Gepäckstücke. Der Verlust der großen Fluggesellschaften war nur 2002 - im Jahr nach den Anschlägen in New York - noch etwas größer.

Amerikaner leiden stärker unter Ölpreis

Am Dienstagabend warnte der US-Luftfahrtverband vor dramatischen Konsequenzen für die gesamte US-Wirtschaft. "Die Konjunktur dieser Nation ist mit der Funktionsfähigkeit ihres Lufttransportsystems verbunden. Wenn es mit den Fluggesellschaften bergab geht, wird die Konjunktur ebenfalls abstürzen", prognostizierte James May von der Air Transport Association bei einer Senatsanhörung.

In Kanada gerät die Fluggesellschaft Air Canada wegen der hohen Ölpreise in Schwierigkeiten. Das Unternehmen teilte am Dienstag in Montréal mit, es werde seine Transportkapazitäten im Herbst-Winter-Flugplan um sieben Prozent kürzen. Deshalb werde die Gesellschaft weniger Beschäftigte brauchen und bis zu 2000 Stellen abbauen. Unter anderem sollen Nonstop-Flüge von Toronto nach Rom und von Vancouver nach Osaka in Japan wegfallen.

Zwar machen auch in Europa die hohen Treibstoffkosten den Fluggesellschaften zu schaffen. Abgemildert wird dies jedoch durch den im Vergleich zum Euro schwachen Dollar, der den Anstieg für europäische Airlines weniger dramatisch ausfallen lässt. Dennoch mussten auch diesseits des Atlantiks Unternehmen ihre Gewinnprognosen - teilweise sogar mehrmals - zurücknehmen.

Die österreichische AUA rechnet für das laufende Jahr mit einem Verlust von bis zu 90 Millionen Euro. Auch Air Berlin erwartet nun lediglich einen Betriebsgewinn (Ebit), nachdem zuvor noch eine Spanne von 73 bis 120 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war.

abl/AFP/dpa/Reuters

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