Kampf gegen Mini-Bordelle Amsterdam räumt Rotlichtviertel auf

Für nicht wenige Touristen dürften Coffee-Shops die maßgebliche Attraktion in Amsterdams Altstadt sein. Das soll sich ändern: Die holländische Metropole wird umgestaltet, die berüchtigten Hurenfenster und Haschischkneipen sollen verschwinden.


Amsterdam - Die Stadt Amsterdam will die berühmt-berüchtigten Hurenfenster und Haschischkneipen in der historischen Altstadt auf die Hälfte reduzieren. Zugleich sollen die so genannten Wallen - das Rotlichtviertel der holländischen Metropole - zu "einem der spannendsten, abwechslungsreichsten und interessantesten" Stadtvierteln Europas umgestaltet werden.

Das geht aus dem am Samstag nach monatelangen, teils kontroversen Debatten veröffentlichten Entwicklungsplan für das Amsterdamer Stadtzentrum hervor.

Eines der Hauptanliegen sei dabei die "energische Bekämpfung der in letzter Zeit besorgniserregenden Kriminalität auf den Wallen", wie ein Sprecher von Bürgermeister Job Cohen erklärte.

Viele der Mini-Bordelle, in deren Fenstern sich Prostituierte Freiern anbieten, würden ebenso wie manche Coffee-Shops, in denen Haschisch und Marihuana verkauft und konsumiert werden dürfen, für die Geldwäsche missbraucht. Zudem habe der Frauenhandel in letzter Zeit stark zugenommen.

Mit dem auf zehn Jahre angelegten Entwicklungsplan, für dessen Umsetzung Amsterdam etwa 50 Millionen Euro ausgeben will, sollen die Prostitution oder das Haschischrauchen aber keineswegs verboten werden.

Es werde weiterhin Raum für das Sex-Geschäft und die Coffee-Shops geben, allerdings an "kontrollierbaren Orten", teilte die Stadt weiter mit. Prostitution und Coffee-Shops sollten das Gebiet nicht mehr dominieren, sie seien "zu massiv" geworden, sagte der stellvertretende Bürgermeister Lodewijk Asscher. "Dies ist eine notwendige Korrektur."

Am Ende werde es in einem verkleinerten Rotlichtviertel im Herzen der Wallen immer noch rund 240 Prostituiertenfenster und fast 40 Coffee-Shops geben, die dann aber voll unter behördlicher Kontrolle stünden.

In den frei werdenden Häusern sollen künftig hochklassige kulturelle und gastronomische Angebote die Attraktivität der Wallen als Szene- und Amüsierviertel für Touristen und Einwohner deutlich erhöhen.

Prostitution ist in den Niederlanden seit 2000 legal. Auch Verkauf und Besitz von weniger als fünf Gramm Marihuana sind erlaubt.

pad/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.