Kanada "Hi Jack!" bringt Flugreisende nicht mehr ins Gefängnis

Witze über Bomben, Schusswaffen oder Entführungen waren an kanadischen Flughäfen verboten, ein Scherzbold musste damit rechnen, verhaftet zu werden. Nun haben die Sicherheitsbehörden die Richtlinien etwas gelockert.


Ottawa – Flugreisende, die sich an Flughäfen in Kanada zu Bemerkungen hinreißen ließen wie "Sie brauchen mich nicht zu durchsuchen, ich trage keine Waffe bei mir", liefen bisher Gefahr, umgehend festgenommen zu werden. Auch bei der Bemerkung "Hi Jack!" (das englische Wort "hijack" bedeutet "entführen") drohte eine Inhaftierung. Die Folge: Jedesmal, wenn ein beunruhigendes Wort fiel, wurde die Polizei gerufen.

Das will die Kanadische Flugsicherheitsbehörde nun ändern: In einer Mitteilung an das Personal fordert sie dazu auf, besonnener zu handeln. Der Fluggast soll für Sätze wie "Hi Jack!" in Zukunft nicht direkt in Gewahrsam genommen werden, sondern erst einmal verwarnt werden.

Trotzdem sollte man seine Worte an Flughäfen in Kanada weiterhin vorsichtig wählen, wie weitere Beispiele aus der neuen Richtlinie für das Sicherheitspersonal zeigen. Wer, vielleicht wütend über lang andauernde Sicherheitschecks, sagt "Schauen sie lieber gründlich durch meinen Koffer, da ist eine Bombe drin", der wird weiterhin verhaftet. Ebenso sollte man sich Kommentare verkneifen wie "Ich werde im Flugzeug Feuer mit einer Lötlampe legen" oder "Der Mann auf Platz 32F hat ein Maschinengewehr". In der Regel sollen jedoch Leute, die über Bomben und Schusswaffen reden, nur noch festgenommen werden, wenn sie eine ernsthafte Drohung aussprechen.

60 Tage Haft für Bomben-Witz

Behördensprecherin Brigitte Caron verglich das neue System damit, im Fußball erst gelbe Karten zu verteilen, bevor man jemandem vom Platz stellt. "Manchmal ist es nur ein Scherz und die Person wird sagen 'Es tut mir leid, ich war aufgebracht'", so Caron. In den vergangenen Jahren seien mehr als 100 Passagiere verhaftet worden, weil sie bedrohliche Bemerkungen an kanadischen Flughäfen gemacht hatten.

Besonders nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 habe es eine Reihe von Zwischenfällen mit Bomben-Witzen gegeben, wie die kanadische Zeitung "National Post" berichtet. So habe noch im selben Monat ein Australier 60 Tage im kanadischen Gefängnis gesessen, nachdem er zum Spaß bei der Gepäckaufgabe behauptet hatte, eine Bombe bei sich zu tragen. Ebenso sei der frühere Chef der Handelskammer Ontario verhaftet worden, weil er angeblich das Sicherheitspersonal warnte, ein anderer Reisender habe eine Bombe um den Körper gebunden.

Regeln gegen schlechte Scherze gebe es aber schon länger. So habe 1991 der Bundesminister für Wohnungsbau zurücktreten müssen, nachdem er im Spaß Sicherheitsmitarbeitern am Flughafen erzählt hatte, ein Freund hätte eine Schusswaffe dabei.

tno/Reuters



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