Katar Erstes Linienflugzeug flog mit synthetischem Kerosin im Tank

Das erste mit GTL betriebene Passagierflugzeug ist in Katar gelandet. Der Airbus A340 der Qatar Airways hatte das Gemisch aus erdgasbasiertem und konventionellem Kerosin getankt. Die Luftfahrtbranche setzt große Hoffnung auf solche alternativen Treibstoffe.


London - Eine Qatar-Airways-Maschine, deren Tanks zur Hälfte mit dem synthetischem Treibstoff GTL befüllt waren, landete am späten Montagabend in Katar. Es sei der erste reguläre Linienflug mit so einer Mischung gewesen, hieß es. "Der Flug öffnet die Tür zu einer Alternative zum ölbasierten Treibstoff für Flugzeuge", sagte Malcom Brinded von Energiekonzern Royal Dutch Shell.

Der von dem Energiekonzern entwickelte GTL (Gas to Liquid) -Treibstoff besteht zu gleichen Teilen aus erdgasbasiertem und konventionellem Kerosin auf Ölbasis. Wie solche Treibstoffe künftig im großen Maßstab Verkehrsflugzeuge antreiben können, wird das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) künftig mit vier Partnern erforschen. Ein entsprechender Vertrag mit Shell, dem Technologiezentrum Qatar Science & Technology Park, der dortigen Texas A&M University und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce wurde am Dienstag in Doha unterzeichnet, wie das DLR mitteilte.

Das DLR untersucht in den nächsten drei Jahren zunächst den optimalen Einsatz von GTL. In Katar soll der Treibstoff den Angaben zufolge ab 2012 bereits in kommerziellen Mengen von einer Million Tonnen pro Jahr hergestellt werden. Der Golfstaat, der derzeit der weltgrößte Flüssigerdgasproduzent ist, wird damit zum führenden GTL-Anbieter.

Der Flugverkehr könne dank der so gewonnenen Unabhängigkeit vom Öl weiter wachsen, sagte der Direktor des DLR-Instituts für Verbrennungstechnik, Manfred Aigner. Zugleich rücke der Einsatz von BTL (Biogas to Liquid)-Treibstoffen in greifbare Nähe.

Jatropha im Tank

Auch mit anderen Biokraftstoffen für Flugzeuge wird bereits experimentiert. Eine B747 der Air New Zealand absolvierte im vergangenen September einen Testflug, bei dem die vier Triebwerke mit einer Mischung aus herkömmlichem Kerosin und Öl aus nachhaltig angebauten Jatropha-Pflanzen angetrieben wurden. Ein Ergebnis: Der Einsatz dieses Gemischs würde den Verbrauch auf einem Interkontinental-Flug über 11.000 Kilometer um 1,2 Prozent oder rund 1,4 Tonnen Treibstoff reduzieren, teilte Air New Zealand im Juni mit.

Das Potential für alternative Treibstoffe ist gewaltig. Airbus hält es für möglich, dass der Anteil im Jahr 2025 schon ein Viertel der Gesamtmenge betragen könnte. Eine Zusammenarbeit des europäischen Flugzeugbauers mit dem Zulieferer Honeywell, dem Triebwerkhersteller International Aero Engines und JetBlue zur Entwicklung von Treibstoffen aus Algen liegt einem Airbus-Sprecher zufolge aber derzeit auf Eis, da es einen nachhaltig gewonnenen Biokraftstoff derzeit nicht in ausreichenden Mengen gibt.

Die Lufthansa hat sich zum Ziel gesetzt, 2020 einen Anteil von fünf bis zehn Prozent Beimischung zum Kerosin zu erreichen.

Abl/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.