Katar-Krise Qatar Airways stoppt Flugverkehr in Nachbarländer

Qatar Airways stellt die Verbindungen nach Saudi-Arabien und zu anderen Nachbarn ein. Auch wird Katar aus diesen Ländern nicht mehr angeflogen. Damit fällt ein wichtiges Drehkreuz in Nahost aus.

AFP

Qatar Airways hat vor dem Hintergrund der diplomatischen Zerwürfnisse auf der arabischen Halbinsel den Flugverkehr zu wichtigen Nachbarländern vorerst eingestellt. Wie die nationale Fluggesellschaft des Emirats Katar mitteilte, sind Verbindungen mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten betroffen.

Diese Länder hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, sie werfen dem Land Unterstützung von Terroristen vor. Fluggesellschaften der vier Länder stellten ihrerseits den Flugverkehr nach Katar ein. Teilweise wurde auch der Luftraum für katarische Flugzeuge gesperrt. Saudi-Arabien entzog Qatar Airways die Lizenz und kündigte an, die Büros der Fluggesellschaft im Land binnen 48 Stunden zu schließen.

Damit sind zwar Flüge von Qatar Airways, die von deutschen Flughäfen über Doha zum Beispiel nach Australien oder Afrika führen, von Streichungen nicht betroffen. Wer allerdings in die arabischen Nachbarländer fliegen will, muss sich zurzeit eine Alternative suchen. Betroffene Kunden können Qatar Airways zufolge ihre Tickets gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben oder zu anderen Flugzielen umbuchen.

Die aktuelle Sperrung macht sich nach einer Erhebung der Flugrouten-Seite Flightradar24 vom Dienstag bereits bemerkbar: Europa-Verbindungen von Qatar Airways würden nun über den Iran und die Türkei umgeleitet. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad bildete sich nach AFP-Informationen vor den Büros von Qatar Airways eine Schlange von Fluggästen, die dort wegen der Unterbrechung der Flugverbindungen festsaßen.

Katar baute Mega-Flughafen

Qatar Airways bedient über sein Drehkreuz in Doha zahlreiche Verbindungen von Europa zu Zielen im Nahen Osten, aber auch in Asien, Ozeanien und Afrika. Auch eine Reihe deutscher Flughäfen wird angeflogen, darunter Frankfurt/Main, Berlin und München. Zudem werden von Doha Verbindungen nach Nord- und Südamerika angeboten. Das Unternehmen ist Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld.

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Der Nationalcarrier ist seit seiner Gründung 1994 rasant gewachsen und neben Emirates aus Dubai und Etihad aus Abu Dhabi einer der härtesten Rivalen angestammter europäischer und asiatischer Airlines. Voriges Jahr transportierte Qatar Airways, die die arabische Oryxantilope als Firmensymbol hat, knapp 27 Millionen Passagiere und damit vier Millionen mehr als im Jahr vorher.

Gleichzeitig stampfte das Herrscherhaus von Katar in Doha einen neuen Großflughafen aus dem Wüstensand, der kurz nach der Fertigstellung bereits auf eine Kapazität von 50 Millionen Passagieren im Jahr ausgebaut wird. Der Hamad International Airport soll sich als Umsteigedrehscheibe für die ganze Welt etablieren. Passagiere kommen meist mit einem Langstreckenflug an und steigen in das nächste Interkontinentalflugzeug um.

Eröffnet im April 2014: Hamad International Airport (HIA)
AP

Eröffnet im April 2014: Hamad International Airport (HIA)

Erst im März hatte das von den USA verhängte Laptop-Verbot zu Einbußen geführt: Auf Flügen von zehn Airports vor allen von muslimischen Staaten in die USA, darunter Katar, dürfen keine größeren elektronischen Geräte mehr im Handgepäck mitgenommen werden. Der Flugverkehr zwischen dem Nahen Osten und Amerika schrumpfte in der Folge nach Angaben des Branchenverbands Iata im März erstmals seit sieben Jahren

abl/AFP/Reuters

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