Kofferverlust Fünf Tage weg, für immer weg

Zehntausende Koffer gondelten in den letzten Tagen herrenlos durch Europa. Nach dem Terroralarm herrschte auf britischen Flughäfen Chaos. Die goldene Regel der Fachleute: Nach fünf Tagen Verlust ist die Chance auf Rückgabe des Gepäckstücks gering.

Wiesbaden - Fluggäste, deren Koffer nicht auf dem Laufband auftaucht, müssen den Schaden nicht innerhalb einer bestimmten Frist gelten machen. Es sei denn, die Fluggesellschaft hat in ihren AGBs eine Frist von 120 Tagen festgeschrieben. Sie sollten das am besten sofort anzeigen, rät Ronald Schmid, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden. Meist tauche verlorenes Gepäck schnell wieder auf - wenn es aber nach wenigen Tagen nicht wieder aufgefunden wird, sei es in den meisten Fällen unwiederbringlich verloren.

"Insgesamt gehen im Schnitt nur 0,3 Prozent verloren - und davon tauchen 95 Prozent in den ersten fünf Tagen wieder auf", sagt Amelie Lorenz von der Lufthansa in Frankfurt. Die übrigen fünf Prozent seien nicht wieder auffindbar. Die Gründe dafür seien unbekannt. Für fehlgeleitetes Gepäck seien meist "knappe Umstiege" verantwortlich.

Nach dem jüngsten Terroralarm in Großbritannien waren bei Flügen von British Airways rund 10.000 Gepäckstücke fehlgeleitet worden - zum Teil warten die Eigentümer immer noch auf Rückgabe.

Höchstens 1200 Euro pro verschwundenem Koffer

Kofferlose Passagiere können allerdings nicht immer mehr Geld verlangen, je länger das Gepäckstück verschwunden bleibt. Maßgeblich für den Schadenersatz sei immer nur der Wert der im Koffer befindlichen Gegenstände. "Dazu muss ich angeben, was in dem Koffer war, und den geschätzten Wert beziffern", erklärte Schmid.

Der Haftungshöchstsatz bei einem Kofferverlust liegt allerdings bei 1200 Euro. "Das bedeutet, dass Sie nicht mehr als 1200 Euro für einen nicht mehr auffindbaren Koffer bekommen - auch dann nicht, wenn zum Beispiel mehrere teure Anzüge im Koffer waren", erklärte Schmid. Auch Nachteile, die Passagiere wegen eines nur vorübergehenden Kofferverlustes haben, müssen die Fluggesellschaften ausgleichen.

"Wenn ein Geschäftsmann sein Gepäck am Flughafen nicht bekommt, am nächsten Tag aber einen wichtigen Termin hat, darf er sich einen neuen Anzug kaufen und die Kosten in Rechnung stellen", erläuterte Schmid. Urlauber könnten Kosten für ein frisches Hemd, neue Shorts oder eine Zahnbürste ebenso geltend machen. Die Ausgaben müssten aber "den Umständen angemessen" sein. Zudem werde bei der Erstattung immer der "Alterswert" des Gepäcks zu Grunde gelegt - nicht der Neupreis.

abl/gms

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