Konflikt mit Regierung Aborigines wollen Ayers Rock für Touristen sperren

Ureinwohner wehren sich: Aus Protest gegen Regierungspläne zur Eindämmung von Kindesmissbrauch drohen Aborigines in Australien jetzt mit einer Blockade des Ulurus – seit Jahren werden Besteigungen geduldet, obwohl der Berg für die Ureinwohner ein Heiligtum ist.


Canberra - Der auch als Ayers Rock bekannte Berg ist die vielleicht bekannteste Touristenattraktion Australiens im Northern Territory. Die Bewohner der Ortschaft Mutitjulu am Fuß des Sandsteinfelsens erwägen nun, den Touristen das Besteigen des Ulurus zu verbieten.

Grund ist das rigide Vorgehen der Behörden gegen mutmaßlichen Kindesmissbrauch. Die Regierung plant unter anderem, Alkohol und Pornografie in den betroffenen Aborigine-Gemeinden zu verbieten und ärztliche Untersuchungen für Kinder vorzuschreiben. Ein Bewohner von Mutitjulu, Mario Giuseppe, sagte, die ortsansässigen Familien fürchteten, dass ihnen ihre Kinder weggenommen werden könnten.

Ein Sprecher der Bewohner, Vince Forrester, warf der Regierung vor, eine "Militäroperation gegen die ärmsten Bewohner Australiens" zu führen. Als Protestform komme ziviler Ungehorsam in Frage. In Alice Springs etwa 340 Kilometer nordöstlich des Uluru waren in den vergangenen Tagen Armee-Einheiten aufmarschiert. Sie sollen die zusätzlichen Polizeikräfte logistisch unterstützen, die abgestellt werden, um in den Gemeinden für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. In den meisten Ortschaften leben die Menschen von Sozialhilfe. Die Kriminalitätsrate liegt hier deutlich über dem Durchschnitt der australischen Bevölkerung.

Ministerpräsident John Howard verteidigte den Plan der Behörden, dessen Umsetzung heute mit der Entsendung von Soldaten und Polizisten in einige Townships beginnen soll. Es sei nötig, um Kindesmissbrauch zu beenden. Howard reagierte damit auf einen Bericht, dem zufolge Kindesmissbrauch im Northern Territory weit verbreitet ist. Die Pläne sehen neben dem Verbot von Alkohol und Pornografie auch die Kürzung von Sozialleistungen für Eltern vor, die ihre Kinder vernachlässigen.

Der Uluru ist seit Zehntausenden von Jahren ein Heiligtum der im Umkreis lebenden Aborigines. Bislang werden Besucher zwar auf Schildern gebeten, aus Respekt für die Traditionen der Ureinwohner auf eine Besteigung zu verzichten, gleichzeitig geben die Schilder jedoch auch Anweisungen, wie man am sichersten hinaufkommt – denn laut der Aborigine-Tradition ist es noch weit schlimmer, wenn jemand auf dem riesigen roten Felsen zu Schaden kommt. Jedes Jahr besuchen etwa 500.000 Touristen den Uluru/Kata Tjuta Nationalpark im Zentrum des australischen Outbacks.

sto/AP



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