Hunderte stornierte Flüge TUIfly verweigert Passagieren Entschädigung

Der Urlaubsflieger TUIfly muss wegen kurzfristiger Krankmeldungen immer mehr Verbindungen stornieren. Für Air Berlin führte er keinen Flug durch. Von einer Entschädigung will die Airline nichts wissen.

TUIfly- und Air-Berlin-Maschinen
DPA

TUIfly- und Air-Berlin-Maschinen


Die kurzfristigen Krankmeldungen des Cockpit- und Kabinenpersonals der TUIfly wirbeln deren Flugpläne immer heftiger durcheinander - und auch die des Partners Air Berlin. Tausende Passagiere mussten auf ihre Verbindungen warten oder ihre Urlaubsreisen zu den Herbstferien gleich ganz abblasen.

Für Air Berlin hat das Unternehmen am Donnerstag keinen einzigen Flug durchgeführt. Täglich wickele TUIfly eigentlich 90 Flüge ab, sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Kattwinkel. Mit Hilfe anderer Crews habe Air Berlin 30 dieser 90 Flüge anbieten können. 60 Flüge seien ausgefallen. Kattwinkel sprach von einer "schwierigen, dramatischen Situation vor allem für unsere Fluggäste". Ein Drittel der TUI-Flotte fliegt samt Besatzung für Air Berlin.

Mit den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi hat Air Berlin eine Krisenvereinbarung getroffen. Gemeinsam rufen sie Piloten, Flugbegleiter und Bodenbeschäftigte zu freiwilligen Einsätzen bis einschließlich Sonntag auf, wie die VC am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Ziel sei es, den Flugbetrieb zu stabilisieren und die Einschränkungen für die Fluggäste so gering wie möglich zu halten.

TUIfly selber musste am Donnerstag 47 von 110 vorgesehenen Flügen ersatzlos streichen, wie die Airline aus Hannover in einer Erklärung bekannt gab. Die Flüge werden annulliert, obwohl die Fluggesellschaft versucht hat, Ersatz zu beschaffen: "Das Unternehmen hat heute 18 zusätzlich gecharterte Flugzeuge anderer Airlines für TUIfly im Einsatz", heißt es in der Mitteilung.

TUIfly: Keine Entschädigung

Den Kunden will TUIfly keine Entschädigungen zahlen und beruft sich auf höhere Gewalt. "Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht", teilte die TUI Deutschland mit. Die Sprecherin betonte: "Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt." Aus diesem Grund hätten auch die betroffenen Reise- und Luftbeförderungsverträge gekündigt werden müssen.

Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover sieht das anders. Seiner Meinung nach können Flugpassagiere nach EU-Reicht durchaus Ausgleichszahlungen fordern. "Interne Probleme wie bei TUIfly und Air Berlin sind keine außergewöhnlichen Umstände oder höhere Gewalt", sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Nur in solchen Fällen wäre eine Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht befreit. Bei Annullierungen und Verzögerungen von mehr als drei Stunden steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Ihre Höhe liegt je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro.

Die vielen "kurzfristigen Krankmeldungen" des Personals hatten bereits am Montag und Dienstag für zahlreiche Verspätungen gesorgt, am Mittwoch dann für die Streichung von rund einem Viertel der geplanten Flüge. Air Berlin musste am Mittwoch knapp jeden 20. Flug streichen. Betroffen waren der Airline zufolge 32 von insgesamt 696 Flügen.

Hintergrund vieler Krankmeldungen sind offenbar Sorgen der Mitarbeiter um ihre Zukunft wegen des geplanten Zusammenschlusses von TUIfly mit Teilen von Air Berlin. Darüber wurde bereits seit der vergangenen Woche spekuliert. Die Beschäftigten wurden aber nicht informiert.

Am Freitagabend wurde dann bei TUIfly bekannt, dass die Airline in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad mit einer anderen Gesellschaft integriert werden soll. Am Mittwoch schließlich hatten die TUIfly-Mutter TUI sowie Air Berlin und deren Großaktionär Etihad die Pläne bestätigt. TUIfly ergänzte, den Mitarbeitern seien "Zugeständnisse" gemacht worden. Unter anderem sollten die bestehenden Tarifverträge von dem geplanten Zusammengehen "unberührt bleiben".

Ihre Kunden rief die Fluggesellschaft am Donnerstag auf, den aktuellen Status ihres Flugs auf der Webseite zu überprüfen. Außerdem stehe die Servicehotline 0800-9006090 zur Verfügung. Die "extrem kurzfristigen Krankmeldungen" machten es der Airline unmöglich, alle betroffenen Kunden frühzeitig zu informieren und ihnen alternative Reisemöglichkeiten anzubieten, erklärte das Unternehmen. Air Berlin informiert ebenfalls auf seiner Webseite über den Flugstatus.

abl/dpa/Reuters



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