Kreuzfahrer "Traumschiff"-Reeder Deilmann gestorben

Peter Deilmann blickte auf eine amerikanische Karriere zurück, auch wenn sie in Ostholstein möglich wurde: vom Werftarbeiter zum Reeder. Er konzentrierte sich auf Kreuzfahrten und ließ das Traumschiff "MS Deutschland" bauen. Am Sonntag starb der Chef der Deilmann-Reederei in Neustadt an der Ostsee.


Vom Werftarbeiter zum Reeder: Peter Deilmann war Eigner des Traumschiffs "MS Deutschland"
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Vom Werftarbeiter zum Reeder: Peter Deilmann war Eigner des Traumschiffs "MS Deutschland"

Hamburg/Neustadt - Der 68-jährige Deilmann war Eigner von 13 Luxuskreuzfahrtschiffen unter deutscher Flagge, darunter das ZDF-"Traumschiff", die "MS Berlin", und später die "MS Deutschland". Der aus Lübeck stammende Sohn eines Maschinenbauingenieurs machte Kreuzfahrten in Deutschland zu einem blühenden Zweig der Touristikbranche. Die Deilmann-Reederei beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.

Im Juli 2000 geriet Deilmanns Unternehmen in die Schlagzeilen, als beim Absturz einer von seiner Reederei gecharterten Concorde kurz nach dem Start in Paris 113 Menschen starben.

Der gelernte Großhandels- und Reedereikaufmann Deilmann verdiente Anfang der sechziger Jahre sein Geld als Werftarbeiter und auf dem Travemünder Skandinavienkai, wo er Autos auf Fähren einwies. 1968 gründete er seine Reederei, engagierte sich zunächst in der Frachtschifffahrt. In den siebziger Jahren konzentrierte sich Deilmann auf Kreuzfahrten und ließ das Traumschiff "MS Deutschland" bauen, das 1998 seinen Betrieb aufnahm.

In einem Nachruf würdigte die Reederei ihren Begründer und Eigentümer als Mann mit "außergewöhnlicher unternehmerischer Begabung" und "mit kompromisslosem wirtschaftlichen und künstlerischen Qualitätsgefühl".

Mit einer Flotte von heute 13 Kreuzfahrtschiffen, alle unter deutscher Flagge, bietet die Reederei rund 2000 Betten in schwimmenden Luxushotels auf hoher See und europäischen Flüssen. Mit gut 50.000 Passagieren pro Jahr zählt sie sich zu den Marktführern im Kreuzfahrtgeschäft. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 1200 Mitarbeiter. Es unterhält Büros in Alexandria (USA) und London und betreibt Werften in Tangermünde und Genthin.

Swimmingpool auf hoher See: Die Passagiere der "MS Deutschland" können an Deck im Meerwasser-Bassin ausspannen
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Swimmingpool auf hoher See: Die Passagiere der "MS Deutschland" können an Deck im Meerwasser-Bassin ausspannen

Deilmann wurde 1935 in Lübeck als Sohn eines Maschinenbauingenieurs geboren. Seine Mutter stammte aus der berühmten Unternehmerfamilie Hagelstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg lernte er Großhandels- und Reedereikaufmann in der Fachrichtung Kohle und arbeitete in Unternehmen in Frankreich, England und der Schweiz. 1968 gründete Deilmann seine erste Reederei mit einem Frachtschiff, zehn Jahre später besaß er zehn. Mit dem ersten Passagierschiff, der Fähre "Nordlicht", die zwischen Neustadt und Bornholm pendelte, wechselte er in die Passagierschifffahrt. In seiner beruflichen Laufbahn unterhielt er insgesamt 34 Schiffe.

"Wenn ich es recht bedenke, dann ist mein Unternehmen auch deshalb erfolgreich geworden, weil ich genug Fehler gemacht habe, aus denen ich lernen konnte", sagte er einemal in einem Interview. Ähnlich unkonventionell führte er auch seine Firma: "Bei uns gibt es keinen hierarchischen Wasserkopf. Kein Geschäftsführer, kein Prokurist. Meine Abteilungsleiter sind wie alle Mitarbeiter des Hauses hochqualifiziert und haben weitgehende Entscheidungsfreiheit. Was wichtig ist, besprechen wir gemeinsam", sagte der Unternehmer.

Peter Deilmann hinterlässt zwei Töchter. Sie sind in die Fußstapfen des Vaters getreten und seit einiger Zeit ebenfalls in der Reederei tätig.



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