Kreuzfahrt-Blog Moscheenbesucher unter Terrorverdacht

Ein Kreuzfahrtschiff-Direktor schreibt einen eigenen Blog – und ist selbst überrascht über den Erfolg seiner Berichte über das Leben an Bord und die Macken von Crew und Passagieren. Mit Vorliebe beschreibt er schockierende Wissenslücken der Bootsgäste über fremde Kulturen.


"Ich dachte eigentlich, nur meine Mutter und mein Vater würden das lesen", sagte Kreuzfahrtschiff-Direktor John Heald dem Internet-Portal MSNBC. Im März begann er, über den Alltag an Bord der Schiffe der Carnival Cruise Line zu schreiben – und schon jetzt haben mehr als 100.000 Internetsurfer seine Seite besucht.

Der Blog gibt Kreuzfahrtgästen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, enthält Anekdoten vom Leben an Bord und Fotos verschiedener Reiseziele. Besonders gern berichtet Heald jedoch von der Ignoranz mancher Gäste – ein Passagier etwa sei empört gewesen, dass Heald in Istanbul empfahl, eine Moschee zu besichtigen. Damit unterstütze er den Terrorismus, meinte der Gast und bezeichnete den verdutzten Reiseleiter als "Sperma des Teufels".

Eine andere Passagierin etwa sei völlig schockiert gewesen, dass man in Neapel nicht mit US-Dollars zahlen könne, berichtet ein Blog-Eintrag. Er habe erklärt, dass man in Italien mit dem Euro zahlt, sie habe das aber nicht eingesehen und darauf bestanden, dass man mit Dollars überall auf der Welt zahlen könne.

Trotz aller Zwischenfälle an Bord wird es manchmal etwas romantisch-verklärt, was der seefahrende Blogger von sich gibt – während oben rechts auf der Seite das Logo seines Arbeitgebers zu sehen ist: "Wir alle arbeiten und leben in Harmonie zusammen", schreibt Heald über den Alltag an Bord. "Ich wünschte mir, die ganze Welt wäre so."

sto



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.