Zehn Jahre "Queen Mary 2" und Hamburg Ein Hafen und seine Königin

Hunderttausende Menschen säumten das Elbufer, der Verkehr brach zusammen: Vor zehn Jahren hat die "Queen Mary 2" zum ersten Mal Hamburg angelaufen. Das damals größte Kreuzfahrtschiff der Welt löste einen Boom in der Hansestadt aus.

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Wo warst du, als die "Queen Mary 2" zum ersten Mal nach Hamburg kam? Manche Ereignisse graben sich tief in die kollektive Erinnerung ein. Und eins davon ist vor allem den Hanseaten an der Elbe wichtig: Am 19. Juli 2004 lief das neue Flaggschiff der britischen Reederei Cunard erstmals die Hansestadt an, ein halbes Jahr nach ihrer Taufe durch Queen Elizabeth II.

Schon früh um fünf Uhr säumte eine viertel Million Menschen das Elbufer, zum Teil schon kilometerweit vor dem Hafen. Und das, was sie sahen, war gigantisch: Im dichten Nebel tauchte das damals größte Kreuzfahrtschiff der Welt zunächst schemenhaft auf, seine Lichter blinkten im Dunst.

Dann ragte die insgesamt 72 Meter hohe "Queen Mary 2" mit ihrem schwarzrotweißen Bug vor den staunenden Zuschauern auf, langsam schob sich der 345 Meter lange Oceanliner mit lauten Schiffshorngrüßen an ihnen vorbei. Tränen vor Rührung sollen sogar geflossen sein.

Damals begann die große Liebe der Hamburger zu diesem 2620 Passagiere fassenden Transatlantikliner aus Großbritannien. Ein Jahr später kamen schon 500.000 zum "Marygucken". "Nachts um ein oder zwei Uhr bin ich bei der Einfahrt in die Elbe schon aufgewacht, weil es draußen blitzte und blinkte", erzählt Tanja Köhrer, die damals als Kabinenstewardess auf der "QM2" arbeitete, "die Menschen am Ufer haben fotografiert - es war ein Blitzlichtgewitter!"

Verdopplung der Besucherzahlen

Und trotz bis zu neun Anläufen jährlich warten noch heute winkende Fans an den Landungsbrücken auf die "Königin". "Die 'QM2' ist das schwimmende Wahrzeichen für Hamburg, ein Aushängeschild für die Hansestadt und hat einen gewissen Kultstatus", sagt Dietrich von Albedyll, Chef von Hamburg Tourismus. Inzwischen ist die "QM2" zwar nicht mehr das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, doch noch immer das größte, das den Hamburger Hafen anläuft.

Und es hat der Hansestadt einen unglaublichen Besucherboom beschert: Seit 2004 haben sich die Übernachtungszahlen auf 11,6 Millionen 2013 fast verdoppelt, rund 600.000 Kreuzfahrer machen ihren Teil aus. Waren es 2004 noch 53 Kreuzfahrtschiffe, die Hamburg anliefen, werden es 2014 schon 186 sein.

"Die Berichterstattung über den Anlauf der 'QM2' 2004 hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass andere Reedereien auf die Stadt aufmerksam geworden sind", sagt von Albedyll. Eine Wertschöpfung von rund 270 Millionen Euro spült die Kreuzfahrt mittlerweile in die Elbstadt.

Anfang Juli erst ist der Grundstein für ein drittes Terminal im Hamburger Hafen gelegt worden, um vor allem den größeren Kreuzern Platz zu bieten. Was die Herzen der Touristiker höher schlagen lässt, beschert der Hansestadt auch Probleme: Die vielen Kreuzfahrtschiffe bringen Rußpartikel, NOX- und Schwefeldioxid-Emissionen mitten in die Stadt, Anwohner der Terminals in Altona und der Hafencity klagen über Schmutz, Gestank und Lärm.

Ein Landstromanschluss für den Betrieb der schwimmenden Hotels wird erst im Sommer 2015 fertig gestellt sein; auch eine gerade gestartete bundesweite Initiative will frühestens im kommenden Jahr Flüssiggas nach Hamburg bringen. Und auch die 2003 gebaute "Queen Mary 2" steht auf der Liste der Schiffe, die der US-Mutterkonzern Carnival erst noch mit Abgasfiltern nachrüsten will.

Gentlemen zum Tanzen

Was die Menschen an der Gigantin trotzdem fasziniert? Und sie auch zum Hafengeburtstag und Cruise Day zum willkommenen Gast macht? "Sie hat die Ausmaße der Front des Hamburger Rathauses", sagt von Albedyll. "Es ist einfach die schiere Größe", sagt auch Köhrer, die zwei Jahre lang auf der "QM2" unterwegs war und heute für Cunard Gästegruppen koordiniert, "dazu zählen auch die breiten Korridore und die riesige Grand Lobby."

Es ist aber auch der Flair eines Schiffes, das regelmäßig zwischen Southampton und New York über den Atlantik pendelt und die Erinnerung an Auswandererschiffe wachruft. Es sind der elegant geschwungene Clipper-Bug und der schmale Rumpf, durch die die Mary noch die klassische Form eine Schiffes wahrt und nicht zum schwimmenden Hochhaus verkommt.

Und es sind die Träume von Luxus, die die Berichte von Bord auslösen. Die von dem Art-Déco-Design wie aus den zwanziger und dreißiger Jahre und dem amerikanischen Lifestyle erzählen, von den acht Restaurants, sieben Bars und Lounges und dem ersten Planetarium an Bord eines Schiffes. Von klimatisierten Kleiderschränken und von dem Steward, der sich um die den Atlantik querenden Hunde und Katzen kümmert. Und von den Cunard-typischen "Gentlemen Hosts", die die Damen durch den Ballsaal Queens Room schwenken.

Da sind solche Meldungen schnell vergessen, die von dem Unglück noch beim Bau der "QM2" in der Werft Chantiers de l'Atlantique in Saint-Nazaire berichten. 2003 stürzte eine Gangway ein, 16 Menschen kamen ums Leben. Oder von den immer wieder störanfälligen Azipods, den damals innovativen Propellergondeln, die der "QM2" immer wieder Werftaufenthalte bescherten und deren Ausfall 2006 fast zur Meuterei führten. Oder von der Explosion vor Barcelona im Maschinenkontrollraum, deren Folgen die Crew zwar schnell in Griff bekam, die aber laut einem offziellen Bericht unter anderem auch auf mangelndem Fachwissen beruhte.

Der Hafenliebschaft von "Queen Mary 2" und den Hamburgern tut das alles keine Abbruch. Zum zehnjährigen Jahrestag am Samstag wird gefeiert.


Information:

Samstag, 19. Juli: ab 9 Uhr "QM2 Day Village" am Kreuzfahrttreminal HafenCity, U4 bis Station Überseebrücke; 21.25 Uhr Show "Mille Saluti Hamburg": Abfahrt der "Queen Mary 2" vom Terminal und Feuerwerk vor Landungsbrücken

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass in Hamburg kein Landstromanschluss geplant sei. Tatsächlich haben Anfang Juli die Bauarbeiten zur Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal Altona begonnen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Herzbubi 18.07.2014
1. Oje
wo bleibt den bei diesem Jubelartikel der kritische Ansatz? alles doch irgendwie sehr spiesig. Wo warst du, als die "Queen Mary 2" zum ersten Mal nach Hamburg kam? ist ja wohl so etwas von daneben: fast so wie "Wo warst Du als der erste ICE in HH ankam" als ob dieses regionale Verkehrs-Ereigniss irgendein ein historische Bedeutung hätte? Diese Frage können bestimmt einige Hunderte beantworten und der Schreiber
20099 18.07.2014
2.
Zitat von Herzbubiwo bleibt den bei diesem Jubelartikel der kritische Ansatz? alles doch irgendwie sehr spiesig. Wo warst du, als die "Queen Mary 2" zum ersten Mal nach Hamburg kam? ist ja wohl so etwas von daneben: fast so wie "Wo warst Du als der erste ICE in HH ankam" als ob dieses regionale Verkehrs-Ereigniss irgendein ein historische Bedeutung hätte? Diese Frage können bestimmt einige Hunderte beantworten und der Schreiber
Berliner? Dann kann man eh nicht erklären was es für einen Hamburger bedeutet morgens die QM2 die Elbe hinauffahren zu sehen!
ranzassel 18.07.2014
3. Berliner!
Aber einige Jahre in HH gelebt. Und ebenfalls mehrfach zur QM2 in den Hafen gepilgert. Jedes Mal ein Erlebnis. Tolle Stimmung, tolles Schiff und absolut beeindruckend wenn dieser Koloss im plötzlich so "kleinen" Hafen auftaucht.
GyrosPita 18.07.2014
4. Ich gebe keinen Titel mehr an
Zitat von 20099Berliner? Dann kann man eh nicht erklären was es für einen Hamburger bedeutet morgens die QM2 die Elbe hinauffahren zu sehen!
Versuchen Sie es wenigstens mal. Ich bin zwar nicht aus Berlin sondern aus dem Rheinland, frage mich aber auch schon lange warum halb Hamburg am Rad dreht wenn die QM2 mal wieder vorbeikommt. Sicher, ein tolles und beeindruckendes Schiff, aber ich wüßte keinen anderen Ort wo ein ähnlicher Auftrieb veranstaltet wird wenn der Pott mal wieder einläuft...
leser75 18.07.2014
5. Oje
wie armselig; wer noch nicht auf diesem Dampfer war, sollte lieber schweigen als diesen wunderbaren Artikel dermaßen zu vermiesen. Genauso war's vor 10 Jahren morgens früh, um 5 Uhr z.B. in Willkommhöft bei Wedel.
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