Neue Kreuzfahrtschiffe Walgesänge in der Unterwasser-Lounge

Kreuzfahrtschiffe müssen immer neue Attraktionen bieten: Die französische Reederei Ponant will ihren Passagieren nun Wale ganz nahe bringen - mit einem besonderen Unterwassererlebnis.

Ponant

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Blau schimmert es in der Lounge unter dem Meeresspiegel, an den Bullaugen ziehen Orcas und Delfine vorbei. Plötzlich ertönt der Gesang eines Wals. So ungefähr sollte es an Bord der "Le Lapérouse" zugehen. Es ist eins von vier neuen Expeditionskreuzfahrtschiffen, die die französische Reederei Ponant ab Sommer 2018 nach und nach in Dienst stellen wird.

Walgesängen live lauschen, während man sich auf dem Sofa mit Blick auf die Unterwasserwelt lümmelt - mit dieser Weltneuheit wirbt Ponant für ihre "Explorer"-Schiffe. Sie alle werden mittschiffs über sogenannte "Blue Eye"-Lounges verfügen, die unter dem Meeresspiegel liegen.

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Ponant und Hapag-Lloyd: Die neuen Luxus-Expeditionsschiffe

Und die Kreuzfahrtgäste können die Walgesänge nicht nur hören, sie können sie auch spüren - durch ihre Sitzmöbel, die entsprechend der Klänge vibrieren. "Body Listening" nennen die Franzosen die Technik. Hydrophone fangen Töne im Wasser im Umkreis von fünf Kilometern auf; drei Unterwasserkameras filmen etwa Delfine, die in der Bugwelle spielen - so der Plan. Das Design der Lounge, teilt die Reederei in Marseille mit, sei inspiriert von den Formen der Wale und Quallen.

"Le Lapérouse", "Le Champlain", "Le Dumont-d'Urville", "Le Bougainville" - die Schiffsnamen nehmen Bezug auf französische Entdecker. Die bis zu 184 Passagiere, sagt Unterwasserarchitekt Jacques Rougerie, sollen "in die Rolle eines modernen Forschers schlüpfen und die Flora und Fauna der Unterwasserwelt beobachten " können.

Kreuzfahrten boomen - auch im Expeditionssegment

Spezialisiert auf luxuriöse Expeditionstouren, lässt Frankreichs einzige Kreuzfahrtreederei die vier neuen Schiffe mit verstärktem Stahl für das Polareis ausrüsten, je zehn Schlauchboote stehen für Exkursionen bereit. Außerdem an Bord der 131 Meter langen Jachten: ein Infinity Pool und ein Theater mit 188 Plätzen.

Hauptattraktion jedoch sollen die Zielgebiete sein, die mit größeren Schiffen schwerer erreichbar sind - wie die Polregionen. Zunächst aber steuert die "Le Lapérouse" ab Juni 2018 Island, Skandinavien und die Seychellen an. Mit der "Le Champlain" geht es ab September 2018 ins Mittelmeer und nach Afrika.

Die Franzosen, die somit ihre Flotte bis 2019 auf neun Schiffe anwachsen lassen, profitieren von dem anhaltenden Kreuzfahrtboom. Weltweit rechnet der internationale Branchenverband Clia für das laufende Jahr mit insgesamt 25,8 Millionen Passagieren (Vorjahr: 24,7 Millionen). In Deutschland wuchs die Zahl der Kreuzfahrtgäste 2016 um 11,3 Prozent auf 2,02 Millionen.

Die neuen Expeditions-Kreuzfahrtschiffe

Hapag-Lloyd Cruises: "Hanseatic nature" Ponant: "Le Lapérouse"
Werft Vard Vard
BRZ 15.420 10.992
Länge (m) 138 131
Breite (m) 22 18
Tiefgang (m) 5,4 4,6
Kabinen 120 92
Max. Passagiere 230 184
Crew 170 110
Antrieb Diesel-elektrisch Diesel-elektrisch
Abgasreinigung SCR-Katalysator SCR-Katalysator
Indienststellung April 2019 Juni 2018

Quelle: Hapag-Lloyd Cruises, Ponant

Auch in Hamburg zeigt man sich angesichts der Zuwachszahlen optimistisch. "Das Potenzial im Bereich Expeditionskreuzfahrten ist mehr als dreimal so hoch wie das Angebot", sagt Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises. Die Reederei mit ihrem Flaggschiff "Europa 2" hat sich daher ebenfalls entschlossen, ihre Luxusflotte mit Eisklasse-Ausrüstung auszubauen.

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Kreuzfahrt-Premieren 2017: Die neuen Giganten der Weltmeeren

Wie Ponant hat sie bei der norwegischen Werft Vard in Ålesund, einer Tochter der Ficantieri-Werft, Nachschub bestellt: Im April und Oktober 2019 geht Hapag-Lloyd Cruises mit den Fünf-Sterne-Kreuzern "Hanseatic nature" und "Hanseatic inspiration" für jeweils bis zu 230 Passagiere auf den Markt. Auf dem Programm: Antarktis, Arktis, Südsee und Amazonas.

Ponant wie Hapag-Lloyd Cruises steuern somit auch ökologisch äußerst sensible Gewässer an. Ihre neuen Expeditionsschiffe werden einen SCR-Katalysator an Bord haben, der den Stickstoffmonoxidausstoß reduzieren soll. Zudem werden die Schiffe der Hamburger auch auf die Möglichkeit eines Landstromanschlusses vorbereitet sein. Beide Reedereien verzichten zum Teil auf den Einsatz von Schweröl und nutzen dann den sauberen Marinediesel - auch dort, wo dies eigentlich nicht Vorschrift ist. Weitere Systeme zur Abgasnachbehandlung scheinen allerdings nach bisherigen Informationen nicht eingeplant.

Die Kreuzfahrtgäste, die die Natur der Pole, der Ozeane oder etwa des Amazonas kennen lernen wollen, würden solche Technologien vielleicht zu schätzen wissen. Ganz sicher aber die bedrohten Wale, deren Gesänge in den Lounges belauscht werden.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 30.05.2017
1. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen
dass sich Tausende Passagiere auf so einem Kreuzfahrtschiff wohlfühlen ! Begrenzter "Auslauf" - eingepfercht und zwangsbeglückt ?! Für mich: Nein danke !
noch_ein_forenposter 30.05.2017
2. Habe ich mal gemacht
Zitat von i.dietzdass sich Tausende Passagiere auf so einem Kreuzfahrtschiff wohlfühlen ! Begrenzter "Auslauf" - eingepfercht und zwangsbeglückt ?! Für mich: Nein danke !
und kann das nur bestätigen. Ich habe aber z.B. auch Kollegen, die jedes Jahr eine Kreuzfahrt buchen. Wenn man auf Halligalli und Dauerbeschallung steht und keine Ruhe braucht, passt das.
Terc wai Maseet 30.05.2017
3. @Redaktion Korrektur zu "Kreuzfahrt-Premieren 2017" Bilderstrecke
Hallo, Ihre Bildunterschrift beim Bild Nr. 14 ist nicht mehr aktuell, wie schon aus dem Text derselben zu erkennen ist: ""Silver Muse" vor Santorin: Noch ist dies nur eine Computeranimation. Das Schiff wird am 17. April 2017 getauft." Aktuell befindet sich die Silver Muse bereits auf Tour im Mittelmeer auf der Fahrt von Venedig nach Barcelona und liegt im Hafen Porto Corsini von Ravenna, Italien.
Zukunft3.0 30.05.2017
4. Alles nicht mehr normal
Immer höher, länger, breiter. Alles nicht mehr normal. Welche negativen Auswirkungen das auf die Umwelt hat, darüber mag man gar nicht nachdenken. Was will man dem Urlauber noch alles bieten. Mit einem normalen Urlaub ist der Mensch nicht mehr zufrieden. Wissen sich die Menschen nicht mehr selbst zu beschäftigen. Alle wollen ein Stück vom großen Kuchen.
MirkoG 30.05.2017
5. Guck Schatz...
...da sind die Wale, die wir mit unserem Motorenlärm kirre machen, damit sie fehlgeleitet dann irgendwo stranden und elendig ersticken! Toll, nicht?
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