Diskriminierung von Israelis US-Reederei will nie wieder Tunesien anlaufen

Tunesien hat israelischen Kreuzfahrt-Touristen den Landgang verweigert - angeblich wegen fehlender Visa. Die US-Reederei Norwegian Cruise Line sieht darin einen klaren Fall von Diskriminierung und sagt alle geplanten Reisen in das Land ab.

Michel Verdure/ Norwegian Cruise Line

Hamburg - Am Sonntag im Hafen La Goulette bei Tunis: Nur Stunden vor dem Landgang erfahren einige Gäste der "Norwegian Jade", dass sie nicht von Bord dürfen. Die tunesischen Behörden verweigern 14 Kreuzfahrern mit israelischer Staatsangehörigkeit die Einreise.

Norwegian Cruise Line (NCL) hat Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen, alle weiteren geplanten Anläufe in Tunesien abgesagt und wird nicht in die Destination zurückkehren. Das teilte die US-amerikanische Reederei mit Sitz in Miami mit.

"Wir möchten ein starkes Zeichen an Tunesien und an alle Häfen weltweit senden, dass wir derartige willkürliche Handlungen der Diskriminierung gegen unsere Gäste nicht tolerieren werden", sagte NCL-Chef Kevin Sheehan. Schiffe der NCL-Flotte haben 2013 das nordafrikanische Land viermal angelaufen, der Stopp am Wochenende war der zweite in diesem Jahr. Für die laufende Wintersaison sowie für den Winter 2014/15 standen insgesamt zehn weitere Anläufe im Programm.

Einer der israelischen Gäste, Jaakov Zacharia aus Tel Aviv, sagte der israelischen Zeitung "Haaretz" per Telefon, dass er sich extrem vor den Kopf gestoßen fühle: "Es war eines der unangenehmsten Erlebnisse, das ich je hatte." Zacharia habe von dem Verbot erst erfahren, als er die Einreisepapiere bereits ausgefüllt hatte. Er und seine Frau hätten die Reise auch gerade wegen des Stopps in Tunis gebucht. "Es ist ohne Vorwarnung passiert. Und es ist nicht so, dass wir verheimlicht hätten, dass wir Israelis sind."

Auch die Reederei scheint von der Restriktion durch die tunesischen Behörden überrascht worden zu sein. NCL-Chef Sheehan sagte: "Wir sind von diesem Akt und der Tatsache, dass wir vorab nicht über diese Praxis informiert worden sind, empört. Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Gästen und möchten sie wissen lassen, dass wir mit entsprechenden Maßnahmen reagiert haben." Den Urlaubern ist zudem eine Entschädigung angeboten worden.

Offiziell gab das tunesische Tourismusministerium laut "Haaretz" bekannt: Die Urlauber haben nicht von Bord gedurft, weil es ein "formelles Problem" gab - die Israelis hätten kein Visum gehabt. Das Innenministerium teilte in einem Statement über Facebook mit, dass "eine Gruppe von 14 Touristen am Betreten von tunesischem Gebiet gehindert wurde, weil sie die gesetzlichen Bedingungen für eine Einreise nicht erfüllt haben".

NCL widerspricht dieser Darstellung der Regierung: "In direkter Kommunikation zwischen Schiff und Hafenbehörden wurde eine Einreise israelischer Bürger explizit unabhängig vom Vorliegen eines Visums verweigert", teilte die Reederei mit. Normalerweise benötigen Israelis für die Einreise nach Tunesien ein Visum - allerdings gelten in den meisten Ländern, die ein Visum verlangen, Sonderregelungen für Kreuzfahrtpassagiere. Bei Landausflügen sehen diese die formlose Ausstellung eines Tagesvisums vor.

Viele Länder im arabischen Raum verweigern allerdings israelischen Staatsbürgern die Einreise - darunter Syrien, Libanon und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bisher zählte Tunesien jedoch nicht dazu. Allerdings wurde im Januar die Tourismusministerin Amel Karboul nur wenige Stunden nach ihrer Ernennung dafür kritisiert, dass sie für eine Geschäftsreise nach Israel gefahren war.

abl



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