Kreuzflüge mit der "Albert Ballin" Länder-Hopping für Superreiche

Fünf Länder in zwei Wochen: Mit einer Boeing 737, die komplett mit Erste-Klasse-Sitzen bestückt ist, können wohlhabende Reisende ganze Kontinente im Eiltempo abreisen. Vorbild sind Kreuzfahrten per Schiff - trotz Klimawandel ist die Nachfrage groß.

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Hamburg - Im Vergleich zu den spektakulären Kreuzfahrtschiffempfängen, die in Hamburg regelmäßig Hunderttausende an die Elbe locken, war es eine dezente Premiere: Mit einem Wasserstrahl von zwei Feuerwehrfahrzeugen wurde die neue Boeing 737 "Albert Ballin" am Hamburger Flughafen willkommen geheißen. Von hier aus soll die Luxusmaschine künftig zu zwei- bis dreiwöchigen Kreuzflügen für Reiche aufbrechen.

In der Kabine riecht es nach Leder, die beigefarbenen Riesensitze bieten für jeden Passagier reichlich Platz. "Wir bringen den Spaß und den Luxus zurück in die Fliegerei", sagte Sebastian Ahrens, Sprecher der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Bei Linienflügen habe man die ständige Warterei, das Herumsitzen in den Lounges, den Stress beim Massen-Check-in. Bei der "Albert Ballin" dagegen werden die Kreuzflug-Gäste - deren Durchschnittsalter knapp unter 60 liegt - wie bei einem Privatflieger per Limousine meist direkt vom Rollfeld in ihr Luxushotel gebracht.

Das ist natürlich kein billiges Vergnügen. Der erste Flug der "Albert Ballin" führt Anfang März für 18 Tage nach Brasilien, Argentinien, Chile, Peru und Kuba - für knapp 34.000 Euro pro Person im Doppelzimmer. Übernachtet wird ausschließlich in Fünf-Sterne-Hotels, der Flieger selbst ist mit 52 First-Class-Sitzen statt mit den sonst modellüblichen 189 Sitzplätzen bestückt. Wie auf einem Kreuzfahrtschiff befinden sich ein Arzt und ein eigener Koch an Bord, auch um den Gepäcktransport müssen sich die Passagiere nicht selbst kümmern.

Fünf Flugrouten pro Jahr

Vor Jahren hatte Hapag-Lloyd schon einmal Kreuzflüge angeboten, doch als es beim Flugzeugpartner zu einem Modellwechsel kam, waren die neuen Maschinen nicht mehr geeignet. Im Herbst 2008 startete der Kreuzfahrt-Veranstalter mit einer anderen Maschine erneut ins Kreuzflug-Geschäft.

Andere Reiseveranstalter wie Consul Weltreisen oder Windrose haben seit Jahren ähnliche Angebote. Bei Hapag-Lloyd stehen ab jetzt jeweils von November bis April jährlich fünf Flugrouten auf dem Plan. Neben Südamerika sind Reisen nach Südostasien, Indien und in den Orient geplant.

"Wir wussten zunächst nicht, ob diese Art Reisen noch zeitgemäß ist und ob sich Gäste finden, die ein solches Angebot zu schätzen wissen", sagte Ahrens. Der Zuspruch sei aber groß gewesen, und so fiel die Entscheidung für einen eigenen Flieger.

Aber ist so ein Reiseangebot insofern zeitgemäß, als allenthalben die großen Themen Klimawandel und Wirtschaftskrise die öffentliche Diskussion prägen? "Vom zu Hause sitzen und Knäckebrot essen wird die Finanzkrise auch nicht besser", sagt Ahrens. Die Luxusklientel habe es schließlich immer gegeben, und zwei Kreuzflüge im vergangenen November und über Silvester mit einer anderen Maschine seien fast ausgebucht gewesen. Und der CO2-Ausstoß - der sei höher, wenn man eine ähnliche Route mit Linienflugzeugen bewältigen würde. "Aber mit einem Fahrradausflug kann man das natürlich nicht vergleichen."

Experten äußern ökologische Bedenken

Kritisch bewerten Tourismusexperten das Konzept. "Wenn ein Privatjet für einige Betuchte durch die Welt fliegt, damit sie ein paar Orte erkunden können, ist das ökologisch ein absoluter Skandal und in Zeiten des Klimawandels ein Unding", sagte Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin.

Zwar falle ein einzelner Jet wie dieser in der Masse des Flugverkehrs nicht sonderlich ins Gewicht. Dennoch blieben Schiffsreisen die weitaus umweltschonendere Variante der Kreuzfahrerei, betonte er.

Zweischneidig sieht Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode, das Angebot. Dessen Marktfähigkeit beurteilt er als sehr gut: "Das ist ein Thema, was ankommt." Es gebe eine Polarisierung in der touristischen Nachfrage, und hier bediene das Konzept vielversprechend den oberen Bereich, weil es sich um ein "absolutes Luxussegment" handele. "Da gibt es genug Geld und genug Nachfrage", so der Experte.

Ökologisch betrachtet werde hingegen "für wenig Leute ganz schön viel Kerosin in die Luft geblasen". Dies sei ein Aspekt, den jeder selbst anhand seines individuellen Umweltbewusstseins mit sich ausmachen müsse.

Viel erleben in kürzester Zeit

Kein leichter Gewissenskonflikt, schließlich bringt ein prall gefülltes Reiseprogramm betuchte Reiselustige in Versuchung: In weniger als drei Wochen erleben die Gäste der "Albert Ballin" eine Rundfahrt zu den Architekturwundern von Brasilia, einen Tangoabend in Buenos Aires, eine Bootsfahrt zum Riesengletscher im Nationalpark Los Glacieres und anschließend Besuche der chilenischen Atacama-Wüste, des Machu Picchu und der Altstadt von Havanna in Kuba.

Fünf Länder in 18 Tagen, dazu der lange Anflug aus Hamburg - ob es da wirklich möglich ist, in "fremde Kulturen einzutauchen", wie eine Werbepräsentation der Reederei verspricht? Das Angebot richte sich an Leute, "die ein überschaubares Zeitbudget haben, aber viel erleben wollen", sagt Ahrens. "Wenn Sie drei exzellent organisierte Tage vor Ort haben, dann ist das nicht oberflächlicher, als wenn man eine Woche allein unterwegs ist und sich alles selber suchen muss."

Für die Organisation sorgen zwei Lektoren, die Vorträge über die Reiseziele halten und auch für die Unterhaltung der Gäste unterwegs zuständig sind. Einer davon ist Wolfgang Peters, der so schnell spricht, dass er vermutlich in einer halben Stunde mehr Infos über ein Ziel vermitteln kann als lokale Reiseführer an einem ganzen Tag.

Er werde oft gefragt, ob so eine Reise nicht extrem anstrengend sei. Peters antwortet dann: "Das einzig Anstrengende ist: Man isst zu viel und muss nachher sehen, wie man die Pfunde wieder los wird."

Mit Material von ddp und tmn



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Response88 28.01.2009
1. Umwelt muss jeder mit sich selbst ausmachen?
Ökologisch betrachtet werde hingegen "für wenig Leute ganz schön viel Kerosin in die Luft geblasen". Dies sei ein Aspekt, den jeder selbst anhand seines individuellen Umweltbewusstseins mit sich ausmachen müsse. Meiner Meinung nach gibt es vieles, was jeder mit sich selbst ausmachen sollte. "Umwelt" allerdings ist per Definition ein Gemeingut und bei diesen kann man Dinge nun mal nicht mit sich selbst ausmachen. Eventuell sollten die Leute weniger Angst davor haben, dass jeder Inder einen Kühlschrank besitzt und sich lieber einmal ihre eigene Energie- und Schadensbilanz anschauen. Völlig unverantwortlich!
hansi99 28.01.2009
2. das ist doch völlig in Ordnung
Jeder darf mit seinem hart erarbeiteten Geld machen was er will. Das nennt man Freiheit! Der permanente Hinweis auf CO2 ist doch wieder typisch. Nichts ist letztlich erwiesen. Das Klimamodell ist zu kompliziert, um es zu verstehen und durch den Menschenwillen nicht wirklich regulierbar. Ohne CO2 wäre die Erde eine Eishölle. Gerade gehört: mangels Feinstaub und anderer Luftverschmutzung steigt die Temperatur! Gebt ruhig mal CO2-Lüge in google ein, müsst ja nicht alles glauben. Und außerdem investieren die Reisenden in Bildung, mehren das Verständnis für die Welt, geben hier und dort ordentlich Geld aus und wirken gegen die Krise. Sollen wir uns kaputt sparen? Neidig auf die Reichen? Arbeitet halt mehr.
Lopez21 28.01.2009
3. Als ob die Umwelt interessieren wuerde
Wer schon mal pro Person ueber 30.000 EURO fuer einen kleinen Urlaubshuepfer auslegen kann, den interessiert vermutlich am wenigsten die Umwelt. Hoechstens dann, wie er die Umweltauflagen seiner Dreckschleudern bei Produktion und sonstiger Mobilitaet ausweiten oder wohin auslagern kann. Sicherlich wird der Veranstalter auch in den naechsten Krisenjahren genuegend Nachfrage fuer die Fluege verbuchen koennen. Sind doch gerade die, die es sich leisten koennen wieder von unseren wohlmeinenden Staatskassen reichlich im Konjunkturprogramm oder mit Rettungsfallschirm bedient worden oder werden es bestimmt noch. Hoch lebe unsere neoliberale Wirtschaft! Denn das ist ja den verantwortungsbewussten Managern und Finanzmagnaten wirklich zu goennen, dass sie mal mit der Freundin oder Sekretaerin fuer rund 100.000 kurz auf Urlaub fliegen. Schliesslich muessen sie den Rest des Jahres jeden Euro umdrehen, der das uebrige Personal kostet; das geht an die Nerven und die brauchen auch mal Entspannung...
mcmercy, 28.01.2009
4. Die dürfen das
Am ökologischten ist es natürlich seine 3-Wochen Urlaub zuhause zu verbringen und ab und an eine Fahradtour durch den örtlichen Park zu machen. Aus Sicht eines Afrikaners oder Asiaten ist wahrscheinlich sogar alles was wir Europäer machen ein ökologischer Overkill, da wir 100mal soviel Energie verbrauchen wie er, selbst wenn wir nur in unserer Bude sitzen und den Plasmafernseher laufen lassen. Letzlich kann man jedem der hier "Pfui Ökoterroristen" ruft nur sagen: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Unser Wohlstand beruht nun mal auf Konsum. Ohne Konsum keine Arbeit und ohne Arbeit kein Wohlstand. Also kann die Crux nicht sein zu sagen die dürfen das nicht sondern darauf zu achten, dass die Flugzeuge den aktuellen Umweltschutzrichtlinien entsprechen.
Jochen Kissly, 28.01.2009
5. Das ist umweltfreundlich
Nachdem Trittihn und Künast einen Privatjet leer nach Brasilien fliegen lassen wollten um dort das Land zu erkunden ist dieses ausgebuchte Flugzeug ökologisch gesehen geradezu umweltfreundlich. Grüne Politiker und deren Wähler sollten sich doch freuen dass das Flugzeug nicht leer durch den brasilianischen Luftraum gondelt. Vielleicht sollte die Reise so heissen: "Auf den Spuren von Trittihn und Künast - eine umweltfreundliche Variante". Wenigstens zahlen hier die Reisenden selbst und nicht der Steuerzahler.
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