Küsten und Seen Deutschlands Badegewässer sind sehr sauber

An ihren Küsten, in Flüssen und Seen erwartet die Deutschen auch in diesem Jahr ungetrübter Badespaß. Der EU-Umweltkommissar übt dennoch Kritik: Einige Mitgliedsländer würden ihre Statistiken schönen, auch zeigt sich ein Negativtrend bei Binnengewässern.


Brüssel – Neben der deutschen Nord- und Ostseeküste schnitten auch die Strände in Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark in der jährlichen Untersuchung der EU-Kommission über die Wasserqualität zumeist sehr gut ab. Umweltkommissar Stavros Dimas sagte in Brüssel: "Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass an weit mehr als 95 Prozent der Strände an Europas Küsten nach wie vor in sauberem Wasser gebadet werden kann. Mit Sorge sehe ich aber, dass die Schutzbestimmungen im Landesinnern vielfach nicht angewandt werden."

Elbschwimmer: Deutschlands Badegewässer sind sauber
DDP

Elbschwimmer: Deutschlands Badegewässer sind sauber

Die Sauberkeit von Seen und Flüssen habe im letzten Jahr weiter abgenommen. Jüngsten Messungen zufolge erfüllten nur noch knapp 86 Prozent der europäischen Binnengewässer die Mindeststandards der EU - gegenüber 92 Prozent im Jahr 2003. Die Kommission führt diesen Trend nicht zuletzt auf die zehn neuen EU-Staaten zurück, von denen vier - Ungarn, Lettland, Malta und Polen - erstmals ihre Daten übermittelten. In zahlreichen Badeorten dieser Länder sei die Wasserqualität als unzureichend eingestuft worden, weil nicht genügend Messungen vorgenommen wurden. Dies habe das Gesamtergebnis beeinflusst.

Verfahren gegen Deutschland

Der Kommissar kritisierte die Mitgliedstaaten dafür, durch das Herausnehmen von Gewässern aus der Statistik die Badewasser- Richtlinie zu unterlaufen.  Damit verbessere sich zwar deren Statistik, nicht aber die Sauberkeit des Wassers. Deshalb droht auch der deutschen Regierung wie zehn anderen EU-Staaten ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Dimas hatte im April die erste Stufe eines solchen Vertragsverletzungsverfahrens gestartet. "Ich fordere die Regierungen dringend auf, diese Gewässer strenger zu überwachen", sagte Dimas. Allein in Deutschland wurden nach EU-Angaben über 40 Prozent der 2645 Süßwasserstrände und gut 45 Prozent der mehr als 700 Meeresstrände aus der Liste der offiziellen Badegewässer gestrichen.

Bei den restlichen Badegewässern müssen sich die Deutschen keine Gedanken um Sauberkeit machen: 99 Prozent der Strände an Ost- und Nordsee erfüllen die Mindestanforderungen; bei Seen und Flüssen gilt dies für 94 Prozent der Badestrände. Der Anteil der Badegewässer, die auch die freiwilligen, aber schärferen EU-Grenzwerte für die mikrobiologische und chemische Verschmutzung erfüllen, blieb in etwa gleich: Bei den deutschen Küstenbädern waren dies 91,5 Prozent, bei den Binnengewässern etwa 82 Prozent.

EU-weit werden die strengeren Standards von 89 Prozent der Küstengewässer erfüllt, darunter von zahlreichen beliebten Urlaubszielen in Frankreich, Griechenland und Spanien. Bei den Binnengewässern sank dieser Anteil von 66,5 auf 63 Prozent.

Italiens Strände weniger sauber

Frankreich und Spanien konnten die Qualität des Badewassers im vergangenen Jahr sowohl an den Küsten als auch im Landesinneren verbessern. Griechenland und Zypern bescheinigte die Kommission exzellente Werte. An den italienischen Küsten verschlechterte sich die Qualität erneut leicht. Zwar sei das Niveau insgesamt gut, dennoch gebe es diesen Trend schon seit 2002. Ein gutes Zeugnis stellte die Brüsseler Behörde Dänemark und den Niederlanden aus.

Insgesamt erfasst die EU 20.914 Badegebiete, davon liegen 14.230 an Küsten und 6684 im Binnenland.

abl/dpa/reuters/AFP



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