Kunst auf der Expo Provokation, Irritation, Diskussion

Die kleine Schwester der documenta steckt in einem Dilemma: Kunstprojekte auf der Expo sollen weder zu konventionell sein, noch dürfen sie die Besucher überfordern. Zwölf international renommierten Künstlern soll dieser Spagat gelingen.

Für das "Weltwunder" auf der Weltausstellung müssen die Expo-Besucher abtauchen: Nur wer so mutig ist, in einen Tümpel zu springen und durch einen Tunnel drei Meter unter die Erde zu schwimmen, wird das Kunstprojekt der österreichischen Künstlergruppe "Gelatin" in einem Bunker sehen können.

Die ehemals weiße Halle 10, die die Amsterdamer Künstlerin Lily van der Stokker mit rankenden Ornamenten auf rosa Grund überzogen hat, und das riesige Bodenmosaik von Albert Oehlen fallen dagegen jedem Expo-Besucher sofort ins Auge. Die drei Objekte gehören zum Expo-Kunstprojekt "In between", das sich zwischen Imbissbuden und Pavillons auf dem Weltausstellungsgelände behaupten muss.

Die Kuratoren Wilfried Dickhoff und Kasper König sitzen tatsächlich zwischen den Stühlen. Sie organisieren weder eine konventionelle Ausstellung noch Kunst im öffentlichen Raum. "So etwas hat es auf einer Weltausstellung noch nicht gegeben", sagt Dickhoff. Die Expo sei - anders als die documenta in Kassel - eine Riesenchance, Menschen mit moderner Kunst zu konfrontieren, die sich normalerweise nicht dafür interessieren. Die beiden Kuratoren haben zwölf international renommierte Künstler beauftragt, Werke zu schaffen, die sich inhaltlich mit dem Phänomen von Weltausstellungen auseinander setzen.

Statt "größer, schneller, weiter" hat der mexikanische Künstler Gabriel Orozco ein nostalgisches, gerade mal zehn Meter hohes Riesenrad aufgestellt, das halb überirdisch, halb unterirdisch seine Runden dreht. Es steht im krassen Gegensatz zum größten Riesenrad der Welt, das 1893 in Chicago gezeigt wurde, und erinnert an das Faust- Thema Himmel und Hölle.

Irritation bei den 40 Millionen Besuchern wird sicherlich auch das Projekt des deutschen Tobias Rehberger auslösen: In einem japanischen Garten auf dem Lärmschutzwall des Expo-Parks Süd will er im Sommer Schnee herbeizaubern.

"Die Künstler können zwischen den Expo-Highlights nur bestehen, wenn sie das Unerwartete, das völlig Andere schaffen und vorhandene Denkmuster auf den Kopf stellen", sagt Organisator Martin Fritz. So hat der Amerikaner Paul McCarthy einen überdimensionalen, begehbaren Pinocchio geschaffen. Hier können die Expo-Besucher ein essbares Schoko-Kunstwerk mit nach Hause nehmen.

Provozieren wollen auch Carsten Höller und Rosemarie Trockel - auch wenn ihr "Haus für Tauben, Menschen und Ratten" diesmal ohne lebende Tiere auskommt. In dem begehbaren "Augapfel" sollen die Expo-Besucher die friedliche Koexistenz von Menschen und Tieren proben.

Am höchsten Punkt des Expo-Geländes - der sternenförmigen Aussichtsplattform am Hermes-Turm in 65 Metern Höhe - installiert der Schweizer Künstler Roman Signer horizontal einen zwölf Meter langen, im Kreis rotierenden Flaggenmast. An seinem Ende hängt eine rote Fahne, die mit 40 Kilometer pro Stunde "völlig nutzlos" um den Turm wehen soll.

"Die Welt an die Leine" legt symbolisch der österreichische Künstler Franz West. Dort, wo sonst das Hermes- Zeichen über dem Messe-Zentrum schwebt, wird ein blauer (Erd-)ball durch die Luft gewirbelt.

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